Rettet die Schokoladenweihnachtsmänner

Wer denkt mitten im Sommer schon an Weihnachten? Niemand! Doch während sich die Deutschen in Freibädern Sonnenbrand holen, zeichnet sich schon das Drama der Vorweihnachtszeit ab: lange Schlangen vor den Süßwarenläden, Handgreiflichkeiten zwischen älteren Damen, die sich um die letzten Schokoladenplätzchen zanken, und traurige Kinderaugen, die vergeblich den geliebten Schokoladenweihnachtsmann auf ihrem Weihnachtsteller suchen. Was ist bloß geschehen?

Schokolade wird knapp, und Schuld ist angeblich der Klimawandel. Denn die globale Erwärmung sorgt nicht nur für tropische Temperaturen im deutschen Sommer. Durch Hitze und Dürre scheint nun auch die Kakaobohne vom Aussterben bedroht. Und ohne Kakaobohnen gibt es keine Schokolade. Wird der Klimawandel vielleicht auch schon bald die lila Kühe, die bekanntlich die beste Milch für Schokolade liefern, von der heimischen Alm vertreiben? Dann wäre die Klimakatastrophe perfekt.

Muss nun jeder Schokoladenfreund anfangen, seine eigenen Kakaobohnen zu ziehen, und sich eine lila Kuh in den Schrebergarten stellen, um so für regelmäßigen Nachschub an Naschwerk zu sorgen? Nein! Dieses Mal ist der Klimawandel nur der billige Sündenbock, der herhalten muss, um die wahren Schuldigen zu verbergen – die Spekulanten. Es war nicht genug, dass gierige Banker die Weltwirtschaft in eine der schlimmsten Krisen gestürzt haben. Jetzt hat ein Londoner Hedgefonds 240,000 Tonnen Kakaobohnen aufgekauft und Schokoladenhersteller stehen mit leeren Händen da. Eine Verschwörung, um dem Westen eine Zwangsdiät aufzulegen?

Die Erklärung ist einfach. Die neuen Vergütungsregeln für die Finanzindustrie sehen vor, dass Hedgefondsmanager nur noch einen Teil ihrer Bonuszahlungen in bar erhalten dürfen. Was liegt also näher, als den übrigen Teil in Form von Schokolade auszuzahlen? Schokoladentafeln sind klein und lassen sich wie Goldbarren hervorragend im hauseigenen Safe stapeln. Schokolade wird also zum Luxusgut der Reichen, während in deutschen Wohnzimmern gähnende Leere unterm Weihnachtsbaum herrscht. Dagegen muss etwas unternommen werden. Legt den Spekulanten endlich das Handwerk! Ihr Naschkatzen dieser Welt – holt Eure Transparente heraus und demonstriert für die Rettung der Schokoladenweihnachtsmänner!
(August 2010)

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