Richard III. wird in der Schlacht von Bosworth von Henry VII. besiegt.

König Richard III. und das Ende der Rosenkriege

Richard III. wird in der Schlacht von Bosworth von Henry VII. besiegt.
(c) Emma Vieceli

Man schreibt das Jahr 1483. Seit der Schlacht von Tewkesbury 12 Jahre zuvor herrscht Frieden in England. König Edward IV. aus dem Hause York hat seine Rivalen, die Adelsfamilie Lancaster, besiegt und keine Nachfahren am Leben gelassen, die ihm die Krone streitig machen könnten. Es gibt noch einen Thronanwärter, der dem Hause York gefährlich werden kann: Henry Tudor, Ur-Urenkel John of Gaunts, Duke of Lancaster. Aber der befindet sich seit 14 Jahren im Exil in der Bretagne.

Dennoch herrscht Unzufriedenheit am Königshof. Die Woodvilles, Familie der Königin, gewinnen täglich an Macht. Es gibt ältere und noblere Adelsfamilien am Hof als die Woodvilles, denen diese Entwicklung ein Dorn im Auge ist. Aber niemand wagt zu rebellieren. Alle fürchten das Temperament des Königs. Nur fünf Jahre ist es her, dass Edward IV. seinen eigenen Bruder, George Duke of Clarence, wegen einer Verschwörung hinrichten ließ.

Plötzlich passiert das Undenkbare: Der 40-jährige Edward IV. stirbt nach einer Krankheit. Sein ältester Sohn, auch Edward genannt, ist erst zwölf Jahre alt. Kurz zuvor hatte der König seinen jüngsten Bruder, Richard Duke of Gloucester, zum Protektor des jungen Thronfolgers ernannt. Richard lebt in Yorkshire, im Norden des Landes. Er hat Edward IV. durch alle Hoch- und Tiefphasen seiner Regierung begleitet. Er ist seinem Bruder und König treu ergeben und lebt sein Leben im Dienste des Hauses York. Noch ahnt er nichts von dem Drama, das sich in den nächsten Monaten entfalten wird.

Elizabeth Woodville versucht, die Macht zu übernehmen

Richard III. wird nach der SChlacht von Bosworth in der Franziskaner-Kirche in Leicester beigesetzt.
(c) Emma Vieceli

Während Edward IV. in Windsor Castle beigesetzt wird, schickt seine Witwe, Königin Elizabeth, nach ihrem Sohn Edward. Der Thronfolger lebt seit einiger Zeit am Hof ihres Bruders Lord Rivers auf Ludlow, wo er auf seine Aufgaben als zukünftiger König vorbereitet wird. Die Königin plant die Krönung Edwards V. für den 4. Mai 1483, nur zwei Wochen nach der Beerdigung.

Lord Hastings, einer der wichtigsten Männer im King’s Council, Beratergremium des Königs, beobachtet das Vorgehen der Königin besorgt. Hastings gehört nicht nur zu den alteingesessenen Adelsfamilien, die den Aufstieg der Woodvilles mit Argwohn betrachten. Er ist auch einer der engsten Vertrauten des verstorbenen Königs und seines Bruders Richard von Gloucester. Sofort sendet er einen Boten zu Richard nach Yorkshire, um ihn über die Geschehnisse am Hof zu unterrichten.

Richard versteht sofort, dass er sich beeilen muss. Wenn Edward V. gekrönt wird, bevor er in London ankommt, verliert er seinen Einfluss auf den Thronfolger. Elizabeth und ihre Familie könnten das Protektorat Richards aufheben lassen und als Berater des minderjährigen Königs uneingeschränkte Macht über England gewinnen.

Lord Rivers ist bereits aufgebrochen, um den jungen Edward, nach London zu bringen. Richard versammelt all seine Verbündeten im Norden und marschiert nach Northampton, wo er die königliche Eskorte stellt. Er nimmt Lord Rivers und andere Woodville-Gefolgsleute fest und eskortiert den Thronfolger nun selbst nach London. Als die Königin erfährt, dass ihr Plan zur Machtübernahme fehlgeschlagen ist, sucht sie Asyl in der Westminster Abbey.

Richard von Gloucester übernimmt die Regierung als Protektor

Die Franziskanerkirche von Leicester wird während der Reformation unter Henry VIII. zerstört.
(c) Emma Vieceli

London ist in zwei Teile gespalten. Unterstützer der Königin und der Familie Woodville scharen sich um Westminster Abbey. Währenddessen bringt Richard den Thronfolger sicher in den königlichen Gemächern des Towers unter und übernimmt von dort die Regierung des Landes als Protektor. Die Krönung Edwards V. wird auf den 22. Juni 1483 verschoben.

Bei der Verteilung der Regierungsposten gehen die Woodvilles leer aus. Aber auch Lord Hastings ist enttäuscht. Richard macht ihn zwar zum Münzmeister, aber die wichtigsten Posten gehen an Richards Verbündete aus dem Norden und Henry Stafford, Duke of Buckingham. Buckingham ist ein Neuankömmling in London. Er hat Richard bei seinem Marsch nach Northampton und bei der Festnahme Lord Rivers geholfen. Dafür erhält er von Richard Ländereien und wird zum Oberrichter und Schatzkanzler von Wales befördert. Hastings, der ehemals enge Vertraute Richards, gerät ins politische Abseits.

Ob Hastings sich bei der Postenverteilung übergangen fühlt oder ob er die Interessen des Thronfolgers durch Richards Regierungsübernahme bedroht sieht, ist nicht klar. Jedenfalls wechselt der Lord die Seiten und plant mit Anhängern der Woodville Familie einen Anschlag auf den Protektor. Am 13. Juni erfährt Richard von der Verschwörung. Er lässt Hastings festnehmen und ohne Gerichtsverhandlung hinrichten.

Als König macht sich Richard III schnell unbeliebt

Archäologen finden in Leicester Überreste der zerstörten Kirche, in der Richard III. einst beigesetzt wurde
(c) Emma Vieceli

Der Tag der Krönung Edwards V. naht. Zweifel an der Legitimität des Thronfolgers werden laut. Es ist weithin bekannt, dass seine Eltern 1464 heimlich geheiratet hatten. Mit dem Skandal hatte sich der verstorbene König Feinde in Kirche und Adel gemacht. Am 22. Juni 1483 werden außerdem Informationen über einen früheren Ehevertrag zwischen Edward IV. und einer gewissen Lady Eleanor Butler veröffentlicht. Nach dem Kirchengesetz war Edwards Ehe mit Elizabeth Woodville also ungültig. Die Kinder Edwards IV. werden für illegitim erklärt und von der Thronfolge ausgeschlossen. Vierzehn Tage später wird Richard zum König gekrönt.

Die Söhne Edwards IV. leben weiterhin als Prinzen im Tower, werden aber ab Mitte Juli 1483 nicht mehr gesehen. König Richard III. verlässt den Tower am 19. Juli und reist durch das Land. Währenddessen braut sich im Süden des Landes eine Rebellion zusammen. Adelshäuser, die mit Lancasters oder Woodvilles verwandt sind, aber auch südliche Gefolgsleute der Yorks, die bei der Postenverteilung übergangen wurden, sind unzufrieden und schauen hoffnungsvoll über den Kanal, wo Henry Tudor eine Invasion plant. Unter den Rebellen ist der Duke of Buckingham, ein Verrat, der den König schwer trifft.

Richard III. gelingt es, die Rebellion zu unterdrücken. Aber der König sitzt in der Zwickmühle. Er kann seinen nördlichen Gefolgsleuten keine Posten und Ländereien wegnehmen, ohne sie zu verärgern. So kann er im Süden nichts verteilen, um mehr Unterstützung zu gewinnen.

Am 7. August 1485 landet Henry Tudor in Wales und besiegt Richard III. in der Schlacht von Bosworth. Richard III. fällt im Kampf um die Krone, der letzte englische König, der auf dem Schlachtfeld stirbt. Die Zeit der Yorks und Lancasters ist vorbei, und mit ihnen gehen die Kämpfe um die Thronfolge zu Ende, die später als Rosenkriege in die Geschichte eingehen. Richard III. wird in der Franziskaner-Kirche von Leicester beigesetzt.

Shakespeare prägt das Image Richards III.

Archäologen finden das Grab Richards III. in Leicester.
(c) Emma Vieceli

Die Geschichtsschreiber der Tudor-Zeit beschreiben Richard III. als Mörder, Intrigant und Thronräuber. Es sind diese Quellen, die William Shakespeare zu seiner Tragödie „König Richard III.“ inspirieren. So geht Richard III. als schlechter König und böser Mensch in die Geschichte ein.

Meine Geschichte über Richard III. basiert auf den Erkenntnissen der Richard III. Society. Diese Gesellschaft unterstützt Forschungen zum besseren Geschichtsverständnis. Niemand weiß genau, was sich vor über 500 Jahren zugetragen hat. Geschichte wird meist von den Siegern geschrieben. Es gibt also guten Grund anzunehmen, dass Richard III. kein schlechterer Mensch war, als andere zu seiner Zeit. Dass er nicht an heutigen gesellschaftlichen Normen gemessen werden kann, versteht sich von selbst.

Das Rätsel um die Prinzen im Tower bleibt bis heute ungelöst. Wurden sie ermordet, so ist Richard III. ein Hauptverdächtiger. Aber er ist nicht der Einzige mit einem Motiv. Auch Henry Tudor, der kurz darauf zum König Henry VII. gekrönt wurde, hatte ein Interesse, potenzielle Thronanwärter aus dem Weg zu räumen, um seinen eigenen, schwachen Anspruch nicht zu gefährden. 1674 wurden Knochen zweier Kinder an einer Treppe im Tower gefunden. Sie wurden 1678 in der Westminster Abbey als die Prinzen beigesetzt. Eine Untersuchung 1933 unterstützte die Vermutung, dass es sich bei den Knochen um die Prinzen handelt.

Die Kirche, in der Richard III. begraben lag, wurde nach dem Zerwürfnis zwischen Henry VIII. und dem Papst zerstört. Im September 2012 entdeckten Archäologen in Leicester menschliche Überreste, wo der König einst beerdigt wurde.

Wurde King Richard III. in Leicester gefunden?

Comic-Zeichnerin Emma Vieceli zeichnete anlässlich der Ausgrabung ein Kurz-Comic, das sie Entdecke England zur Verfügung stellte. Vielen Dank, Emma!

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6 thoughts on “König Richard III. und das Ende der Rosenkriege

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