Oliver Cromwell und die Englische Revolution

Im 17. Jahrhundert wurde der Grundstein für Englands konstitutionelle Monarchie gelegt. Die Engländer stürzten ihren tyrannischen Monarchen über 100 Jahre bevor die Französische Revolution Louis XVI. zum Verhängnis wurde. Der wichtigste Mann bei Englands kurzem Experiment mit der Republik war Oliver Cromwell. Als 29-jähriger wurde er 1628 erstmals ins Parlament gewählt.

Oliver Cromwell

Unter den Tudors hatte das Parlament an Macht gewonnen. Obwohl es damals hauptsächlich die Wünsche des Königs erfüllte, hatte eine parlamentarische Gesetzgebung zumindest den Anschein einer breiten Unterstützung in der Bevölkerung. Außerdem gibt es Aufzeichnungen über die eine oder andere oppositionelle Meinung. Als Elizabeth I. 1603 starb, änderte sich jedoch der politische Ton. Die schottischen Stuart-Könige James I. und sein Sohn Charles I. glaubten nach wie vor an die gottgegebene Macht des Königs. Charles I. beendete die Querelen, indem er 1629 das Parlament auflöste. Er führte neue Steuern ein, was besonders beim Adel auf Widerstand stieß.

“No taxation without representation”

Patrick Henry

Unter den Tudors hatte außerdem eine weit bedeutendere Reform stattgefunden als die Stärkung des Parlaments – der Bruch mit dem Papst und die Gründung der protestantischen englischen Staatskirche. Anfang des 17. Jahrhunderts war die Mehrheit der englischen Bevölkerung protestantisch. Innerhalb der noch jungen Religion gab es zwei große Fraktionen, die Anglikaner und die Puritaner. Während die Anglikaner an vielen katholischen Zeremonien festhielten, verlangten die Puritaner eine komplette Reformation der Kirche, in der Rituale abgeschafft und Kirchenverzierungen verboten werden sollten. Noch während dieser Selbstfindungsphase der Protestanten begann die katholische Kirche ihre Gegenreformation, die den europäischen Kontinent in den Dreißigjährigen Krieg stürzte. Englische Protestanten fühlten sich also dauernd von einem katholischen Gegenschlag bedroht. In dieser Situation stärkte es nicht des Königs Ansehen, dass er mit der katholischen Henrietta Maria von Frankreich verheiratet war. Der katholische Einfluss am Hof trieb einen Keil zwischen König und Volk.

“if the King be no papist, papists are friends and kindred to him”

John Hampden

1640 brauchte Charles I. mehr Geld. Um neue Steuern zu erheben, benötigte der König die Unterstützung eines Parlaments. Die neu einberufenen Parlamentarier waren nach elf Jahren Tyrannei jedoch nicht gewillt, dem König einfach nachzugeben. Sie beschlossen mehrere Gesetze, um die Macht des Königs zu beschränken. Das konnte Charles I. nicht auf sich sitzen lassen. 1642 stellte er eine königstreue Armee auf und erklärte dem Parlament den Krieg. Oliver Cromwell war seit 1640 wieder im Parlament. Aber zu seinem Ruhm kam er erst im Bürgerkrieg. Es war seine Idee, eine Berufsarmee zu gründen, die New Model Army. Nach sieben Jahren besiegte Cromwells Armee den König. Charles I. wurde 1649 zum Tode verurteilt und vor dem Banqueting House in London hingerichtet. Sein Sohn Charles ging nach Frankreich ins Exil.

Mit dem Tod des Königs wurde die Monarchie abgeschafft. Die neue Ära hieß Commonwealth. Fortan erließ ein Parlament unter der Führung Oliver Cromwells die Gesetze. In den ersten Jahren nach Ende der Monarchie kämpfte Cromwell weiter gegen Royalisten in Irland und Schottland. In England begann sich das Leben dennoch zu normalisieren. Der Handel begann wieder aufzublühen. Die Wunden des Bürgerkriegs begannen zu heilen. Nachdem Oliver Cromwell 1653 seine Feinde besiegt hatte, fühlte er sich jedoch zu Höherem berufen. Er entließ das Parlament und ließ sich zum Lord Protector ernennen.

“Not what they want but what is good for them.”

Oliver Cromwell

Oliver Cromwell war Puritaner und wollte sein Volk vor sündhaften Versuchungen schützen. Er verbot jeden unmoralischen Zeitvertreib, ließ Pubs und Theater schließen und schaffte sogar Oster- und Weihnachtsfeste ab. Statt dessen sollten die Leute fasten. Nun wurde das Volk also nicht mehr von einem König tyrannisiert, sondern von einem puritanischen Diktator. Kein Wunder also, dass nach seinem Tod 1658 die Menschen Lust auf eine Veränderung hatten. Cromwells Sohn Richard erbte zwar den Titel des Lord Protector, aber er verlor die Macht über das Parlament. 1660 holte das Parlament Charles Stuart aus dem französischen Exil zurück. Mit der Krönung Charles II. begann die Restauration der Monarchie. Aber der König musste fortan seine Macht mit dem Parlament teilen.

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9 thoughts on “Oliver Cromwell und die Englische Revolution

  1. Wunderbar, wunderbar. Bündig und pädagogisch geschliffen 🙂 Was brauche ich da noch Wälzer über englische Geschichte. Merkwürdig, dass das, was zur Zeit in Ägypten sich abspielt mich erinnert an diesen englischen Bürgerkrieg, an Cromwells fundamentalistisch orientierte Diktatur. Präsident Mubarak gestürzt. Parlamentswahlen anberaumt, Präsident Mursi wird vom Parlament demokratisch gewählter Präsident, der sich anschließend mit flagranten Verfassungsänderungen in die Rolle eines “Großprotektors” des Islams der Muslimbrüderschaft hineinmanövriert.
    Wollen hoffen, dass es in Ägypten nicht auch zu einer Art Restauration kommen wird. Denn diese wird sicherlich in einer Militärdiktatur enden.

    Darf ich einen Wunsch anmelden, liebe Peggy? Wie wäre es mit einer kurzen Abhandlung über die Glorious Revolution? Oder über die Magna Charta?

    Herzliche Grüße

    Achim

    1. Ja, es ist schon interessant, wie sich Geschichte manchmal wiederholt. Ich hoffe auch, dass die Menschen in Aegypten und anderen Nahostlaendern bald zu einer friedlichen Demokratie finden und nicht alle blutigen Fehler wiederholen, die die Europaeer gemacht haben.

      Glorious Revolution und Magna Charta sind beides faszinierende Themen. Danke fuer den Hinweis. Ich schaue mal, was ich machen kann. Koennte aber eine Weile dauern, denn Zeit ist momentan knapp
      Lieben Gruss aus dem kalten und regnerischen London,
      Peggy
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  2. Liebe Peggy,lieber Rambling Brother,
    sind wir nicht grundsätzlich deswegen an Geschichte interessiert, weil sie uns die Gegenwart verständlicher macht? Es scheint ewig gleiche Muster zu geben, die der Weltgeist webt, um mit Hegel zu sprechen.
    Ja, woher die Ideologie stammte, die die Magna Charta prägte, das würde mich auch interessieren.
    Herzliche Grüße von der sonnigen Küste Norfolks. Ich verschwinde in den Garten, tschüß
    Klausbernd 🙂

    1. Was den Fortgang der Geschichte anbetrifft, so hat der weise Hegel diesen nicht an die Allmächtigkeit historischer Personen und ihren epochemachenden Entscheidungen geknüpft. Allerdings habe ich so meine Probleme bei der Vorstellung des zu sich selbst kommenden Weltgeistes und der Geschichte, die dann zu ihrem Ende kommt. W.G. Sebald hierzu: Wir wissen ja inzwischen, daß die Geschichte nicht so abläuft, wie die Historiker des 19. Jahrhundert uns das erzählt haben, also nach irgendeiner von großen Personen diktierten Logik, nach einer Logik überhaupt.” Und doch scheint es, gerade in der Geschichte sozialer Revolutionen und sozialer Umwälzungen, eine dem Gewebe der Zeit mechanische, inhärente Logik zu geben. Zu oft ereignete sich doch der Umstand, dass die Revolutionen ihre eigenen Kinder fraß.

      1. Hallo Ihr zwei Philosophen, danke fuer Eure interessanten Kommentare. Geschichte ist doch immer am spannendsten, wenn man sie mit gegenwaertigen Ereignissen in Verbindung bringen kann. Ich wuenschte, meine alten Geschichtslehrer haetten das verstanden.

        Normalerweise ist ja bei uns am Wochenende netzfreie Zeit. Unser Sohn soll erstmal lernen, mit echten Dingen zu spielen. Und da gehen wir mit gutem Beispiel voran. Aber mein Mann hat heute Spielplatzdienst und waehrend unser Sunday Roast gart, habe ich ein paar ruhige Minuten fuer ein literarisches Zitat, das vermutlich wie kein anderes das Ausmass von Revolutionen beschreibt:

        “It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of Light, it was the season of Darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair, … In short, the period was so far like the present period…” Charles Dickens “A Tale of Two Cities”

        Euch einen schoenen Sonntag
        Peggy
        Sent from my BlackBerry smartphone from Virgin Media

  3. Liebe Peggy, i
    ch lese gerade “Cambridge” von Peter Sager, wow wiei toll man die ganze Geschichte Englands mitbekommt – und mit großer Freude lese ich immer wieder deinen feinen Artikel, du hast einen wunderbaren Blog der einem spielerisch leicht nach England trägt!
    Herzliche Grüße aus dem Rehinland
    Dina

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