Kurt Schwitters – Master of the “in-between”

Oft stehe ich beim Betrachten eines abstrakten Bildes im Widerstreit zwischen dem Bedürfnis, die ästhetischen Formen und Farben zu genießen und dem Verlangen, in dem Bild etwas Greifbares und mir Verständliches zu erkennen. Kurt Schwitters würde mir mangelnde Fantasie vorwerfen und damit hätte er wohl recht.

If I stand in front of an abstract picture I am very often torn between cherishing aesthetic forms and colours and the need to find some meaning in the picture. Kurt Schwitters would charge me with lack of fantasy and he would probably be right.

Schwitters in Britain collage

Kurt Schwitters wurde 1887 in Hannover geboren. Er studierte kurz an der Kunstgewerbeschule Hannover und belegte Kurse bei mehreren Kunstprofessoren. Während des Ersten Weltkriegs wurde er als technischer Zeichner in einem Eisenwerk vepflichtet. Anschließend studierte er zwei Semester Architektur. Er wollte von allem ein bisschen. So entwickelte er auch seine Kunst – ein bisschen Dadaismus, ein bisschen Konstruktivismus und ein bisschen Futurismus, dazu noch ein paar Gedichte und experimentelle Texte. Er arbeitete nach dem Motto “Schaffe Verbindungen – wenn möglich zwischen allen Dingen der Welt”. Er nannte es “Merz” – eine Ableitung von Kommerz, oder vielleicht eine Abwandlung von Scherz? Wer seiner “Ursonate” im Raum 4 der Sonderausstellung lauscht, kann hören, dass er seine Kunst mit Humor nahm. Sie erinnert mich an die Lautentwicklung eines Babys, mit dem Unterschied, dass sie sich hier und da reimt. Und schon ertappe ich mich wieder dabei, etwas hineinzuinterpretieren.

Kurt Schwitters was born in Hanover in 1887. He studied shortly at a school for handicraft and took courses with several art professors. During World War I he had to work as design draftsman in an ironwork company. Afterwords he studied two semesters of architecture. He wanted a little bit of everything. That is also how he developed his art – a little bit of dadaism, a little bit of constructivism and a little bit of futurism, add a few poems and experimental text. He worked under the motto: “Create connections, if possible between everything in the world”. He called it “Merz” – derived from Kommerz (commerce), or a modification of Scherz (humor)? If you listen to his “Ursonate” in room 4 of the exhbition, you can hear that he took to his art with humor. It reminds me of the linguistic development of a baby, escept that it rhymes in parts. But here am I again, trying to interpret.

“Any desire to reproduce natural forms limits the force and consistency of working out an expression.” Kurt Schwitters

Die Nazis hielten seine Kunst für “entartet”. Schwitters emigrierte 1937 nach Norwegen und floh nach dem deutschen Überfall 1940 nach Großbritannien. 16 Monate lang war er als “enemy alien”  auf der Isle of Man interniert. Danach zog er zuerst nach London und 1945 in den Lake District. Dort starb er 1948, einen Tag nachdem er die britische Staatsbürgerschaft bekommen hatte. Aus dem “enemy alien” war ein anerkannter Künstler geworden, der die Britische Kunstszene nachhaltig beeinflusst hat. Leben konnte er von seiner modernen Kunst nicht. Um Geld zu verdienen, malte er Portraits und Lake-District-Landschaften für Touristen.

The Nazis condemned his art as “degenerate”. Schwitters emigrated to Norway in 1937 and escaped to Britain in 1940 after the Nazi occupation of Norway. He was interned as an “enemy alien” on the Isle of Man for 16 months. Afterwards he moved first to London and in 1945 to the Lake District. He died there in 1948, one day after he was notified of his successful application for British citizenship. He had developed from “enemy alien” to an acknowledged artist, who had a great influence on British art. Still, he could not live from his modern art. To earn money he painted portraits and Lake District landscapes for tourists.

Schwitters in Britain Sculpture

Die Ausstellung zeigt Schwitters’ Vielseitigkeit, seine Experimente mit Materialien und Medien. Seine Collagen bestehen oft aus Fundstücken, Theaterkarten und Zeitungsschnipseln. Sie dokumentieren seinen eigenen Weg von Deutschland über Norwegen nach Großbritannien und geben gleichzeitig Einblicke in die Zeitgeschichte. Seine Kreationen überwinden die Grenze zwischen Bild und Skulptur. Kurt Schwitters lässt sich keinem Genre zuordnen. Er war sein eigenes Genre. Beim Betrachten der Hand-Skulpturen lauschte ich heimlich einer kleinen geführten Gruppe und schnappte zwei interessante Äußerungen auf, die meinen Blick auf die Ausstellung erweitert haben.

The exhibition shows Schwitters’ versatility, his experiments with materials and media. He created his collages from found objects, theatre tickets and newspaper clippings. They document his movement from Germany to Norway to Great Britain and have captured contemporary culture and politics. His creations overcome the barriers between picture and sculpture. Kurt Schwitters can not be put into one genre. He was his own genre. Looking at the hand-held sculptures I secretely listened to a guided tour and heard two interesting comments, that have enhanced my view of the exhibition.

“It is a display of the “in-between”. The “in-between” disturbs us, because we can not speak about it in common categories.”

“Kids in nursery love this, but we have forgotten how to play.”

Schwitters in Britain Ausstellung

Die Ausstellung in der Tate Britain läuft noch bis zum 12. Mai 2013.

Tate Britain, Millbank, London SW1P 4RG

Tube: Pimlico, Vauxhall oder Westminster

Bus: 87, 88, C10, 2, 36, 185, 436

Boot: Millbank Pier

Leider durfte ich in der Ausstellung nicht fotografieren. Deshalb habe ich mit drei Schwitters-Postkarten meine eigene Kunst kreiert. Ich denke, Kurt Schwitters hätte nichts dagegen gehabt.

Unfortunatetly I was not allowed to take pictures in the exhibition. Therefore, I created my own art with the help of three Schwitters postcards. I believe Kurt Schwitters would have approved.

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12 thoughts on “Kurt Schwitters – Master of the “in-between”

  1. Ich bin ein großer Schwitters Fan, Peggy und wohne in der selben Straße wie Hannah Höch es tat… (purer Zufall)
    Mein Lieblingsgedicht ist die Anna Blume, sie ist ja sehr bekannt.
    Ich habe auch gerade mein Buch über Schwitters hervorgeholt und die Anna Blume in Ruhe gelesen….
    LG nach Greenwich von Susanne

    1. Die Austellung war wirklich sehr interessant und haette Dir sicher auch gefallen. Was auch sehr interessant war, war der letzte Raum “Schwitters’s legacy”, wo zwei Kuenstler Videos produziert haben, die sich mit dem Thema beschaeftigen. Ich glaube, Schwitters haette die Installationen gemocht. Gruesse nach Berlin, Peggy

      1. In der Berlinischen Galerie gibt es einen Dada Raum, der eine Ausstellung der Dadaisten nachstellt, also die Exponante sind so gehangen wie damals. Sie sahen sich ja nicht als Künstler, die Dadaisten, obwohl alle von ihnen eine künstlerische Ausbildung hatten.
        Hannah Höch ging ja im Gegensatz zu Schwitters während der Nazi-Zeit in die innere Emigration, so wie auch Nolde z.B.
        Das Schwierigste für beide war Papier und Farbe zum Arbeiten zu bekommen.
        Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

      2. Mein Smartphone hat mir gestern keinen reply-button angezeigt, aber am Laptop funktioniert es ja scheinbar doch (diese Technik…)
        Ich habe gelesen, dass einige Dadaisten Schwitters aus dem Grund ablehnten, dass er im Gegensatz zu ihnen seine Merz-Projekte sehr wohl als Kunst betrachtete. Das ist schon eine sehr interessante Epoche. Auch Schwitters lebte ja im Grunde in Armut. Seine Kunst zeigt, dass man auch mit sehr wenigen (und oftmals gefundenen) Mitteln kreativ sein kann. Sehr inspirierend! Viele Gruesse, Peggy

  2. Liebe Peggy,

    vielen Dank für die interessanten biographischen Daten über Schwitters. Dass er in England wirkte, war mir neu und dass er den Rest seines Lebens im Lake District verbrachte gibt meinem anstehenden Urlaub dort eine weitere Herausforderung: mich auf Spurensuche nach ihm zu begeben. Mal schauen, ob ich etwas von ihm/über ihn entdecke, was dann in einem Blogbeitrag über den Lake DIstrict Ende Mai erscheinen kann.

    Liebe Grüße

    Achim

    1. Hallo Achim, stimmt ja, Du bist ja bald im Lake District. Schwitters hat in Ambleside und Kendal gelebt. Er hat in Elterwater den Merz Barn begonnen, aber soweit ich weiss, sind die Reliefs heute in Newcastle. Gruss, Peggy

  3. Na, das sind ja schon einmal zwei weitere Hinweise, Ambleside und Kendal. Vielen Dank dafür. Aber Newcastle aufzusuchen, nur wegen Schwitters, ich glaube das lass ich 🙂

    Liebe Grüße

    Achim

  4. Vielen Dank für den interessanten und informativen Beitrag über Schnitters, liebe Peggy. Ich habe schon wieder viel gelernt und mir ein paar Notizen in meinem Reisebüchlein gemacht! 🙂 Liebe Grüße Dina

    1. Vielleicht findest Du ja auch in Norwegen etwas ueber ihn. Er hat dort im Exil zwei Merz-Bauten kreiert, in Lysaker und auf Hjertoya, aber ich weiss nicht, ob noch etwas davon uebrig ist. Liebe Gruesse, Peggy

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