Das englische Parlament

England ist eine konstitutionelle Monarchie. Das Wort „Monarch“ kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus mόnos („allein“) und árchein („herrschen“). Heutzutage sind britische Monarchen jedoch keine Alleinherrscher mehr. Genau genommen ist das Wort „herrschen“ gänzlich aus der Mode gekommen. Statt dessen werden wir regiert, also gelenkt. Ob das besser klingt, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wählt heutzutage das britische Volk alle fünf Jahre ein neues Parlament, aus dem die Regierung gebildet wird.

England is a constitutional monarchy. The word ‘monarch’ origins from Greek and is a combination of mόnos („alone“) und árchein („rule“). Of course, today British monarchs are no longer autocrats. The country is now governed by elected representatives. Every five years the British people vote for a new parliament, out of which the government is formed.

Houses of Parliament

Das Unterhaus / House of Commons

Das Wort Unterhaus mag ein wenig abwertend klingen, aber hier findet die eigentliche Politik statt. Denn das Unterhaus ist der gewählte Teil des Parlaments. Großbritannien hat insgesamt 650 Wahlkreise. In jedem wird ein Abgeordneter, ein sogenannter MP, Member of Parliament, gewählt. Wer die meisten Stimmen bekommt, zieht ins Parlament ein. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es keine Überhangmandate. Aus jedem Wahlkreis wird genau ein Abgeordneter ins Parlament geschickt. Die Partei, die die meisten Abgeordneten im Parlament hat, bildet die Regierung. Das nennt man einfaches Mehrheitswahlrecht.

House of Commons might sound a bit deprecatingly, but this is the place, where politics are made. The House of Commons is the elected part of the parliament. Britain is divided into 650 constituencies. The people of each constituency vote for one candidate. The one with the most votes becomes a Member of Parliament (MP). The political party with most MPs forms the government. This is called first-past-the-post system.

Richard Löwenherz vor den Houses of Parliament

Das Oberhaus / House of Lords

Aber auch das Oberhaus spielt eine wichtige Rolle im Gesetzgebungsprozess. Denn Gesetze benötigen außer in Ausnahmefällen auch die Zustimmung des Oberhauses. Das Oberhaus ist der traditionellere Teil des Parlaments. Ursprünglich hatte jeder Adlige einen Sitz im Parlament, dem House of Lords. Der Sitz im Oberhaus wurde ursprünglich wie der Adelstitel vererbt, in der Regel an den erstgeborenen Sohn. Da alle Gesetze sowohl vom Unterhaus als auch vom Oberhaus abgesegnet werden müssen, ist es schwer das Oberhaus zu reformieren. Welcher Adlige gibt schon freiwillig seine Stimme im Parlament auf?

But the House of Lords is also important for the lawmaking process. For bills to become law, both houses of the parliament have to agree. The House of Lords is the traditional part of the parliament. Initially all noblemen had a seat in the parliament, the House of Lords. The parliamentary seat together with the title was usually passed on to the eldest son. Because both houses have to vote on laws, it is so difficult to reform the House of Lords. Who would freely give up a seat of power?

„Take one look around you, and retire! The body of the House and the side galleries are full of Members; some, with their legs on the back of the opposite seat; some, with theirs stretched out to their utmost length on the floor; some going out, others coming in; all talking, laughing, lounging, coughing, oh-ing, questioning, or groaning; presenting a conglomeration of noise and confusion“, Charles Dickens (Boz), “A Parliamentary Sketch” (1836)

Aber in den 1990er Jahren wurde es mit 1330 Sitzen wohl doch zu eng im Oberhaus, sodass die Vererbbarkeit der Parlamentssitze 1999 abgeschafft und die Anzahl auf 669 reduziert wurde. Jetzt werden Lords vom Premierminister ausgewählt und von der Queen berufen. Dennoch sind 92 erbliche Parlamentssitze als Kompromiss erhalten geblieben. Allerdings werden diese nicht mehr nach der Erbfolge besetzt. Stirbt ein Lord, so wird der Parlamentssitz frei und die Lords wählen unter sich ein neues Mitglied. Neben den Lords sitzen auch einige Bischöfe und Richter des Obersten Gerichtshofs im Oberhaus. Der letzte Versuch, das Oberhaus zu demokratisieren, scheiterte im Sommer 2012. In einem Land, das so stolz auf seine demokratische Vorreiterrolle ist, ist es erstaunlich, dass ein Relikt wie das Oberhaus die Zeit überdauert hat.

But in the 1990s with 1330 members it finally seemed a bit too crowded in the House of Lords. Hereditary peers were removed from parliament and the House of Lords reduced to 669 members. Nowadays, the prime minister selects peers and they are appointed by the queen. Nevertheless, 92 hereditary peers remained as a compromise. But they will no longer pass on to the heirs. If a peer dies, his or her seat in parliament becomes free. The Lords will elect a new member between themselves. Additionally to the peers, some bishops and Supreme Court Justices are also members of the House of Lords. The last attempt to democratise the House of Lords failed in summer 2012. It is astonishing, how, in a country so proud of its democratic heritage, a relic like the House of Lords could survive for so long.

Big Ben

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17 thoughts on “Das englische Parlament

  1. Guten Morgen, liebe Peggy,
    es war mir nicht klar, dass im Oberhaus bis vor kurzem die Sitze noch vererbt wurden. Was für ein Relikt aus einer vergangenen Zeit und trotzdem sehr interessant von der Betrachtungsweise und Tradition.
    Die Fotos sind auch sehr gelungen.
    Ich wünsche dir einen schönen Mittwoch, Susanne

    1. Guten Morgen liebe Susanne, Ich muss zugeben, es hat laenger gedauert, den Post zu schreiben, als ich urspruenglich dachte. Ich musste ganz schoen viel lesen, bevor ich das komplizierte System im House of Lords halbwegs verstanden hatte. Vermutlich verstecken sich Verfechter ueberholter Traditionen gerne hinter komplizierten Prozessen in der Hoffnung, dass sich keiner traut ueber die Sinnhaftigkeit nachzudenken. Aber was waere England schon ohne seine manchmal seltsamen Traditionen? Liebe Gruesse aus dem stuermischen London, Peggy

      1. Das glaube ich dir gerne, liebe Peggy, man liest die gute Recherche aus dem Artikel heraus.
        Macht spielt neben der Tradition bestimmt auch eine große Rolle. Wer gibt schon gerne ein solch mächtiges System auf!
        Bei uns ist es heute auch grau in Berlin aber das macht nichts, die Bäume werden langsam grün … aber sehr langsam …. die Knospen sind schon da!
        Ein schönes WE wünscht dir Susanne

      1. Ich weiß nicht, ob es mit dem Referendum zusammenhängt. Bei mir war es jedenfalls nicht der Fall. Ich suchte etwas zu dem Machtgefüge im heutigen England. Dieses Referendum ist mir eher egal. Deine Artikel sind sehr informativ.

  2. Hallo Peggy,

    ich bin froh Deinen Artikel gefunden zu haben. Für meinen London Blog bin ich grade am recherchieren für einen Artikel über das House of Parliament. Und das Konstrukt des House of Lords ist bei Dir am besten erklärt 🙂 Ist schon seltsam das Adlige noch einen so großen Einfluss haben auf die Politik in England. Naja, aber wenn man so durch London geht, dann sieht man ja auch das die Engländer anders ticken wie wir.

    Vg Alex

    1. Hallo Alex, vielen Dank für die “Blumen”. Entschuldige die späte Antowrt. Manchmal haben meine beruflichen und familiären Verpflichtungen Vorrang vor dem Blog. Ich freue mich, wenn ich Dir mit meinem Artikel helfen konnte und wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit Deinem eigenen Blog. Herzliche Grüße, Peggy

  3. Das verstehe ich mehr als gut. Geht mir genauso. Ich blogge für mein Leben gerne, aber es ist nicht alles.

    Danke für Deinen mutmachenden Worte 🙂 Ich habe schon ein paar andere Blogs, aber London find ich so geil (sorry), dass ich einfach noch einen Blog machen musste.

    Lg Alex

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