St. George and the White Horse

Saint George, Ritter von Cappadocia, kam eines Tages nach Libyen. Dort wurde die Stadt Silene von einem fürchterlichen Drachen tyrannisiert. Jeden Tag mussten ihre Bewohner ein Menschenopfer bringen, um die Stadt vor der Raserei des Drachen zu bewahren. Wie es der Zufall wollte, gelangte der Heilige George genau an jenem Tag nach Silene, als des Königs Tochter geopfert werden sollte. Er griff sein Schild, verziert mit einem roten Kreuz auf weißem Untergrund, und ritt auf seinem weißen Pferd zur Höhle des Drachen. Im Namen Jesus Christus besiegte er das Monster, woraufhin sich der König und sein Volk taufen ließen.

Saint George, knight of Cappadocia, came one day to Libya. There, the city of Silene was tyrannised by a terrible dragon. Every day the citizens had to select one among themselves to be sacrificed in order to keep the dragon away from the city. By chance, Saint George arrived in Silene on the day the king’s daughter was about to be offered. He grabbed his shield, marked with a red cross on a white background and rode on his white horse to the dragon’s lair. He slew the beast in the name of Jesus Christ. Thankful to the saviour, the king and his people got baptised.

StGeorge
st-george and the dragon line engraving created in 1879 after the sculpture by j e boehm

Es sollte der erste richtige Frühlingstag des Jahres werden. Aber als unter Auto über die schmalen holprigen Straßen Oxfordshires rumpelte, hingen die grauen Wolken so tief, als könnten sie ihre Wasserlast kaum mehr tragen. Kaum hielten wir auf dem Parkplatz, fielen auch schon die ersten dicken Regentropfen. Zum Glück blies ein kräftiger Wind und der Regenschauer zog schnell vorbei. Unsere Gummistiefel versanken knöcheltief auf der noch winterfeuchten Schafweide. Der Wind blies so stark, dass wir unseren kleinen Entdecker für die kurze Wanderung lieber in den Rucksack setzten. Dann marschierten wir los, um den sagenumwobenen Ort zu erkunden, an dem der Heilige George einst den Drachen getötet haben soll.

It was supposed to be the first day of spring. But as our car bounced along Oxfordshire’s narrow roads, the grey clouds sagged as if they could hold their watery burden no longer. As soon as we stopped at the car park, the first fat drops of rain started to fall. Luckily, the wind blew away the rain shower quickly. Our wellingtons sank deeply into the muddy sheep-run. The wind blew so strongly that we decided to put our Little Explorer into the backpack. Then we set out to find the mythical place, where Saint George once slew the dragon.

Wanderung zum White Horse Hill

Der eine oder andere von Euch hat vielleicht schon bemerkt, dass hier etwas mit der Geographie nicht stimmt. Seit wann liegt Libyen im Oxfordshire? Der Mythos von Saint George wird erstmals um 700 in Britannien erwähnt. Vermutlich hat der Abt von Iona die Geschichte von einem befreundeten französischen Bischof gehört. Wahrscheinlich gab es bereits eine ähnliche Geschichte unter den Einheimischen (ein nicht seltener Zufall bei christlichen Mythen und Bräuchen), so dass die Legende vom Heiligen George schnell ins britische Kulturgut übernommen wurde. Und für die britische Adaption gab es den perfekten Ort: White Horse Hill. Leider hatten wir auf diesem Ausflug keinen Hubschrauber dabei. Aus der Luft kann man sehr gut die mit Kalkstein in den Hügel gearbeitete Pferdefigur sehen.

Some of you are probably wondering by now: since when is Libya in Oxfordshire? The myth of Saint George was first mentioned in Britain around 700. The Abbot of Iona probably heard the story from a French bishop. It is likely that the Britons already knew a similar story (a not uncommon coincidence with Christian myths and rites). Therefore, the legend of Saint George was quickly absorbed into British culture, especially as they already had the perfect place for the British adaptation: White Horse Hill. Unfortunately, we did not bring a helicopter for our trip. From the air you can see very clearly, how the figure of a white horse was worked into the hill.

The White Horse

Am Fuße des White Horse Hill liegt Dragon Hill, ein abgeflachter Hügel. Hier hat dem Mythos zufolge Saint George den Drachen getötet. Wo das Drachenblut die Erde berührte, wuchs nie wieder Gras. Noch heute ist an der Stelle ein weißer Fleck zu sehen.

At the bottom of White Horse Hill lies Dragon Hill. There Saint George slew the dragon. Where the dragon blood touched the earth, no grass could ever grow again. Even today you can still see the white mark.

Dragon Hill

Zu wahrem Ruhm stieg Saint George während der Kreuzzüge auf. Angeblich erschien durch ein Wunder der Heilige George und führte die englischen Kreuzritter in den Krieg. Zum Gedenken benannte 1222 das Council of Oxford den 23. April zum St. George’s Day. Als Edward III. 1348 den Order of the Garter gründete, bestimmte er Saint George zum Schutzpatron. Vor dort war der Weg nicht mehr weit bis zum Schutzpatron Englands. Die englische Flagge zeigt bis heute das rote St. George’s Kreuz auf weißem Untergrund. Während der Reformation wurden katholische Heilige unpopulär. 1778 wurde der Feiertag degradiert. Aber bis heute feiern die Engländer mit mitterlalterlichen Festen die Legende vom Heiligen George.

Truly famous became Saint George during the crusades. It was said that through a miracle Saint George appeared and led the crusaders into battle. In 1222, as a tribute, the Council of Oxford named 23. April St. George’s Day. When Edward III. founded the Order of the Garter he chose Saint George as patron. From there it took him not long to become the patron saint of England. The English flag still shows the red St. George’s cross on white background. During the Reformation Catholic saints became unpopular. In 1778 the holiday was demoted. But today English people still celebrate St. George’s Day with medieval festivals.

View from White Horse Hill

Unter all den Mythen ist es schwer, den wahren Saint George zu finden, wenn es ihn überhaupt gab. Heutzutage vermutet man, dass er im 3. Jahrhundert in der heutigen Türkei gelebt hat. Er war wohl ein römischer Soldat. Selbst ein Christ, protestierte er gegen die Christenverfolgung. Dafür wurde er gefoltert und hingerichtet. Aber seinem Glauben blieb er treu.

Among all these myths it is difficult to find the real Saint George, if he did exist at all. Nowadays it is assumed that he lived sometime around the 3rd century in what is now Turkey. Presumably he was a Roman soldier. Himself a Christian, he protested against the persecution of Christians. For that he was tortured and killed. But he never gave up his faith.

Uffington Castle

Die Kalksteinfigur auf dem White Horse Hill ist sehr viel älter als der Mythos von Saint George. Sie wurde gegen Ende der Bronzezeit, also vor etwa 3000 Jahren (das war vor den Kelten!), in den Hügel gegraben und mit Kalkstein aufgefüllt. Zu dieser Zeit gewannen Pferde in Britannien an Bedeutung. Es ist jedoch nicht klar, ob oder für welche Riten das weiße Pferd eine Rolle spielte. Hinter dem White Horse Hill liegt Uffington Castle, ein Ringwall aus der frühen Eisenzeit. Die etwa 3 Hektar große Anlage wurde um 700 vor Christus aufgeschüttet und war einst von hölzernen Palisaden umgeben. Wer von dort oben den Ausblick auf die North Berkshire Downs genießt, wundert sich nicht, warum die einstigen Bewohner gerade diesen Hügel als Domizil und möglicherweise Kultort wählten.

The chalk figure on White Horse Hill is much older than the legend of Saint George. It was cut into the hill and filled with chalk at the end of the Bronze Age, about 3000 years ago (that was before the Celts). Around that time horses became important in Britain. But it is unclear what the purpose of the figure was. Behind White Horse Hill stands Uffington Castle, a hillfort from the early Iron Age. It was built around 700 BC. The wall protects a flat area of around 8 acres and was once crowned by wooden palisades. Looking down from the fort over the North Berkshire Downs makes you understand, why these early inhabitants chose this hill as their home and potentially a place of worship.

Exploring Uffington Castle

Während wir auf dem Wall spazieren gingen, blies der Wind die Wolken fort. Hungrig vom Wandern fuhren wir zum 10 Meilen entfernten Ardington. Unter strahlend blauem Himmel genossen wir im Biergarten des The Boar’s Head einen deftigen Sunday Roast.

While we were walking on top of the wall, the wind blew away all the clouds. Hungry from walking we drove 10 miles to Ardington. Under a blue sky we sat down in the garden of The Boar’s Head and enjoyed a nice Sunday Roast.

The Boar's Head

Reisehinweise / Travel advise:

White Horse Hill erreicht man am besten mit dem Auto, etwa 2 Stunden westlich von London über die M4, Abfahrt 14, anschließend B4000 nach Ashbury, von dort B4507 bis zur Dragon Hill Road. Parkplatz ist ausgeschildert.

Wer auf das Auto verzichten möchte:

Zugstation Didcot Parkway ist 13 Meilen entfernt, Züge fahren von London Paddington. Oxfordshire County Council, Thames Travel und Heyfordian bieten lokalen Busservice an. Bei dieser Option solltet Ihr auf jeden Fall gut zu Fuß sein.

White Horse Hill is best reached by car, approximately 2 hours west of London, via M4, exit 14, B4000 to Ashbury, then B4507 to Dragon Hill Road, parking signposted

If you do not want to go by car:

Next station Didcot Parkway is 13 miles away, trains run from London Paddington.

Oxfordshire County Council, Thames Travel and Heyfordian offer local bus service, but you definitely have to be prepared for some walking.

Walking the wall

Advertisements

8 thoughts on “St. George and the White Horse

  1. Liebe Peggy,
    ein wirklich gelungener, fein geschriebener Artikel zum Saint George, der bei uns im Dorf als Pub-Name verewigt ist. Es ist ein Zufall, dass du erwähnst, du hättest einen Hubschrauber haben wollen. Witzigerweise bin ich mit einem Hubschrauber über diesen weißen Fleck geflogen, als ich dort bei einen Film über spezielle Plätze Englands drehte. Auch von oben, kann ich beteuern, sieht dieser weiße Fleck nicht gerade beeindruckend aus, wohingegen ich das White Horse of Uffington sehr beeindruckend finde. Die feinste Hügelzeichnung finde ich persönlich jedoch den Cerne Abbas Giant.
    Ganz liebe Grüße aus Norfolk
    Klausbernd

  2. Klingt wie ein gelungener Ausflug, vor allem wenn man so eine gut vorbereitete Reiseleiterin hat. Wie es aussieht, haben deine beiden Männer haben sich jedenfalls gut amüsiert.

    Wir werden hier morgen Abend in unserem Pantoffel-Pub ein wenig den St. George’s Day begehen, das ist hier im Ausland wesentlich weniger politisch befrachtet und bestirnrunzelt als in England selbst.

    Liebe Grüße von der anderen Insel,
    Sandra und die Jungs

    1. Naja, auf den Regenschauer waren wir nicht eingestellt, aber zum Glueck hat sich das Wetter ja noch gebessert. Gibt es einen besseren Tag als Betaetigung an frischer Luft gefolgt von einem Pub Lunch? Liebe Gruesse aus dem endlich sonnigen und warmen Greenwich, Peggy

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s