In Fine Style: The Art of Tudor and Stuart Fashion

Mark Twain sagte einst: “Kleider machen Leute. Nackte Leute haben wenig oder keinen Einfluss auf die Gesellschaft.“ Heute mag das nicht mehr ganz zutreffen, aber früher, bevor es Autos und Apple-Gadgets gab, war Kleidung das wichtigste Statussymbol. In der Ausstellung „In Fine Style: The Art of Tudor and Stuart Fashion“ zeigt die Queen’s Gallery, wie sich Englands Monarchen einst in Szene setzten. Die Kuratoren haben Gemälde und Kleidungsstücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert zusammenstellt, und Kunsthistoriker und Designer erklären im Audioguide, wie sich die Mode und die Porträtmalerei in diesen zwei Jahrhunderten verändert haben.

Mark Twain said once: „Clothes make the man. Naked People have little or no influence on society.” Today this may not be entirely true, but before the age of cars and apple-gadgets, clothes were the most important status symbol. The new exhibition „In Fine Style: The Art of Tudor and Stuart Fashion“, in the Queen’s Gallery illustrates, how English monarchs used to present themselves. The curators have selected paintings and clothes from the 16th and 17th century and art historians and designers explain on the audio guide, how fashion and portrait painting have evolved during the two centuries.

Ausstellung in der Queen's Gallery
Ausstellung in der Queen’s Gallery

Die Geschichte beginnt mit Henry VIII. Dessen Vater hatte die Krone auf dem Schlachtfeld erobert. Sein Thronanspruch war jedoch fragwürdig. Als der 18-jährige Henry den Thron besteigt, lässt er jedoch keinen Zweifel daran, wer der mächtigste Mann Englands ist. Er ist der beste Turnierkämpfer, Jäger und Tänzer und niemand kleidet sich so prächtig wie er. So inszeniert er sich auch in seinen Gemälden. Denn Gemälde waren damals die Visitenkarten der Monarchen. Man stellte sie vor den Untertanen aus, die einzige Möglichkeit für viele, ihren König zu sehen, und schickte sie an andere europäische Adelshäuser, um Eheschließungen zu arrangieren.

The story begins with Henry VIII. His father won the crown on the battlefield, but his claim to the throne was rather flimsy. When Henry becomes king at the age of 18 he leaves nobody in doubt as to who the most powerful man of England is. He is the best horseman, hunter and dancer. And that is how he presents himself in his portraits. Don’t forget, at the time portraits were like business cards. They were shown to his subjects, the only chance for many to see their king, or sent abroad to arrange marriages.

Am Hof von Henry VIII. und seinen beiden Töchtern Mary I. und Elizabeth I. wir die Mode von den Spaniern abgeschaut.
Am Hof von Henry VIII. und seinen beiden Töchtern Mary I. und Elizabeth I. wird die Mode von den Spaniern abgeschaut.

Henry VIII. war zwar der mächtigste Mann Englands, aber die Weltmacht zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Spanien. Folglich kopierten europäische Könige die Mode am spanischen Hof. Der Mann von Welt trug damals ein Wams über einer Pluderhose. Die Hose war zwischen den Beinen offen. Eine Schamkapsel bot den königlichen Kronjuwelen Schutz. In Henrys Regierungszeit wurden die Schamkapseln immer größer. Der Audioguide steckt zwar voller Informationen, aber die heikle Frage, ob dieser Trend mit seinen Schwierigkeiten, einen männlichen Erben zu zeugen, zusammenhängt, beantwortet er nicht. Dafür erfahre ich, dass die pinke Farbe des Kleides, das Prinzessin Elizabeth trägt, aus zerquetschten Insekten hergestellt wurde.

Henry VIII. might have been the most powerful man of England, but the world power at the beginning of the 16th century was Spain. Therefore, most European kings copied the Spanish court fashion. Men wore a doublet over a round hose. The hose was open between the legs and the royal crown jewels were covered by a codpiece. During Henry’s reign the codpiece became larger and larger. The audio guide does not elaborate, if that had something to do with Henry’s difficulties to produce a male heir. Instead I learn that the pink colour of Princess Elizabeth’s dress was made from crushed insects.

Anne of Denmark ist nicht etwa die Königin von Dänemark. Die Tochter des dänischen Königs heiratete 1589 den schottischen König James VI., der später auch der König von England wurde.
Anne of Denmark ist nicht etwa die Königin von Dänemark. Die Tochter des dänischen Königs heiratete 1589 den schottischen König James VI., der später auch der König von England wurde.

Interessanterweise hängt in der Ausstellung nicht das übliche Porträt von Elizabeth als Königin. Vielleicht, weil es für die Geschichte der Mode zu wenig Aussagekraft hat. Denn Elizabeth übertrifft Ihren Vater um ein Vielfaches, wenn es um Gemäldepropaganda geht. Maler dürfen nur ein von ihr genehmigtes Konterfei porträtieren. Das ist der Grund, warum die Virgin Queen auf keinem Gemälde älter als 20 Jahre aussieht. Dennoch hat sie die Damenmode am Hof gründlich verändert. Auch ihre Nachfolgerin Queen Anne of Denmark kleidet sich noch nach elizabethanischer Mode mit edelsteinbesetzten Kleidern und Kragen aus gestärkter Spitze. Diese Mode blendet zweifellos jeden Zuschauer. Nur regnen darf es nicht, sonst hängt die ganze Spitzenpracht bald traurig herunter.

Interestingly, the exhibition does not include one of the famous portraits of Elizabeth as queen. Maybe it does not give a valuable insight into history of fashion. Queen Elizabeth I. was even more obsessed with her appearance as her father. Painters were only allowed to copy pre-approved images of the queen. That is, why the Virgin Queen never seems older than 20 in her portraits. But she did have a huge influence on court fashion. Her successor Queen Anne of Denmark is still dressing in Elizabethan style. Her dress is covered with pearls and gemstones and she is wearing starched ruffs and cuffs. With this fashion you are sure to impress everybody, but beware the rain or the starched lace will soon be drooping.

Ein Kunsthistoriker erzählt, wie die Büste Charles I. entstand.
Ein Kunsthistoriker erzählt, wie die Büste Charles I. entstand.

Die Revolution und Oliver Cromwells puritanische Diktatur setzen der höfischen Verschwendungssucht 1649 zunächst ein Ende. Erst elf Jahre später kehrt Charles II. als neuer König aus dem Exil zurück. Allerdings wird seine Macht gestutzt. Das Parlament bewilligt dem Monarchen ein Gehalt, von dem er seinen Hof finanzieren muss. Edelsteinbesetzte Kleider sind nun definitiv out. Das heißt jedoch nicht, dass die Show beendet ist. Der Merry Monarch, wie Charles II. auch genannt wird, ist bekannt für seine Vergnügungssucht. Hier sehen wir La Belle Frances Stuart, eine der sogenannten Windsor Beauties, die den Hof und zuweilen das Bett des Königs verschönern.

In 1649 the revolution and Oliver Cromwell’s puritan dictatorship put an end to royal extravagance. It takes eleven years before King Charles II returns from exile. His power is much reduced. Parliament gives him an allowance to manage his court. Gemstone covered dresses are certainly out. But the does not mean the show is over. Charles II is known for his lavish parties and numerous affairs and goes down into history as the Merry Monarch. Here we see La Belle Frances Stuart, one of the Windsor Beauties, who adorned the royal court and occasionally the royal bed.

La Belle Stuart
La Belle Stuart

Ganz so leger lief La Belle am Hof nicht herum, versichert mir der Audio Guide. Hier ist ein neuer Trend in der Porträtmalerei entstanden. Die königliche Familie und andere Adlige präsentieren sich in Gemälden nun weniger formal. Vielleicht ein Zeichen des königlichen Machtverlusts? Charles II., dem das Parlament nun große Teile der Regierungsarbeit abgenommen hat, nutzt jedenfalls seine Zeit nicht nur, um Technik und Forschung zu fördern, sondern betätigt sich sogar selbst als Modedesigner. Seine Weste ersetzt bald das Wams und wird zum Vorläufer des heutigen Dreiteilers.

This is not, how La Belle would walk around at court; the audio guide is quick to point out. What we see here is a new trend in portraiture. Royals and other nobles present themselves less formal in their portraits than in real life. Could that be a sign of the diminishing power? Charles II, who has handed over a lot of the government duties to the parliament, uses his time to promote science and to make his very own mark onto fashion. His vest soon replaces the doublet and is said to be the predecessor to the three piece suit we know today.

Charles II. in seiner neuen Weste
Charles II. in seiner neuen Weste

Besonders interessant fand ich die Kapitel über das Ankleiden. Ich habe mich ja schon immer gewundert, warum Könige Audienzen im Ankleidezimmer gewährten. Der Grund ist, dass sie einen großen Teil des Tages im Ankleidezimmer verbrachten. Männer mussten bis zur Erfindung der Weste Ihre Hose jeden Tag mit dem Wams verschnüren. Frauen trugen unter dem Mieder ein Korsett, dass je nach den Umständen weiter oder enger geschnürt wurde. Wams, Korsett und Mieder wurden durch Pappe und Fischbein gestärkt. Diese Mode war also nicht nur umständlich anzuziehen, sondern auch unbequem (zumindest aus heutiger Sicht). Aber dafür sorgte sie sicherlich immer für eine tadellose Haltung.

The most fascinating part of the exhibition was, when I learned about the procedure of dressing. I always wondered, why kings would allow audiences in their dressing chambers. The reason, as I now know, is that he spent so much time in there. Men had to tie their doublet and hose together with a ribbon every day. Women wore stays underneath their bodices, which could be fastened according to the ladies circumstances. Doublets, stays and bodices were underpinned with whalebone or cardboard. This fashion was not only cumbersome to put one it was also uncomfortable (at least from today’s perspective). But at least it always supported a perfect posture.

Die Schleifen an der Hüfte binden die Hose an das Wams.
Die Schleifen an der Hüfte binden die Hose an das Wams.

Ich habe die Ausstellung sehr genossen. Es ist interessant, Geschichte aus der Perspektive der Mode zu betrachten. Die Ausstellung ist sehr anschaulich und der Audioguide enthält neben Informationen zu den Ausstellungsstücken auch Videos zu Themen wie Stickereikunst und sogar einen eigenen Soundtrack. Die Ausstellung „In Fine Style: The Art of Tudor and Stuart Fashion“ läuft noch bis zum 6. Oktober 2013. Ab 1. November 2013 wird eine neue Ausstellung eröffnet: „Castiglione: Lost Genius“.

I really enjoyed this exhibition. I found it interesting to look at history through the eye of fashion. The exhibits have been carefully chosen with a lot of variety in information. The audio guide is superb with explanations about the exhibits, videos about special topics like stitching and even a very own sound track. The exhibition „In Fine Style: The Art of Tudor and Stuart Fashion“ continues until 6th October 2013. From 1st November 2013 a new exhibition starts: „Castiglione: Lost Genius“.

Die Queen's Gallery ist Teil von Buckingham Palace. Sie befindet sich auf der Südseite des Palasts.
Die Queen’s Gallery ist Teil von Buckingham Palace. Sie befindet sich auf der Südseite des Palasts.

Die Queen’s Gallery gehört zum Buckingham Palace und ist täglich von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet, solange eine Ausstellung stattfindet. Zwischen den Ausstellungen ist sie geschlossen. Eintritt kostet für Erwachsene £9,50.

U-Bahn Stationen: Victoria, Green Park, St. James’s Park oder Hyde Park Corner

The Queen’s Gallery is part of Buckingham Palace. During exhibitions it is open daily from 9:30 to 17:30. Between exhibitions it remains closed. Tickets cost £9.50 per adult.

Tube stations: Victoria, Green Park, St. James’s Park or Hyde Park Corner

Kleine Anmerkung zu den deutschen Kleidungsbegriffen: Ich habe versucht mit Hilfe von Leo und Wikipedia die richtigen Übersetzungen zu finden, lasse mich aber gern von Experten belehren, wenn der eine oder andere Begriff nicht stimmt.

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22 thoughts on “In Fine Style: The Art of Tudor and Stuart Fashion

  1. seitengeraschel says:

    Schade, genau jetzt bin ich natürlich nicht in London (im November erst wieder). Die Ausstellung klingt sehr interessant, dein Bericht hat mir viel Spaß gemacht – danke dafür und für die vielen Fotos!

    1. entdeckeengland says:

      Ich war ehrlich gesagt ueberrascht, dass fotografieren erlaubt war. Wir wurden sogar ermuntert, direkt vor Ort ueber unsere Erfahrung zu twittern. So toll, wie die Ausstellung aufgemacht war, koennte ich mir vorstellen, dass sich auch die naechste lohnt. Viele Gruesse, Peggy

  2. mickzwo says:

    Ach ja, da bekommt man schon Lust auf so etwas. Man muß sich nur Zeit nehmen, dann wird man reich beschenkt.
    Liebe Grüße, mick.

    1. entdeckeengland says:

      Ja, ja, die Zeit… Meistens hetzen wir durch den Alltag und verlieren dabei die schönen Dinge aus den Augen. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mir die Zeit genommen habe. Es hat sich gelohnt. Liebe Grüße, Peggy

  3. Susanne Haun says:

    Liebe Peggy,
    das ist ein sehr interessanter Bericht, den ich mit Freuden gelesen habe.
    Ich kannte die Schamkapsel noch nicht und finde die Entstehung des Dreiteilers auch sehr interessant.
    Ich denke, diese Ausstellung würde auch vielen Berlinern Freude bereiten.
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

    1. entdeckeengland says:

      Liebe Susanne, ich habe auch sehr viele neue Dinge gelernt und Details wahrgenommen, auf die ich früher bei Gemälden nie geachtet habe. Ich wünsche Dir einen schönen Abend und weiterhin viel Kraft für Deinen Umzug. Lieben Gruß, Peggy

  4. Martina Ramsauer says:

    Liebe Peggy, ich danke dir herzlich für deinen ausführlichen Bericht über die Mode/Kunst der Tudor Zeit. Ich muss sagen, ohne deine Übersetzung hätte ich manch ein Wortschatzproblem gehabt, wie z.B. bei round hose oder doublet usw. Ich finde auch, dass es in der heutigen Zeit nicht schaden würde, wenn wir uns in Sachen Ankleiden ein bisschen mehr Mühe gäben. Ich wünsche dir schönes Wochenende mit deiner Familie. L.G. Martina

    1. entdeckeengland says:

      Danke, liebe Martina. Ich stimme Dir zu. Ich möchte mich zwar ganz bestimmt nicht in ein Korsett zwängen, aber wenn man sich auf der Straße so umschaut, ist vielen doch die Lust am Kleiden verloren gegangen. Liebe Grüße, Peggy

  5. anglogermantranslations says:

    Das also war der Ursprung des Begriffs Modediktat? Der Herrscher regiert aus dem Ankleidezimmer … 🙂

    Ich habe mich schon oft gefragt, wie sich in früheren Zeiten die höfische Mode länderübergreifend verbreiten konnte. Ob die Gesandten als Orientierungshilfe dicke Kataloge mitführen mussten? Dann hätten die jeweiligen blaublütigen Models ihre Frühjahrs- und Herbstmode nach eigenem Gusto wählen oder doch zumindest mitbestimmen können?

    1. entdeckeengland says:

      Ha, ha … Du liegst übrigens mit Deiner Vermutung gar nicht so schlecht. In der Ausstellung hingen auch Modedrucke aus dem 17. Jahrhundert. Die Modewelt war auch internationaler als man glaubt. Charles II beschäftigte einen französischen Schneider, weil im 17. Jahrhundert die Mode vom französischen Hof dominiert wurde. Man importierte auch viele Stoffe, wie Seide aus Italien und Spitze aus Holland.

  6. valentino says:

    Gut zu erkennen, welche Entwicklung die Porträtmalerei macht von der Stilisierung und Idealisierung der Figur („Anne“) bis „La Belle“, die doch recht natürlich wirkt.

    1. entdeckeengland says:

      Ich vermute, das war der Grund für die Wahl der Epoche. Man sieht hier eine große Veränderung in der Kunst, die sich ja in gewisser Weise auch in der Geschichte widerspiegelt. Kunst ist halt immer auch ein Spiegel der Gesellschaft.

  7. ramblingbrother says:

    Liebe Peggy

    Die Schamkapsel hat wohl bis heute in Form des Suspensoriums überlebt. Damit schützen die Torhüter im Handball ihre (Kron)Juwelen 🙂 Sehr schöner und interessanter Bericht, obwohl ich nie ein Interessierter in Sachen Mode war.
    Liebe Grüße

    Achim

    1. entdeckeengland says:

      Lieber Achim, daran habe ich gar nicht gedacht, dass die Mode Henrys VIII bis heute noch eine Rolle spielt, wenn auch nur auf dem Spielfeld. Das interessante an der Ausstellung war auch tatsächlich die Verknüpfung so vieler Themen, Mode, Kunst und Geschichte. Liebe Grüße und einen schönen Abend, Peggy

  8. Sandra Parsons says:

    Ich bin jedes Mal wieder fasziniert davon, was für interessante Ausstellungen du so entdeckst. Ich selbst bin absolut kein Fan von Museen & Co., aber bei deinen Empfehlungen bin ich jedes Mal wieder traurig, dass ich nicht mehr in England lebe. Vielen Dank für den witzig geschriebenen Bericht, so habe ich wenigstens ein bisschen das Gefühl, dabei gewesen zu sein.

    1. entdeckeengland says:

      Ich gehe ganz gerne in Museen und Ausstellung, aber sie muessen gut gemacht sein. Einfach nur Ausstellungsstuecke in Glaskaesten legen, geht heute nicht mehr. Diese Ausstellung bekommt von mir jedenfalls 100 Punkte. Liebe Gruesse, Peggy.

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