A picture of perfection

Wenn eine neue Banknote ausgegeben wird, gibt es etliche Dinge zu beachten, zu aller erst natürlich die Sicherheit. Die Bank of England hat im letzten Jahr gefälschte Banknoten im Wert von 13,1 Millionen Pfund aussortiert. Geldnoten-Entwickler müssen ziemlich kreativ sein, um immer neue Sicherheitsmerkmale zu entwickeln.

When a new banknote is issued, there are many things to consider, first of all security. Last year the Bank of England has removed 13.1 million pounds worth of counterfeits. Banknote developers have to be really creative to constantly come up with new security features.

Ein anderer Gedanke, der mir bei der Ausgabe neuer Banknoten kommt, ist die Geldwertentwicklung. Mit zehn Pfund konnte eine Familie im 18. Jahrhundert die Jahresmiete für ein bescheidenes Häuschen bezahlen. Heute bekommt man dafür etwa vier Tassen Kaffee.

Another thought crossing my mind is the development of purchasing power. During the 18th century ten pounds were enough to pay the annual rent for a modest house. For the same amount you can get about four cups of coffee today.

The issue of the new ten-pound-note is planned for 2017
The issue of the new ten-pound-note is planned for 2017

Was die Gemüter angesichts der neuen Zehn-Pfund-Note erhitzt hat, ist jedoch weder die Sicherheit noch die Kaufkraft, sondern das Design. Von den Mustern schaut uns eine großäugige Jane Austen mit einem Mona-Lisa-Lächeln entgegen. Dr. Paula Byrne, Autorin der Jane Austen Biografie „The Real Jane Austen“, schimpft, dass das Porträt Austen als hübsches Püppchen darstellt und nicht als die tiefsinnige Autorin, die sie war.

That feelings are running high about the new ten-pound-note is neither due to its security nor to its purchasing power, but to its design. From the specimen a big-eyed Jane Austen is looking at us with a Mona-Lisa-smile. Dr. Paula Byrne, author of the biography “The Real Jane Austen”, rails that the portrait shows Austen as a pretty doll rather than the profound author she really was.

Ich habe mir unsere Geldscheine ehrlich gesagt noch nie so genau angeschaut. Nachdem die Debatte jedoch letzte Woche die Top News dominiert hat, bin ich neugierig geworden und bin der Sache mal auf den Grund gegangen. Die Bank of England hat sich bei der Gestaltung für eine Gravur aus dem Jahre 1870 entschieden, anstatt das einzige, zu Lebzeiten der Autorin entstandene Porträt zu verwenden, das ihre Schwester Cassandra gezeichnet hat und das Ihr in der National Portrait Gallery anschauen könnt. (Copyright verbietet mir, das Bild hier einzufügen, aber der Link führt direkt auf die Zeichnung.) Dagegen wirkt doch das Porträt auf dem neuen Geldschein wie die retuschierte Kosmetikwerbung alternder Schauspielerinnen, oder nicht?

Until now I have never really looked at our banknotes. But after this debate dominated the top news last week I became curious and wanted to know more. During the design the Bank of England has decided to use an 1870 engraving instead of the only portrait painted during the author’s life time by her sister Cassandra that you can see at the National Portrait Gallery. (Copyright forbids inserting the picture here, but you can see it when you click on the link.) In comparison the portrait on the new banknote looks like the airbrushed cosmetic ads of aging actresses, don’t you think?

Ich bezweifle, ob Jane Austen das als Kompliment empfunden hätte, denn in einem Brief schrieb sie einst:

I doubt if Jane Austen would have seen it as a compliment considering what she once wrote in one of her letters:

 “Pictures of perfection as you know make me sick and wicked.”

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24 thoughts on “A picture of perfection

  1. Ich schaue mir die Abbildungen auf Banknoten auch nicht so genau an, liebe Peggy. Ich könnte mir vorstellen, die Entscheidung fiel zugunsten der Gravur, weil sie detailreicher ist und damit eher ins Banknotenlayout passt. Das Zitat von Jane Austen lässt allerdings wirklich darauf schließen, dass sie das Bild von ihrer Schwester besser gefunden hätte. Aber leider kann sie ja niemand mehr fragen …
    Liebe Grüße
    Petra

    1. Das ist gut möglich. Allerdings sieht Winston Churchill, der ab 2016 auf der 5 Pfund Note zu sehen ist, irgendwie lebendiger aus. Aber der Wert einer Banknote bemisst sich ja zum Glück nicht nach dem Design. 🙂 Ich wünsche Dir einen schönen Abend, Peggy.

  2. Liebe Peggy, ich finde das Bild von Jane Austins Schwester eindeutig passender, weil ich die Schrifstellerin sicherlich nie so vorgestellt hatte, wie sie auf der Banknote präsentiert wird. Also, du sagst, dass man sich damals mit 10 Pfund ein bescheidenes Häuschen bezahlen konnte. Es stellt sich nun die Frage, ob es damals oder jetzt mehr Menschen in % gab, die sich so etwas leisten konnten. Leider weiss ich die Antwort nicht und muss nachdenken. Passt auf jeden Fall alle gut auf, dass man euch kein Falschgeld anhängt! Buona serata Martina

    1. Danke, liebe Martina. Ich fand ja den Betrag von Falschgeld im Umlauf ganz schön hoch, aber im Verhältnis zum gesamten Geld im Umlauf ist es natürlich gering, unter 0,5 % oder so. Ich denke, damals war der Anteil der Mittelschicht deutlich kleiner als heute. Diese Gesellschaftsschicht hat sich eigentlich erst seit dem 18.Jahrhundert so richtig entwickelt. Und ich finde auch, dass Cassandras Zeichnung irgendwie lebensnäher wirkt. Lieben Gruß, Peggy

  3. Über diese Abbildung kann man sich zwar streiten, jedoch bemerkenswerter finde ich es, auf den Pfundnoten solche Dichter- und Denkerköpfe überhaupt noch entdecken zu können. Bei uns hier in Deutschland wurde das Haupt meiner Lieblingspoetin auf dem Zwanzigerschein irgendwann einfach mal dem Reißwolf geopfert, das war bitter – aber vielleicht haben sie es mittlerweile auch schon bereut!

    Grüße
    Constanze

    1. Liebe Constanze, ich war auch freudig ueberrascht, dass bei der Ueberarbeitung der Banknoten eine Autorin als neuer Kopf ausgewaehlt wurde. Natuerlich hat Charles Darwin, der die 10-Pfund-Note bislang zierte, auch grosse Beitrage zur Gesellschaft geleistet, aber Schriftsteller und Poeten werden bei solchen Entscheidungen leider oft uebersehen. Ich finde auch passend, dass die Wahl auf Jane Austen fiel, nicht nur weil sie die englische Literatur repraesentiert, sondern weil sie ein Symbol fuer die selbsstaendig denkende Frau ist. Liebe Gruesse, Peggy

  4. habe ich auch sofort gedacht, aber, weil die ja auch irgendwo wohnen mussten und es Wohnblöcke ja noch nicht gab, war ich nicht ganz im Klaren. Lieben Dank für deine Hilfe. Das Problem mit dem Falschgeld gibt es natürlich nicht nur in England. Buona giornata Martina

    1. Ein grosser Teil der Bevoelkerung lebte auf dem Land, oft in Behausungen, die vom lokalen Gutsbesitzer bereitgestellt wurden. Natuerlich gab es auch schon frueher Handwerker und Haendler, die den Grossteil dieser Gesellschaftsschicht ausmachten, aber erst die industrielle Revolution und die damit einhergehende Verstaedterung fuehrte zur Herausbildung einer nennenswerten Mittelschicht. Das 18. Jahrhundert ist gesellschaftsgeschichtlich deshalb ein ganz spannendes Thema. Sei lieb gegruesst, Peggy

      1. liebe Pegge, ich habe dir soeben eine Antwort geschrieben, aber ich glaube, das hat nicht geklappt, weshalb ich dich noch einmal frage, obe Jane Austen auch ein Buch geschrieben hat, in welchem sie mehr die Seite der Handwerker oder Händlert beleuchtete. L.G. Ich bin ein bisschen in Eile, wegen technischen Problemen mit meiner Webseite.

      2. Nein, nicht wirklich. Aber wie immer bei einem solchen Ausflug konnte ich im Shop nicht am Bücherregal vorbei gehen. Dort habe ich mir das lesenswerte Buch “Jane Austen, The World of her Novels” von Deidre LeFaye gekauft. Außerdem besitze ich Roy Porters ” London – a Social History”. Hab einen schönen Sonntag. Ich hoffe, die Technik geht wieder, so etwas nervt immer. Lieben Gruß, Peggy

  5. Die grundlegende Frage “Warum Jane Austen?” finde ich viel bewegender als “Welches Bild von ihr?” Dass sie den inoffiziellen Contest gegen Charles Darwin gewinnt, überrascht mich. Ich würde schätzen, dass das mehr mit einer Frauenenquote als mit ihren Leistungen für die britische Nation durch ihre Schriftstellerei zu tun hat. Weibliche Naturwissenschaftler sind ja, wenn ich das recht überblicke, auch in der britischen Geschichte eher rar.
    Bitte nicht falsch verstehen: Ich mag Jane Austens Werke über alle Maßen! Aber es wundert mich nicht, dass man, wenn ihr schon die Ehre eines Geldschein-Portraits zuteil wird, sich für die hübschere Variante entscheidet – nach dem Motto: “Wenn schon eine Frau, dann muss sie natürlich gut aussehen.” (Zum Glück ist noch keiner auf die Idee gekommen, statt Jane lieber Keira Knightley oder Emma Watson abzubilden, die dem Schönheitsideal noch näher kommen.)

    Liebe Grüße,
    Lena

    1. Sehr guter Punkt. Das wuerde die Bank of England natuerlich nicht oeffentlich sagen. Aber nachdem Winston Churchill Elizabeth Fry auf dem 5-Pfund-Schein ersetzt, musste wohl eine neue Frau her. Jane Austen als Quotenfrau – da haette sie bestimmt einige zynische Bemerkungen parat gehabt. 🙂

  6. Mhhh, obwohl die Biologin Sandra ja ein bisschen traurig ist, dass Darwin jetzt seinen Abschied nehmen muss, freue ich mich über eine starke Frau an seiner Stelle. Allerdings sieht das Bild wirklich eher aus wie eine Hollywood-Version. Mit den heutigen Mitteln der Technik wäre es doch sicher möglich gewesen, eine geldscheintaugliche Version von Cassandras Zeichnung zu kreieren…

    1. Ja, das ist ein bisschen schade, dass Frauen heutzutage nicht mehr so aussehen duerfen wie sie aussehen. Das misfaellt mir besonders, wenn ich am Flughafen an den grossen Kosmetikpostern von Julia Roberts oder anderen wirklich schoenen Schauspielerinnen vorbeigehe, die das airbrushing gar nicht noetig haetten und die man auf den Postern kaum noch erkennt.

  7. Liebe Peggy,
    Jane Austen gewinnt gegen Charles Darwin, wer hätte das gedacht? Ich nicht. Nimmt man die Veränderung unseres Weltbilds als Maßstab, kann man wohl sagen, dass Darwin eindeutig mehr bewirkte. Ich liebe die Romane Jane Austens, aber sie stellen keine Ertschütterung eines alten Weltbilds dar. Naja, letztlich kann man Kunst und Wissenschaft eh nicht vergleichen. Mir gefällt der Darwin!
    Ganz liebe Grüße und ein feines Wochenende
    Klausbernd 🙂

    1. Lieber Klausbernd, diese Entscheidungen, wer das Land auf den Geldscheinen repräsentiert, zeigen ein interessantes Bild unserer Gesellschaft. Natürlich würde die Bank of England sich eher auf die Zunge beißen, als es zuzugeben, aber es deutet doch alles darauf hin, dass Darwin einer Quotenfrau weichen musste. Ich denke, weder Darwin noch Austen hätten das befürwortet. Aber sie können ja nichts mehr dazu sagen. Ganz liebe Grüße aus Greenwich, Peggy

  8. Every time a banknote will be changed no matter which National Bank makes it – especially the motives – so what should be the motive always gives great discussions.

    For cosmetics in the motive then it becomes probably more difficult the more detailed the motives are – so I thought it was important to make them as complicated as possible to delay the counterfeiters who are always ready – by the way so even queen Elizabeth are getting older and older too, even on stamps… 🙂

      1. Have the QE stamps not change..?
        – danish stamps portraiting the danish queen (Margrethe) have change several times during her 41 year as queen – and she is portraited older and older… 🙂

      2. No, when they introduced the new 20 pound note a few years back, she actually appeared younger to me. We’ll see what they will do with the new notes… Maybe it will be like the curious case of Benjamin Button? 🙂

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