Poppy Day

Heutzutage ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Großbritannien normalerweise sehr freundlich. Aber es gibt einen Tag im Jahr, an dem ich mich hier dennoch ein bisschen unbehaglich fühle. Das ist am Remembrance Day. Heute ist der Gedenktag überwiegend den Gefallenen im Irak und in Afghanistan gewidmet, aber der Ursprung liegt im Ersten Weltkrieg. Auch Armistice Day genannt, erinnert der Tag an die Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11.11.1918. Seit 1919 gedenken die Commonwealth Staaten ihren Kriegsgefallenen jedes Jahr am 11. November, meist mit einer Gedenkminute um 11 Uhr morgens. Dass nur elf Minuten später in Deutschland die Karnevalssitzung beginnt, ist reiner Zufall und geht auf die kirchliche Tradition der Fastenzeit zurück.

Relations between Germany and Britain are usually amiable these days. But there is one day every year when I still feel a bit awkward here. What I mean is Remembrance Day. Today the memorial day is mostly dedicated to the soldiers killed in Iraq and Afghanistan. But its history goes back to the First World War. Armistice Day, as the day is also called, commemorates the signing of the armistice on 11th November 1918. Since 1919 this day is observed by the Commonwealth countries and usually includes a one minute silence at 11am. It is coincidental that only eleven minutes later the carnival session starts in Germany, which comes from the ecclesiastical tradition of the fasting period.

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Die Mohnblume wurde aufgrund eines Gedichts zum Symbol für die Gefallenen. John McCrae, ein kanadischer Arzt und Poet, schrieb „In Flanders Fields“ am 3. Mai 1915, nachdem er an der Beerdigung eines gefallenen Freundes teilgenommen hatte.

The poppy became a symbol for fallen soldiers because of a poem. John McCrae, a Canadian physician and poet, wrote “In Flanders Fields” on 3rd May 1915 after he had attended a funeral of a fellow soldier.

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the Dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.

432460_web_R_K_by_Sabine Markmann_pixelio.de

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30 thoughts on “Poppy Day

  1. Susanne Haun says:

    Liebe Peggy, ich kann mir gut vorstellen, dass dir da ein wenig mulmig ist.
    Ich wünsche dir trotzdem einen schönen Tag, die Mohnblumen sind sehr schön.
    Ich mag das kräftige Zinnoberrot.
    Petra und ich diskutieren gerade über Paradekissen. Sind die in England noch modern? In Deutschland sind sie kaum noch zu finden…..
    LG Susanne

    1. entdeckeengland says:

      Liebe Susanne, danke fuer Deinen Kommentar. Was ist den ein Paradekissen? Sind das die kleinen Zierkissen, die oben auf dem Bett liegen? Hm, gesehen habe ich das hier schon, aber ich weiss nicht, wie weit verbreitet sie sind. Lieben Gruss, Peggy

      1. entdeckeengland says:

        Man sieht sie hier definitv in Wohnzeitschriften und auch in Kaufhaeusern, wo Muster-Betten aufgestellt sind. An meiner Frage hast Du wahrscheinlich schon erkannt, dass wir keine haben 🙂 Wie kommst Du denn auf diese Frage? Willst Du Kissenbezuege designen? Lieben Gruss, Peggy

      2. Susanne Haun says:

        Liebe Peggy,
        wir sind darauf gekommen, weil Petra mein Zitat vom letzten Sonntag gerne auf ein Kissen sticken und manchen Leuten auf das Bett legen wollte. 🙂 damit sie sich das Zitat verinnerlichen. Dann haben wir festgestellt, dass wohl heute keiner mehr Paradekissen besitzt. Es gibt sie hier auch nicht unbedingt in den Wohnzeitschriften….. Ich dachte dann, dass sich dieser Brauch englisch anhört und so haben wir dich gefragt….
        Liebe Grüße von Susanne

      3. entdeckeengland says:

        Liebe Susanne, eine sehr gute Idee habt Ihr da beide. 🙂 Es scheint, dass es hier wohl noch ueblicher ist, obwohl ich interessanterweise keine Uebersetzung fuer den Begriff gefunden habe, ausser das weitlaeufige decorative pillow. Allerdings habe ich gerade online gesehen, dass man jetzt kurz vor Weihnachten huebsche holiday pillows kaufen kann. Vielleicht ist ja ein brainy quote pillow eine interessante Geschaeftsidee? 🙂 Lieben Gruss, Peggy

      4. Susanne Haun says:

        Guten Morgen, liebe Peggy,
        diese Geschäftsidee hatte mir auch meine Nichte vorgeschlagen aber das ist nichts für mich. Ich möchte weiter in der Kunst und nicht in der Gebrauchskunst arbeiten. Ein feiner Unterschied, den besonders die Galeristen — aber ich selber auch — ernst nehmen.
        Sich selber klar zu machen, warum man Kunst macht, ist keine einfache Aufgabe.
        Ich glaube, Petra hat unsere Kissen – Diskussion noch nicht bemerkt, ich werde ihr mal einen Link senden.
        Decorative Pillow ist eine interessante übersetzung, gefällt mir.
        Liebe Grüße sendet dir verbunden mit einem tollen Samstag, Susanne

  2. Sandra Parsons says:

    Ja, ich hatte immer genau das gleiche Gefühl. Was ich dabei am Schlimmsten fand war, dass ich mir am liebsten selbst eine Anstecknadel angeheftet hätte, sozusagen zur Tarnung. Mit anderen Worten, in Essex, wo wir gewohnt haben, war es schon richtig auffällig, wenn man KEINE Mohnblume am Revers oder am Auto hatte. Und es gibt ja auch in Großbritannien selbst kritische Stimmen, die behaupten, viele Personen des öffentlichen Lebens (inkl. Politiker und Fernsehmoderatoren) würden die Poppys nur tragen, weil sie sonst Karrierenachteile befürchten müssten.

    Und dann regt sich natürlich noch meine pazifistische Ader, die flüstert: Warum schickt ihr dann Soldaten in ein fernes Land, das euch nichts getan hat… Die Diskussion, ob man “vorsorglich” potentielle zukünftige Feinde militärisch heimsuchen sollte, habe ich allerdings auch schon ziemlich erhitzt mit meinem Mann geführt. Aber das würde hier wohl zu weit gehen. Bitte nicht falsch verstehen, seine Toten zu betrauern finde ich zutiefst menschlich und auch notwendig zur Trauerbewältigung. Aber die Institutionalisierung einer doch recht persönlichen Angelegenheit aus politischen Gründen… ich weiß nicht.

    1. entdeckeengland says:

      Ja, diesen Zwiespalt kenne ich gut. Ich kann mich an ein Gespraech mit einem sehr netten, traditionell erzogenen britischen Kollegen erinnern, wo es um den Irak-Krieg ging. Ich konnte nicht verstehen, warum er dafuer war und er konnte nicht verstehen, warum ich dagegen war. Wir moegen viele kulturelle Gemeinsamkeiten mit den Briten haben, aber an dieser Stelle trennen uns Welten, wohl weil wir waehrend der beiden Weltkriege auf unterschiedlichen Seiten standen.

  3. Gerhard Mersmann says:

    Liebe Peggy,
    wenn sie die Geschichte verarbeitet haben, können sie damit auch umgehen. Ich war mal in Guernica und fühlte mich furchtbar, weil dort die Kinderr heute immer noch die Luftangriffe der Deutschen an die Schulmauern malen. Dennoch wurde ich freundlich aufgenommen. Die Leute konnten einfach rechnen und sie hatten die Größe, ihr eigenes Leid nicht mit einem Ressentiment aufzurechnen.
    Herzliche Grüße
    Gerd

    1. entdeckeengland says:

      Lieber Gerd, ich denke, dass ich mich etwas mulmig fuehle ist eigentlich nur mein eigenes emotionales Setup. Unser Geschichtsunterricht bestand eben hauptsaechlich aus der Aufarbeitung unserer Schuld. Heute geht es tatsaechlich mehr um das Gedenken an die Gefallenen in Afghanistan und Irak. Ich schaetze, naechstes Jahr, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, wird es anders sein. Aber ansonsten ist es keinesfalls so, dass mich Leute hier schief anschauen. Lieben Gruss, Peggy

      1. mickzwo says:

        Liebe Peggy,
        seit ich denken kann gibt es den Volkstrauertag am zweiten Sonntag vor dem 1. Advent in Deutschland. Ursprüglich nach dem WK I auf die vorösterliche Zeit gelegt, ist es seit 1952 ein sog. stiller, gesetzlicher Feiertag. Von daher den Jecken oder auch den Katholiken mit ihren Martinsumzügen schon mal störend aufgestoßen. Man soll, nach meiner Meinung, die Feste feiern wie sie fallen. Ich kann mich nur dem Gerd anschließen: wer die Geschichte aufarbeitet kann so etwas einordnen. In England, in Deutschland und anderswo auch.

        Liebe Grüße, mick.

  4. kbvollmarblog says:

    Liebe Peggy,
    hier in Nord Norfolk trägt auch fast jeder diese Mohnblume und warum sollte ich sie nicht auch tragen, man gedenkt ja aller Gefallener – so sollte es zumindest sein.
    Und vielen Dank für das Gedicht. Ich kannte nur die erste Strophe davon.
    Mit lieben Grüßen von der Küste
    Klausbernd

    1. entdeckeengland says:

      Lieber Klausbernd, mir geht das Gedicht sehr nah und auch wir tragen Poppies. Ich mag der Kriegspolitik oft skeptisch gegenüber stehen, aber ich weiß auch, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist. Du wirfst eine interessante Überlegung auf: sollten wir allen Gefallenen Soldaten gedenken? Ob jemand gut oder böse ist, liegt in der Perspektive des Betrachters. Aber die einen sind gefallen, um die anderen zu besiegen. Mindert es nicht die Ehre der Soldaten, wenn wir ihre Feinde genauso betrauern? Oder sollten wir vielleicht einfach nur trauern, dass es Krieg überhaupt gibt? Ich bin für letzteres. Ganz liebe Grüße von der Themse
      Peggy

  5. Martina Ramsauer says:

    Liebe Peggy, wenn diese Gedenktage nur auch wirklich Veränderungen herbeiführen würden. Albert Dürer hat gesagt: “Dann es ist eyns ein grosse unterscheyd von einem ding zu reden oder das selb’ zumachen.” Bis bald und liebe Grüsse Martina

  6. Hanna says:

    Dear Peggy. It is a very interesting debate which I have read with great interest. You should not feel uneasy, it’s not your war, and I agree with you, we should mourn that war exist at all.
    I still find it hard to believe that Denmark went to war against Irak 😯
    All the best,
    Hanna

    1. entdeckeengland says:

      Thank you for your kind words, Hanna. These decisions are always difficult. The majority of British people was actually against the Iraq war, which was finally Tony Blair’s downfall. Best Regards, Peggy

  7. Andreas Wolf says:

    Sehr interessant, ich wusste bisher nichts von dem Gedicht und dem bis heute gepflegten Mohnblumen-Symbol in England. Wenn ich drüber nachdenke, erscheint es mir plötzlich ganz falsch, dass in Deutschland dem Ende des Ersten Weltkriegs gar nicht groß gedacht wird, sondern stattdessen Karneval gefeiert wird. Kurzer Wikipedia-Check belehrte mich eben, dass dies auf das 4. Jh. zurückgeht, da damals auch dem Weihnachtsfest eine 40-tägige Fastenzeit vorausgeschaltet war, analog zum Fasching, der der Fastenzeit vor Ostern vorausgeht. Dieses vorweihnachtliche Fasten gibt es ja nun überhaupt nicht mehr, im Gegenteil: die Adventszeit ist heute eine Zeit des Schlemmens: Plätzchen, Glühwein, Weihnachtsmarkt. Da könnten wir uns den 11.11. als Karnevalstag eigentlich wirklich sparen und stattdessen der Toten des Ersten Weltkriegs gedenken. Der Toten aller Kriegsparteien, wie Klausbernd ganz richtig sagt. – Und andererseits lassen sich solche Traditionen natürlich nicht erzwingen oder von oben verordnen. Vielleicht war die Niederlage im 1. Weltkrieg für die Deutschen so traumatisch, dass sie das Datum bis heute damit überspielen, dass sie Krapfen essen und sich in Verkleidungen hüllen.

    1. entdeckeengland says:

      Ich kenne den Remembrance Day auch erst seit ich hier lebe, obwohl der Gedenktag ja in ganz vielen Laendern begangen wird. Stell Dir vor, wie peinlich ich beruehrt war, als ich einen meiner Kollegen in meinem ersten Herbst hier fragte, warum denn alle Leute Mohnblumen am Revers tragen, und ich den unglaeubigen Blick bekam: Wie, Du als Deutsche weisst nichts davon? Naja, ich schaetze Deutschland fand es nicht angemessen, diesen Tag als Gedenktag zu begehen, was ja auch nachvollziehbar ist. Und man kann Deutschland ja gluecklicherweise auch nicht vorwerfen, dass es seine Geschichte nicht aufarbeitet. Danke uebrigens fuer die Informationen zum Karnevalsbeginn. Ich fuer meinen Teil kann sagen, dass mir ein bisschen vorweihnachtliches Fasten gut tun wuerde, aber ich kann den Lebkuchen auch nicht widerstehen 🙂

  8. seitengeraschel says:

    Ich dachte bisher immer, dass die Poppys darauf zurückgehen, dass am Morgen nach einer Schlacht, in der viele Briten gefallen waren, auf dem Feld unzählige Mohnblumen blühten. Meine, das mal gelesen zu haben. Das Gedicht finde ich sehr schön, danke dafür.
    Ich war letzte Woche in England und kann das Gefühl, das die Poppys bei dir ausgelöst haben, verstehen. Meine englischen Freunde sagen auch immer: “It wasn’t you, so don’t feel guilty!”, aber so einfach ist das eben nicht.
    Danke für den schönen Text.

    1. entdeckeengland says:

      Hallo Mareike, es war in der Tat John McCrae, der beobachtet hat, dass auf den Schlachtfeldern sehr schnell Mohnblumen wachsen. Daher auch die Idee für das Gedicht. Die Engländer empfinden das in der Tat ganz anders als ich. Hier Greenwich lebt ein Mann, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat und der deutsch spricht. Immer wenn ich ihn mal zufällig treffe, bemüht er sich, mir zu zeigen, wie gut er deutsch spricht. Die Kriege sind sehr lange her und sie werden uns hier nicht mehr vorgehalten. Aber vielleicht ist es auch gut, dass wir Deutschen es länger als Schuld empfinden als es uns vorgehalten wird. Ich denke, kein anderes Land hat die dunklen Seiten seiner Geschichte so intensiv aufgearbeitet wie wir. Und das ist auch etwas, worauf wir stolz sein können. Ganz liebe Grüße, Peggy

  9. eimaeckel says:

    Ich finde diese Diskussion nach drei Jahren und vielen Erinnerungsberichten immer noch lesenswert. Ich habe den Popy-Day Mitte der 90er als einen fast schon fröhlichen Tag erlebt. Die roten Popys zieren ja nicht nur Revers, sondern auch die Kränze an den Kriegerdenkmalen. Wenn ich das mit unserem Eichenlaubgetue am Volkstrauertag vergleiche. Und die ältern Briten sind nun mal sehr stolz auf ihre militärische Vergangenheit und lieben die Anlässe sich an die good old days zu erinnern. Die Poppys sind übrigens auch ein Zeichen dafür, dass man etwas in für eine Stiftung gespendet hat, die sich um die Versorgung von Veteranen kümmert. Deswegen ziert sich jeder gern damit.

    1. entdeckeengland says:

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Das Thema ist ja praktisch jedes Jahr von Neuem aktuell. In der Schule wird auch jedes Jahr gesammelt. Letztes Jahr haben Sie auf dem Schulgelände eine riesige Poppy kreiert.

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