6. Februar: Waitangi Day

Jedes Jahr am 6. Februar feiert Neuseeland Waitangi Day. Die Maori verschenkten an diesem Tag im Jahre 1840 die Oberherrschaft über ihr Land an die britische Krone. Im Gegenzug wurde ihnen Schutz versprochen und der Besitz an Ländereien, Wäldern, Fischgründen und anderen Kulturschätzen zugesagt. Eine kuriose Geschichte über kulturelle Missverständnisse.

Every year on the 6th February New Zealand celebrates Waitangi Day. On that day in 1840 the Maori transferred the sovereignty of their lands to the British crown. In return they were promised protection and undisturbed possession of lands, forests, fisheries and other properties. A curious tale about cultural misunderstanding.

Maori

Von London aus betrachtet, liegt Neuseeland am Ende der Welt. So verwundert es kaum, dass die ersten europäischen Siedler entweder Gesetzlose oder Missionare waren. In den Maori, die die Inseln über 500 Jahre früher besiedelt hatten, fanden sie zum größten Teil willkommene Handelspartner und willige Konvertiten. Aber natürlich war Neuseeland keine heile Welt. Die Maoristämme bekriegten sich untereinander, und die Missionare beklagten, dass Schurkerei und Sünde herrschten. Gleichzeitig begannen die Franzosen erste Ländereien auf Neuseeland für sich zu beanspruchen. Irgendetwas musste geschehen. Zum Glück hatten die Engländer mehrere Verbündete unter den Maori, die 1831 einen Brief an den englischen König William IV. schrieben und ihn um Schutz baten. Ein genialer Vorwand, Neuseeland als neue Kolonie zu annektieren.

From a London perspective New Zealand is the end of the world. Therefore it is not surprising that the first European settlers were either outlaws or missionaries. They found the Maori, who had settled there over 500 years earlier, keen traders and willing converts. Of course New Zealand was not the ideal world. Maori tribes fought each other and missionaries lamented that roguery and sin dominated the islands. At the same time the French attempted to claim parts of New Zealand. Something had to be done. Fortunately for England they had quite a few allies among the Maori chiefs and they wrote a letter to King William IV in 1831 to ask for protection. A brilliant excuse to annex New Zealand as a new colony.

Maori

Am 6. Februar 1840 trafen sich im kleinen Örtchen Waitangi in der Bay of Islands mehrere Maori-Häuptlinge mit britischen Verwaltern und unterzeichneten das Abkommen, das die Maori praktisch zu britischen Staatsbürgern machte. Es gab nur zwei Probleme: Erstens, erkannten nicht alle Maori den Vertrag an. So einfach war es nicht, jahrhundertealte Zwistigkeiten zwischen den Stämmen beizulegen. Und zweitens war es nicht einfach, den englischen Text ins Maori zu übersetzen, sodass die Bedeutung mancher Formulierungen von beiden Seiten unterschiedlich verstanden werden konnten.

On 6th February 1840 in the small village of Waitangi at the Bay of Islands a group of Maori chiefs met with British officials to sign the treaty that made them British subjects. There were just two problems: First, not all Maori signed the treaty. Centuries old conflicts could not get solved as easily. And second, it was not easy to translate the English text into Maori. Therefore, the meaning of some phrases could be interpreted differently in each language.

Waitangi Day

Maori hatten beispielsweise kein passendes Wort für Staatshoheit. Sie gingen davon aus, dass sie ihre Angelegenheiten weiterhin selbst verwalten würden. Ebenfalls als problematisch zeigte sich die Verwendung des Wortes „taonga“, mit dem die Briten vor allem materielle Gütern meinten, das für die Maori aber eher so etwas wie Kulturgut bedeutete. Im übersetzten Text gaben die Maori also viel weniger auf als im britischen Text. Es überrascht also nicht, dass es beim Aufbau der britischen Kolonialverwaltung schnell zu Auseinandersetzungen kam. Schon fünf Jahre später brachen die Land Wars aus. Die Maori, die vor der Ankunft der Europäer noch nicht einmal Flinten kannten, waren der britischen Armee weit unterlegen. Dennoch dauerte es fast drei Jahrzehnte bis das Land wieder fest in britischer Hand war.

The Maori for example did not have a word for sovereignty. They actually assumed they would still manage their own affairs. Another problematic word was “taonga” which the British used to describe mostly material property, but which meant much more to the Maori. According to the translation the Maori gave up far less than the British text stipulated. It is not really surprising that the establishment of a colonial administration soon led to conflict. Only five years later the Land Wars broke out. The Maori who had not even known muskets before the arrival of the Europeans were completely outgunned and outmanoeuvred by the British army. But it still took nearly three decades before New Zealand was firmly back in British hands.

Treaty House in Waitangi

1932 kauften Governor-General Lord Bledisloe und seine Frau das heruntergekommene Treaty House in Waitangi, wo der Vertrag einst unterzeichnet wurde, und schenkten des dem Staat. Das Haus wurde restauriert und am 6. Februar 1934 eingeweiht. Erst seit 1947 wird dort jedes Jahr der Waitangi Day gefeiert. Obwohl Maori-Kultur heutzutage ein fester Bestandteil des Festivals ist, finden am gleichen Tag auch viele Maori-Proteste gegen Ungerechtigkeiten statt.

In 1932 Governor-General Lord Bledisloe and his wife bought the run-down Treaty House in Waitangi, where the treaty was signed, and gave it to the public. The house was restored and dedicated on 6th February 1934. Only since 1947 has Waitangi Day been celebrated there annually. Though nowadays Maori culture is featuring strongly during the festival, the day is usually also marked by Maori protests against injustice.

Waitangi Day

Der Vertrag von Waitangi ist zwar kein Gesetz, aber bis heute ist er der Angelpunkt, um den sich die Rassen-Auseinandersetzungen in Neuseeland drehen. 1975 wurde das Waitangi Tribunal ins Leben gerufen, das Vertragsbrüche seit 1840 aufspürt. Aus der Sicht vieler Pakeha (wie die Maori die britisch-stämmigen Neuseeländer nennen) ist aus dem Vertrag von Waithangi ein Blankoscheck für die Maori geworden, um immer mehr Vorteile herauszuschlagen. Offensichtlich liegt Gerechtigkeit im Auge des Bestrachters.

Though the Treaty of Waitangi is not a law, it is the pivotal point of the racial debate in New Zealand. In 1975 the Waitangi Tribunal has been established to investigate treaty breaches back to 1840. Many Pakeha (as the British-descended population in New Zealand is known to the Maori) see the Treaty of Waitangi nowadays as a blank cheque for the Maori to bargain for ever more benefits. Obviously justice is in the eye of the beholder.

Alle Fotos aufgenommen im Februar 2009 auf unserer Reise um die Erde in 330 Tagen.

All pictures taken in February 2009 during our journey around the world in 330 day.

Bay of Islands, New Zealand

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7 thoughts on “6. Februar: Waitangi Day

  1. Susanne Haun says:

    Sehr interessant, Peggy. Mir gefallen auch die Fotos deines Mannes.
    Es ist bemerkenswert, was Sprache alles vermag. Ich finde es sehr spannend, dass es in manchen Völkern keine Wörter für manches gibt und umgekehrt.
    Ein schönes WE wünscht Susanne

  2. mickzwo says:

    “Offensichtlich liegt Gerechtigkeit im Auge des Bestrachters.” Offensichtlich ist es so.
    Vielen Dank für diesen guten und klaren Artikel.
    Ich wünsche eine gute Zeit. Liebe Grüße, mick.

  3. Sandra Parsons says:

    Ach ja, Neuseeland… Kein Wunder, dass die Briten (und andere) so scharf auf dieses wunderschöne Land waren/sind. Danke für die schönen Erinnerungen und liebe Grüße in den Frühling, Sandra und die Jungs.

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