Kenneth MacAlpin und die Geburt Schottlands

Wer sind eigentlich die Schotten? Die Römer verwendeten das Wort Scoti für die gälischen Piraten, die die Westküste Britanniens unsicher machten. Wann genau sich die Gälen, irisch-stämmige Kelten, in Schottland niederließen ist ungewiss. Im 8. Jahrhundert jedenfalls siedelten die Gälen bereits seit längerer Zeit an der Westküste, während die Pikten im Osten lebten. Man begegnete sich mit Misstrauen und häufig sogar offener Feindschaft. Mal dominierten die einen, dann gewannen wieder die anderen die Oberhand. Bis eine Invasion drohte, sie alle zu zerstören: Ende des 8. Jahrhunderts fielen die Wikinger ein.

Who are the Scots? The Romans used the word Scoti for gaelic pirates, who were marauding the Western shores of Britannia. Nobody knows when the Gaels settled in Scotland. But in the 8th century Gaels occupied the west coast while the Picts lived in the East. They shared the land in mutual distrust and more often than not in open hostility. At times one side dominated only to be subdued in the next round. Until an invasion threatened to destroy them all: At the end of the 8th century Viking hordes attacked.

River Moriston, Scotland
River Moriston, Scotland

Das Jahr 839 war ein schlimmes Jahr. Der Kampf gegen die Wikinger hatte die Elite beider Völker praktisch ausgelöscht. In dieses Machtvakuum trat ein Mann, der sie endlich vereinen konnte. Kenneth MacAlpin schlug die Wikinger mit einer gemeinsamen Armee in die Flucht. Deshalb wird er auch häufig als der erste König Schottlands bezeichnet. Kenneth MacAlpin war jedoch Pikte. Nach seinem glorreichen Sieg stiegen die Pikten zu stärksten Macht in der Region auf. Das Glück währte jedoch nicht lange. Schon unter seinem Sohn begann das Reich zu schwächeln und dafür ließ er in einem Staatsstreich das Leben. Sein Mörder war sein Vertrauter Giric, ein Gäle.

839 AD was a terrible year. During the fight against the Vikings both Picts and Gaels had more or less lost their entire nobility. Into this power vacuum stepped a man who could finally unite them. Kenneth MacAlpin formed a united army of Picts and Gaels and drove the Vikings off. Therefore he is often called the first king of Scotland. But Kenneth MacAlpin was a Pict. After his victory over the Vikings the Picts became the strongest power in the region, at least for a while. The fortunes left the house of Alpin already under Kenneth’s son, who was murdered in a coup. His murderer was his confidante Giric – a Gael.

Bridge at Invermoriston
Bridge at Invermoriston

Sobald Giric die Macht ergriffen hatte, begann er das Land der Pikten nach gälischem Vorbild zu reformieren. Die Kinder des Hauses MacAlpin, Donald und Constantine, mussten um ihr Leben fürchten. Deshalb wurden sie von loyalen Pikten in Sicherheit gebracht: nach Irland, wo Kenneth MacAlpins Tochter lebte. Dort wuchsen die Thronanwärter sicher auf, an einem gälischen Hof. Kaum hatten sie das richtige Alter erreicht, zogen sie aus, um ihr Reich zurückzuerobern. Wenn die Pikten hofften, dass ihr rechtmäßiger König Donald die alten piktischen Riten wiedereinführen würde, dann wurden sie enttäuscht. Dem Blut nach waren Donald und Constantine Pikten, aber sie kannten nur gälische Bräuche. So wuchsen die beiden Völker nach und nach zusammen. Die gälische Sprache setzte sich durch. Und weil die Gälen sich seit geraumer Zeit selbst Scots nannten, wurde die neue Nation bald Schottland genannt.

After he had grabbed power Giric set out to introduce Gaelic reforms in Pictland. The children of the House of Alpin, Donald and Constantine, had to fear for their lives. That’s why loyal Picts brought them to Ireland to Kenneth MacAlpin’s daughter. There they grew up in safety, but they grew up in a Gaelic household. As soon as the boys were old enough they set out to reclaim their throne. If the Picts had hoped that their rightful king Donald would get rid of the Gaelic reforms they were disappointed. Donald and Constantine might have been of Pictish blood, but they had known Gaelic customs most of their lives. That is how the two people integrated and grew together. The Gaelic language prevailed. And because the Gaels had long before started to call themselves Scots, the new nation was soon known as Scotland.

Neil Oliver's History of ScotlandMeine Hauptquelle war das sehr unterhaltsam geschriebene Buch des schottischen Historikers Neil Oliver „A History of Scotland – A look behind the mist and myth of Scottish history“.

My main source was the entertainingly written book by Scottish Historian Neil Oliver “A History of Scotland – A look behind the mist and myth of Scottish history.”

Advertisements

29 thoughts on “Kenneth MacAlpin und die Geburt Schottlands

  1. entdeckeengland says:

    Ja, genau. Als ich mir das Buch in die Urlaubstasche packte, dachte ich, das wird ein Post, aber es gibt einfach so viele interessante Wendungen, dass ich das aufteilen musste, um auch jedem Held die Aufmerksamkeit zu widmen, die er verdient. 🙂 Lieben Gruß, Peggy

  2. suzy@silverbluelining says:

    Ich glaube ich sollte mir das von Dir genannte Buch zulegen, so als Vorbereitung für nächste Woche…….
    In den Medien hier in D steht, die Befürworter der Unabhängigkeit liegen zur Zeit bei 52% und bei den Restbriten macht sich hektisches “was können wir dagegen tun” breit – wie siehst Du das quasi (fast) vor Ort?

    1. entdeckeengland says:

      Ich kann es sehr empfehlen. Trotz der vielen Informationen und Daten, ohne die man einfach nicht auskommt, hat Neil Oliver ein gutes Gespür, dafür, wie man Geschichten erzählt.
      Hier ist das Referendum ja schon lange Thema. Bis vor kurzem sah es allerdings eher nach einem “Nein” aus. Ich bin wirklich gespannt, wie es ausgeht.

    1. entdeckeengland says:

      Das Interessante ist in der Tat, dass die Schotten der EU wohlgesinnter sind als die Engländer. Wenn sich Schottland für die Unabhängigkeit entscheidet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Rest Großbritanniens 2017 für einen EU-Austritt entscheidet.

  3. Martina Ramsauer says:

    Da das Thema Schottland und seine Unabhängigkeit von England in aller Munde ist, passt dein Beitrag natürlich bestens, wie oben schon gesagt wurde. Ich denke aber auch, dass diese “Zusammenarbeit oder das Zusammenwachsen” der Gaelen und Pikten doch zeigt, wie man sich am Besten verhält, wenn man etwas erreichen will.

    1. entdeckeengland says:

      Ja, liebe Martina. Das interessante an Schottland ist, dass das schottische Volk aus verschiedenen eingewanderten Völkern besteht, die sich mit der Urbevölkerung vermischt haben. Mir persönlich sind nationalistische Tendenzen immer suspekt. Da ich als Deutsche in England wohne, fühle ich mich eigentlich keiner Nation mehr richtig zugehörig. Ich verstehe mich als Europäerin. Lieben Gruß, Peggy

      1. Martina Ramsauer says:

        Guten Morgen liebe Peggy, da ich seit über 40 Jahren in der Südschweiz lebe und die kulturellen Unterschiede dort zur Deutschschweiz doch offensichtlich sind und ich auch in der französischen Schweiz oder in England gelebt habe, kann ich schon mit dir fühlen, aber im Gegensatz zu dir fühle ich mich doch als Schweizerin. Das kann man nun als Vor-oder Nachteil betrachten!! Ich wünsche dir auf jeden Fall einen Tag mit vielen kleinen Freuden.

      2. entdeckeengland says:

        Guten Morgen aus dem sonnigen Greenwich! Wobei bei Dir ja schon Mittagszeit ist 🙂 Hab lieben Dank für Deine Gedanken. Es ist interessant zu erfahren, wie Menschen sich in Bezug auf die Nationalität fühlen, besonders in einer Zeit wie dieser, wenn einerseits die Welt immer mehr zusammenwächst aber andereseits nationalisitsches Denken wieder zunimmt. Ich wünsche Dir auch einen schönen Tag. Lieben Gruß, Peggy

  4. Maren Wulf says:

    Eine tolle Idee sehr fein umgesetzt, liebe Peggy! Außerdem bewundere ich dein diplomatisches Geschick, dich um ein eigenes ausdrückliches Pro oder Con zum 18. September herumzuschreiben. 😉 Liebe Grüße!

    1. entdeckeengland says:

      Vielen Dank, liebe Maren. Wenn mich jemand direkt fragt, mache ich keinen Hehl daraus, dass ich dem Unabhängigkeitsstreben skeptisch gegenüber stehe, einfach weil es viele ungelöste Probleme mit sich bringt: Währung, Staatsschulden, wem gehört das Erdöl- ich hoffe, wir machen hier keine Pandora’s Box auf. Außerdem hatte ich meine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung eben in den 1990ern, als Globalisierung der große Trend war, und das prägt natürlich auch meine Ansichten. Deshalb wollte ich auch mehr darüber erfahren, was die Schotten so umtreibt und wo dieser Wunsch nach Unabhängigkeit herkommt. Bei der ganzen Diskussion, bei der jeder die Argumente so dreht, wie er sie braucht, finde ich es leichter, mich zu orientieren, wenn ich versuche, mehr über den Ursprung zu erfahren. Neue Perspektiven bereichern schließlich. 🙂 Lieben Gruß aus dem sommerlichen Greenwich, Peggy

      1. Maren Wulf says:

        Vielen Dank für deine differenzierten Betrachtungen, Peggy. Ich selbst wünschte mir Europa und die Welt, die gerade so furchtbar kleinteilig werden, von Herzen größer und großzügiger. In dem (verständlichen) Wunsch, sich abzugrenzen und auf sich selbst zu beziehen, liegt ja immer auch die Gefahr der Ausgrenzung anderer und der Selbstüberhebung. Sehr berührt hat mich in dem Zusammenhang vor ein paar Wochen ein Artikel des ZEIT-Korrespondenten Reiner Luyken, den ich hier einfach mal verlinke: http://www.zeit.de/2014/31/schottland-unabhaengigkeit-volksabstimmung. Luyken beschreibt darin u.a., wie ihm, der seit mehr als 40 Jahren in Schottland lebt und mit einer Schottin verheiratet ist, in seiner Wahlheimat zunehmend das Recht bestritten werde, sich zu dem Thema Unabhängigkeitsstreben überhaupt zu äußern. (“Da kannst du gar nicht mitreden. Du verstehst uns Schotten nicht!”) Vergleichbare Einstellungen habe ich vor Jahren im spanischen Katalonien erlebt – und schon damals bedauert. Deinen Impuls, mehr über die (schottischen) Usprünge zu erfahren, teile ich unbedingt und freue mich schon auf weitere Folgen dieser schönen Reihe. Hamburg beteiligt sich schon mal mit echt schottischem Wetter. 😉

      2. entdeckeengland says:

        Danke für diesen sehr interessanten Artikel. Ich muss zugeben, die Stimmung in Schottland kann ich auch nur aus der Entfernung einschätzen. Bislang haben nach Umfragen ja die Unionsbefürworter vorn gelegen. Erst in den letzten Tagen scheint sich die Stimmung gedreht zu haben. Lieben Gruß und einen schönen Abend, Peggy

  5. Sandra Parsons says:

    Hallo Peggy, ich komme gerade mal dazu, das Lesen deines Blogs nachzuholen, und wollte eigentlich erst am Schluss kommentieren. Aber dann fand ich deine Fotos einfach so wunderbar, dass ich das hier doch mal loswerden wollte. Liebe Grüße aus der Ferne von der Weltbürgerin Sandra 🙂

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s