Robert Bruce: Verräter oder Held?

Die Familie Bruce kam ursprünglich aus der Normandie. Wie so viele schottische Adlige waren Sie im 12. Jahrhundert als Freunde des Königs an den schottischen Hof gekommen, als die englischen und schottischen Königshäuser praktisch eine Familie waren. Ende des 13. Jahrhunderts gehörten die Bruces zu den mächtigsten Clans und hatten nach den Balliols den zweitstärksten Anspruch auf den schottischen Thron. Mit den Balliols waren sie selbstverständlich bis aufs Blut verfeindet. Während William Wallace mit seiner Bauernarmee gegen Edward I rebellierte, stand Robert Bruce fest an der Seite des englischen Königs. Nach der Schlacht von Stirling unterstützte er Wallace für kurze Zeit, nur um sich später wieder bei Edward einzuschmeicheln. John Balliol, König von Schottland, lebte unterdessen im Exil in Frankreich und hatte keine Lust, in die Höhle des Löwen zurückzukehren.

The Bruce family came originally from Normandy. Like so many other Scottish nobles they had arrived at the Scottish court in the 12th century when the English and the Scottish royals were practically family. At the end of the 13th century the Bruces had become one of the most powerful clans. Only the Balliols had a stronger claim to the Scottish throne and the Bruces and Balliols were naturally archenemies. While William Wallace and his peasant army rebelled against Edward I, Robert Bruce stood firm at the English king’s side. After the battle of Stirling he briefly supported Wallace only to crawl back to Edward again. All this while John Balliol, the king of Scotland, lived in exile in France and had absolutely no intention to come back into the lion’s den.

Britannien ohne Grenzen: Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte Schottland faktisch zu England
Britannien ohne Grenzen: Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte Schottland faktisch zu England

Edward I schien also Anfang des 14. Jahrhunderts gewonnen zu haben. Aber noch während er 1304 Stirling Castle bombardierte, stahlen sich zwei seiner treuen Vasallen davon: Robert Bruce und William Lamberton, Bischof von St. Andrews. Lamberton war kurz zuvor aus Paris zurückgekehrt, wo er den anerkannten Gelehrten Duns Scotus aufgesucht hatte. Der Bischof war vor allem an der Unabhängigkeit der schottischen Kirche interessiert. Aber um diese aufrechtzuerhalten, brauchte Schottland einen König. Wenn John Balliol nicht Willens war, diese Rolle zu übernehmen, konnte man ihn durch einen fähigeren Mann ersetzen? Laut Duns Scotus ja. Seiner Meinung nach begründete sich die königliche Autorität nicht allein auf das Erbrecht. Die Macht zu regieren wurde ihm vom Volk verliehen. Das Volk waren im 14. Jahrhundert zwar nur wenige mächtige Männer, aber nichtsdestotrotz hatte Lamberton nun ein wissenschaftliches Argument, den zweiten in der Thronfolge, Robert Bruce, anzusprechen. Er brauchte nicht viel Überzeugungskraft, denn die Königskrone war alles, wonach Bruce je gestrebt hatte. Dafür war er bereit, jeden Preis zu zahlen. Plötzlich waren seine Ländereien in England und sein damit verbundener Platz am deutlich prestigeträchtigeren englischen Königshof nicht mehr so wichtig. Die schottische Krone machte Robert Bruce endlich zu dem Mann, den Schottland jetzt brauchte.

At the beginning of the 14th century it seemed Edward I had won. But while he was still bombarding Stirling Castle in 1304 two of his loyal vassals stole quietly away: Robert Bruce and William Lamberton, bishop of St Andrews. Lamberton had recently returned from Paris, where he had met the recognised scholar Duns Scotus. The bishop’s main concern was the independence of the Scottish church. But that could only be maintained, if Scotland had a king. If John Balliol was not interested in the job, could he be replaced by someone who was? According to Duns Scotus yes. In his opinion Royal authority did not just come through inheritance. The power to rule depended on the consent of the people. Even though the people in the 14th century were just a few powerful men, Lamberton had now an academic argument to approach the second in the succession to the throne: Robert Bruce, who did not need a lot of persuasion. The Scottish crown was all Bruce had ever wanted and he was prepared to pay any price no matter how high. Suddenly his English estates and his place at the more prestigious English court were of no importance. The Scottish crown finally made Robert Bruce into the man Scotland needed.

Statue von Robert Bruce vor Stirling Castle
Statue von Robert Bruce vor Stirling Castle

Natürlich überließ Edward I Schottland nicht einfach seinem verräterischen Vasallen. Nach einigen wenigen Siegen, nahm die englische Armee 1306 Roberts Verbündete und seine gesamte Familie gefangen. Er selbst konnte entkommen und versteckte sich den Winter über irgendwo an der Westküste. Aber im folgenden Frühling begann er seine Attacke gegen die englischen Unterdrücker erneut. Mit Entschlossenheit, militärischem Können und List nahm er den Engländern eine Burg nach der anderen ab. Die Bischöfe verkündeten, Robert Bruce sei der zweite König Artus und der rechtmäßige König Schottlands. Das brachte ihm auch endlich eine breite Unterstützung im Volk, wenn auch nicht der verfeindeten Clans. Bis zu seinem Lebensende kämpfte Robert Bruce entweder gegen die Engländer oder gegen Rebellen im eigenen Land. Aber er ging als der Befreier Schottlands in die Geschichte ein.

Of course Edward I wouldn’t just hand over Scotland to his treacherous vassal. After a few victories the English army captured Robert’s allies and his whole family in 1306. He could escape and spent the winter somewhere at the west coast. But in the following spring he came back with a vengeance. With determination, military skill and cunning he captured castle after castle. The bishops proclaimed the advent of Robert Bruce was the Second Coming of King Arthur and that he was Scotland’s rightful king. That finally brought him the wide support of the people, but not of the enemy clans. Robert Bruce had to fight until his death: against England and against rebels in his own kingdom. But he went down in history as the liberator of Scotland.

Neil Oliver's History of ScotlandMeine Hauptquelle war das sehr unterhaltsam geschriebene Buch des schottischen Historikers Neil Oliver „A History of Scotland – A look behind the mist and myth of Scottish history“.

My main source was the entertainingly written book by Scottish Historian Neil Oliver “A History of Scotland – A look behind the mist and myth of Scottish history.”

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9 thoughts on “Robert Bruce: Verräter oder Held?

  1. Pit says:

    Hallo Peggy,
    mal wieder, wie auch in den früheren Folgen dieser Serie, hochinteresant. Danke!
    Und wie werden sich die Schotten dieses Mal entscheiden?
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

      1. Martina Ramsauer says:

        Das wäre vielleicht ein bisschen viel gesagt, weil es eine Wanderreise waren. Ein bisschen von der Geschichte Schottlands, den Legenden, Folklore und vom berühmten Robert the Bruce, William Wallace und natrürlich von Walter Scott haben wir schon mitbekommen, als wir in den Trossachs (nach Walter Scott ist das ein Pass, eine Schlucht, ein Hohlweg der sich an einem Flüsschen entlang zwischen 2 Felsmassen des Ben A’an und Ben Venue hinzieht, die wie Wächter neben dem Loch Katarine stehen und, ihre Häupter in seinem Wasser spiegelnd, ihre breiten Rücken bis zum Loch Achray hin zurückstrecken.) wanderten oder bei Stirling/Bridge und zum/auf Loch/Ben Lomond.
        Ich habe davon gehört, dass die Schotten während 700 Jahren frei waren und so glaube ich, dass sie das wieder schaffen können.
        Ich wünsche dir einen spannenden Wahltag.
        L.G.

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