Die Jakobitenaufstände

Als der Act of Union 1707 in Kraft trat, regierte in der Person von Queen Anne der protestantische Zweig der Stuart Dynastie. Der katholische James VII/II war in der Glorious Revolution von 1688 vertrieben worden und lebte seitdem im französischen Exil. In der Glorious Revolution hatten wieder einmal die Engländer über das Schicksal des schottischen Königs entschieden. Zwar wollte auch die Mehrheit der Schotten keinen katholischen König, aber gleichzeitig wollten sie sich auch nicht von England vorschreiben lassen, wer König von Schottland werden könne. Die Jakobiten, wie die Anhänger James VII/II genannt wurden, speisten sich deshalb nicht nur aus der katholischen Minderheit. Auch Patrioten, die sich von England verraten fühlten, unterstützten sie zumindest eine Zeit lang. Besonders in der ärmsten Gegend Schottlands, den Highlands, die oft am meisten unter den Engländern gelitten hatte und so gut wie keine Vorteile aus der Union zog, fanden die Jakobiten viele Anhänger.

When the Act of Union came into effect in 1707, the protestant branch of the Stuart dynasty ruled in the person of Queen Anne. Catholic James VII/II was ousted during the Glorious Revolution in 1688 and had since lived in exile in France. In the Glorious Revolution again England had decided about the fate of a Scottish king. Even though most Scots did not want a Catholic king either, they neither wanted England to decide, who could be king of Scotland. The Jacobites, how James’s supporters were called, did therefore not just come from the Catholic minority, but from patriots as well, who felt betrayed by England. Most support came from Scotland’s poorest region, the Highlands, were English oppression had been felt most and where the benefits of the Union were smallest.

Urquhart Castle
Urquhart Castle

James Francis Edward Stuart, auch kurz The (Old) Pretender genannt, wurde im Schicksalsjahr 1688 geboren. 1707, als der Act of Union in Kraft trat, war er neunzehn Jahre alt und voller Tatendrang, den verloren Thron seines Vaters zurückzugewinnen. Und mit Schottland im Aufruhr gegen die ungewollte Vereinigung mit England war die Zeit reif. Sein Gönner, der Sonnenkönig Louis XIV von Frankreich, Erzfeind der Engländer, stellte ihm für dieses Unterfangen gerne eine Flotte zur Verfügung. Als der junge Thronbewerber im März 1708 in Dunkerque ankam, um die Schiffe nach Schottland zu führen, bekam er jedoch die Masern. Nachdem er sich wieder erholt hatte, hatten die Engländer bereits ihre eigene Marine mobilisiert und ohne den Überraschungseffekt glaubten die französischen Kommandeure nicht mehr an den Erfolg der Mission. Sie segelten zwar noch nach Schottland, flohen aber angesichts englischer Schiffe.

James Francis Edward Stuart, also called The (Old) Pretender, was born in the fateful year of 1688. In 1707, when the Act of Union became effective, he was nineteen years old and full of beans to reclaim the lost Throne of his father. And with the Scottish people in revolt against the unwanted Union the time seemed right. His patron, the Sun King Louis XIV of France, archenemy of England, gladly supported his mission with a fleet. When the Pretender arrived in Dunkerque in March 1708 to lead the French ships across the channel, he suddenly became ill with measles. After he had recovered, the momentum was lost as well as the chance of a surprise attack. The French commanders still sailed to Scotland, but fled as soon as they spotted the first English ships.

Balvenie Castle
Balvenie Castle

Sechs Jahre später, im Jahr 1714 starb Queen Anne. Keines ihre fünfzehn Kinder hatte das Erwachsenenalter erreicht. Und da die Thronfolgeregelung Katholiken ausschloss, wurde ein entfernter deutscher Verwandter, Georg Kurfürst von Hannover zum britischen König gekrönt. George I machte sich aufgrund seines mangelnden Feingefühls für schottische Sensibilitäten gleich Feinde unter den schottischen Adligen, die die Union einst unterstützt hatten. Bei der Ämterverteilung übergangen, benachrichtigten sie den Pretender über den bevorstehenden Aufstand, reisten nach Schottland und begannen jakobitische Aufrührer um sich zu scharen. Im November 1715, noch bevor James einen Fuß auf schottischen Boden setzen konnte, kam es zur großen Schlacht. Aufgrund der unprofessionellen Führung verloren die Jakobiten, obwohl sie zahlenmäßig überlegen waren. Als James nur einen Monat später in Schottland ankam, war bereits alles vorbei. Und mit dem Tod von Louis XIV gab es auch keine Aussicht auf französische Unterstützung. So segelte er wieder zurück ins Exil.

Six years later, in 1714, Queen Anne died. None of her fifteen children had survived to adulthood. And because Catholics had been excluded from succession, a distant German relative, George Elector of Hanover, became the new king of Great Britain. But because he lacked an understanding of Scotland’s sensitivities, he soon made enemies of Scottish nobles who initially supported the Union. Not receiving any of the lucrative offices at the court, they informed the Pretender of an imminent Scottish rebellion and went home to gather a Jacobite army. The battle started in November 1715, before James had even stepped onto Scottish soil. Despite having more men, the Jacobites lost, because of their amateurish commanders. When James arrived a month later, the rebellion was already over. And with Louis XIV dead there was no chance of getting any support. So he returned into exile.

Ballindalloch Castle
Ballindalloch Castle

Viele verbinden die Jakobitenaufstände ausschließlich mit Schottland. Dabei waren die Jakobiten eigentlich nur Randfiguren in einem größeren Konflikt. In Europa rang die protestantische, der Aufklärung zugewandte Kultur mit der katholischen, die das Alte bewahren wollte. Es ging aber nicht nur um Religion und Alt gegen Neu, sondern um Macht: Macht innerhalb Europas und Kolonialmacht. Diese Auseinandersetzungen mündeten im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) und im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740 – 1748). Und in beiden waren die Jakobiten nichts weiter als Bauernopfer, die die katholischen Verbündeten ausnutzten, um Großbritannien zu schwächen. Die Jakobiten-Bewegung war von Anfang an zu klein und in ihren Interessen zu zersplittert. Die Erfolgsaussichten hingen immer von militärischer Unterstützung aus Frankreich ab. Und diese Unterstützung gab es nur dann, wenn Frankreich mal wieder ein Ablenkungsmanöver brauchte.

For many the Jacobite Rising is only connected to Scotland. In truth the Jacobites were little more than pawns in a much bigger game. In Europe the protestant “enlightened” culture clashed with the catholic one that wanted to preserve the old. But the conflict was not just about religion or new against old, but about power: Power within Europe and power over the colonies. This resulted in two major conflicts: The War of the Spanish Succession (1701 – 1714) and the War of the Austrian Succession (1740 – 1748). In both the Catholic fraction merely used the Jacobites to distract Great Britain. The Jacobite movement had been too small and too fragmented in its interests. The only chance of success was military support by France. And France only promised help, when it needed a distraction.

Von Bonnie Prince Charlie niedergebrannte ehemalige Militärstation nahe Kingussi
Von Bonnie Prince Charlie niedergebrannte ehemalige Militärstation nahe Kingussi

So war es auch beim letzten großen Jakobitenaufstand von 1745. Nachdem britisch-österreichische Truppen die französisch-spanische Armee 1743 bei Dettingen besiegt hatten, brauchte Frankreich mal wieder ein solches Ablenkungsmanöver. James, The Old Pretender, war es müde, aber sein Sohn Charles Edward Stuart, The Young Pretender, war gerade 25 Jahre alt und sah den Augenblick gekommen, sich zu beweisen. Wie immer vom Pech verfolgt, kam die französisch-jakobitische Flotte in einen Sturm und musste stark dezimiert umkehren. Der französische König, der den Jakobiten zuerst den Floh ins Ohr gesetzt hatte, zog sein Unterstützungsangebot zurück. Aber Bonnie Prince Charlie, wie der Jakobitenführer oft liebevoll genannt wurde, war genauso stur wie seine Vorfahren. 1745 hatte er so viel Geld gesammelt, dass er mit zwei Schiffen in See stach. Eines wurde sofort von der Britischen Flotte beschädigt. Als Bonnie Prince Charlie mit seiner zusammengeschrumpften Mannschaft in Schottland landete, trauten die Schotten ihren Ohren kaum.

That was again the case in the last Jacobite rising of 1745. After British-Austrian troops had beaten the Franco-Spanish army in Dettingen in 1743, France needed another such distraction. James, the Old Pretender, was tired of the whole affair, but his son Charles Edward Stuart, the Young Pretender, was just 25 years old and keen to prove himself. Unlucky as the Jacobites always were, the Franco-Jacobite fleet was caught in a storm and had to turn back. After that the French king withdrew his support. But Bonnie Prince Charlie, as the Jacobite leader was affectionately called, was as stubborn as his forebears. By 1745 he had collected enough money to sail to Scotland with two ships. One was damaged by the British fleet right after they sat sail. When Bonnie Prince Charlie landed in Scotland with his reduced party, the Scots couldn’t quite believe it.

Loch Leven Castle
Loch Leven Castle

In den letzten Jahrzehnten hatte die Union Früchte getragen. Besonders in den Lowlands wollte man nichts von einem Jakobitenaufstand wissen. Nur in den Highlands, gab es noch einige wenige Clans, die sich, mehr aus Loyalität als aus Überzeugung dem Unterfangen anschlossen. Dass die Jakobiten dann dennoch in kürzester Zeit Edinburgh einnahmen, lag vor allem daran, dass Großbritannien auf den Aufstand nicht vorbereitet war und seine Soldaten anderswo in der Welt kämpften. Aber dann beging Bonnie Prince Charlie den entscheidenden Fehler: Anstatt in Edinburgh zu bleiben und die Schotten für eine Auflösung der Union zu gewinnen, marschierte er Richtung London. Binnen kürzester Zeit zog George II seine Soldaten vom europäischen Festland ab und schickte sie den Jakobiten entgegen. Die entscheidende Schlacht fand bei Culloden statt, in der die moderne britische Armee (die zum Teil aus Schotten bestand) die Highländer niedermetzelte. Das war das Ende der Jakobitenaufstände. Es gab und gibt zwar weiterhin Anhänger der Jakobiten, aber seit der Union waren Fortschritt und Wohlstand in Schottland angekommen. Der Mehrzahl der Schotten ging es wirtschaftlich besser und sie verspürten keinen Wunsch mehr, gegen die Union zu rebellieren.

During the last decades the Union had finally born fruit. Especially in the Lowlands nobody wanted anything to do with a rebellion. Only in the Highlands could Bonnie Prince Charlie muster a few loyal clans. That they still managed to take Edinburgh in a short time was mostly due to the fact that Britain was caught unprepared and its soldiers fought elsewhere in the world. But then Bonnie Prince Charlie made a fatal mistake: Instead of staying in Edinburgh and campaigning for a break of the union he marched towards London. Within a very short time George II recalled his army from the continent and sent them to meet the Jacobites. The final battle was fought at Culloden, where the modern British army (consisting partly of Scots) cut down the Highlanders. That was the end of the Jacobite Risings. There still were and are some who support the Jacobite cause. But since the union progress and wealth had arrived in Scotland. Most Scots were now better off and had no wish to rebel against the union.

Neil Oliver's History of ScotlandMeine Hauptquelle war das sehr unterhaltsam geschriebene Buch des schottischen Historikers Neil Oliver „A History of Scotland – A look behind the mist and myth of Scottish history“.

My main source was the entertainingly written book by Scottish Historian Neil Oliver “A History of Scotland – A look behind the mist and myth of Scottish history.”

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