Down House: Wo Darwin lebte und forschte

“The Orang Outang is too wonderful … he is frightfully, and painfully, and disagreeably Human”, soll Queen Victoria über einen Besuch im Londoner Zoo 1842 gesagt haben.* Was die Königin damals noch intuitiv wahrgenommen hatte, untermauerte Charles Darwin 17 Jahre später mit der Veröffentlichung seines Buches “On the Origin of Species”. Später wandte er seine Evolutionstheorie auch direkt auf die Abstammung der Menschen an, in einer Zeit, als die Schöpfungslehre der Kirche noch das Weltbild dominierte. Wer war dieser geniale Wissenschaftler Charles Darwin? Und wie war er zu seinen bahnbrechenden Schlussfolgerungen gekommen?
Down House in Kent
Das meiste Material für sein “Origin of Species” hatte Darwin in den 1830ern auf einer mehrjährigen Forschungsreise auf der Beagle, die ihn unter anderem zu den Galapagosinseln brachte, gesammelt. Aber es war in einem abgelegenen Häuschen in Kent, wo er seine Theorien entwickelte und niederschrieb. Down House, Darwins Familiendomizil und Forschungslabor, liegt eine gute Autostunde von London entfernt. Hier begegnen wir dem jugendlichen Tu-Nicht-Gut, dem liebevollen Ehemann und Vater und natürlich dem gewissenhaften Forscher. Mit anderen Worten: hier treffen wir nicht nur den Mythos eines der bedeutendsten Wissenschaftler der Welt, sondern dem Menschen Charles Darwin. Eine Begegnung, die sich lohnt.
Down House - das Darwin Museum
Im Untergeschoss wurden die Räume so hergerichtet, wie Darwin und seine Familie sie einst täglich benutzten. Es gibt viele Originalstücke aus der Familie. Und wo keine mehr vorhanden waren, haben die Kuratoren mit viel Engagement ähnliche Gegenstände erstanden. Der Drawing Room erzählt von einer gebildeten viktorianischen Familie der oberen Mittelschicht. Im Zentrum steht das Piano, auf dem Emma abends ihren Mann und ihre Kinder unterhielt. Darwins Arbeitszimmer sieht aus, als wäre der Forscher nur gerade für ein Stündchen hinausgegangen, womöglich auf einen seiner täglichen Spaziergänge. Fläschchen mit verschiedenen Substanzen stehen für Experimente bereit, und auf dem Schreibtisch türmen sich Bücher, Zeitungen und eigene Notizen.

Experimentieren in Down House
Im Obergeschoss, wo die Darwins und ihre zehn Kinder einst schliefen, befindet sich heute eine Ausstellung. Hier erfahren wir, dass der junge Darwin einst lieber Käfer fing, anstatt die Schulbücher zu studieren. Ein Medizinstudium in Edinburgh brach er ab. Erst in Cambridge, wo er eigentlich auf die Priesterlaufbahn vorbereitet werden sollte, fand er seine Berufung. Die Freundschaft mit Reverend John Stevens Henslow weckte sein Interesse an der Botanik, und ihm verdankte er auch die Stelle auf der Beagle. Natürlich wird auch über die Forschungsreise berichtet. In den Kinderzimmern stehen Glasvitrinen mit persönlichen Gegenständen der Familie. Am besten fand ich die Holzrutsche, auf der die Kinder mit einem Heidenspaß durchs Treppenhaus rutschten. Und für alle Neugierigen und Verspielten unter uns gibt es mehrere Experimentierräume, wo man den Theorien Darwins auf den Grund gehen kann.

Der Garten in Down House

Ein wichtiger Teil des Besuchs in Down House ist der Garten. Hier ging Darwin nicht nur jeden Tag spazieren. Er führte viele Forschungsprojekte durch, deren Ergebnisse er regelmäßig publizierte. Im Gewächshaus züchtete er tropische Pflanzen. Und selbst im Küchengarten hatte er einige eigene Beete zum Experimentieren.

Darwins Gewächshaus

Mehr Informationen über Down House, Öffnungszeiten und Anfahrt findet Ihr auf der Website.

*aus Steve Jones‘„Darwin’s Island. The Galapagos in the Garden of England. “

 

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26 thoughts on “Down House: Wo Darwin lebte und forschte

  1. Liebe Peggy,
    einmal mehr ein höchst anschaulicher, lebendiger Bericht mit tollen Fotos – man möchte die ganzen Orte,die Du vorstellst, am liebsten sofort besuchen. Weißt Du übrigens, warum das Forschungsschiff Beagle hieß? Hatte es etwas mit der Hunderasse zu tun?
    LG Birgit

    1. Ja.Sie hießen tatsächlich nach der Hunderasse. Es gibt (oder gab) mittlerweile 8 Schiffe der Royal Navy mit dem Namen “Beagle”. Darwin’s Beagle war das 2te. Da das Schiff eher von einer unbedeutenden Größe war, die Royal Navy allerdings viele davon hatte, griff man auf alle möglichen (Tier-) Namen zurück.
      lg.

  2. Liebe Peggy, ich möchte mich gerne der Antwort der ersten Leserin anschliessen und gleich nach Kent reisen! Übrigens habe ich gelesen, dass das Erbgut von Orang Outang und dem Menschen beinahe identisch ist. :)L.G.

  3. Schön, einmal Darwin “privat” zu sehen. Ein faszinierender Wissenschaftler, Peggy. Ich wusste nicht, dass Darwin ein Medizinstudium abbrach. Es war also auch schon damals schwer, die Profession für das Leben zu finden. Selbst für so intelligente Menschen. LG Susanne

    1. Ja, liebe Susanne, Darwin privat kennenzulernen macht den besonderen Charme des Hauses aus. Und dass er eine Weile brauchte, um sein wahres Interesse zu finden, macht ihn sehr sympathisch, finde ich. Liebe Grüße, Peggy

  4. Guten Morgen, Peggy
    wieder ein schöner Beitrag der Lust auf einen Besuch macht. Ich warte jedesmal gespannt auf einen neuen Bericht von Dir und immer wieder machen Sie Lust diese Orte am liebsten jetzt sofort zu besuchen. Tolle Foto`s und kurze aber informative Berichte, die es wert sind zu lesen. Danke dafür. Und am schönsten ist, das meine Sucht England wieder zu sehen, zu riechen, zu erleben bald wieder gestillt werden kann (der Urlaub wird immer mehr greifbar). Ich wünsche Dir noch eionen schönen Tag und freu mich jetzt schon auf Deine nächsten Geschichten, Berichte und Foto`s.
    LG, Bernd

    1. Hallo Bernd, Down House ist definitiv einen Besuch wert. Da der Urlaub begrenzt ist, muss man natürlich entscheiden, welche Ziele am interessantesten sind. Down House würde bei mir aber unter den Top Zielen landen, für Groß und Klein. Wir mussten anschließend eine Packung Plastikinsekten kaufen, sonst hätten wir den Kleinen Entdecker nicht wegbekommen. Das Haus ist außerdem nicht überlaufen, was ich sehr angenehm finde. Und einen traditionellen Tea Room mit einigen warmen Gerichten gibt’s auch. Liebe Grüße, Peggy

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