Die Vereitelung des Gunpowder Plots wird seit 400 Jahren mit Freudenfeuern gefeiert.

Guy Fawkes und der Gunpowder Plot

Bald ist es wieder soweit: Am 5. November werden überall in England Feuer angezündet. Kinder basteln in der Schule Puppen aus Pappe und Lumpen, die symbolisch auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Woher kommt dieser archaisch anmutende Brauch, der sich hinter dem Namen Guy Fawkes Night oder Bonfire Night verbirgt?

Alles begann im April 1604…

Guy Fawkes, der sich selbst Guido nannte, kämpfte bereits seit mehreren Jahren für die spanische Armee gegen die protestantischen Niederlande. In York geboren, gehörte Fawkes der katholischen Minderheit an, die seit dem Bruch Henrys VIII mit dem Papst in England unterdrückt wurde. Als Soldat wollte er seinen eigenen Beitrag für die katholische Kirche leisten. Er hatte bereits versucht, in Spanien Unterstützung für eine katholische Invasion Englands zu gewinnen, blieb aber erfolglos. Da traf er 1604 in Flandern auf einen Gleichgesinnten: Thomas Wintour erzählte ihm von einer kleinen Gruppe von Männern, die planten, König James I zu töten und durch seine Tochter Prinzessin Elizabeth zu ersetzen.

Guy Fawkes wurde 1570 in York geboren. Heute befindet sich in seinem Geburtshaus ein Inn.
Guy Fawkes wurde 1570 in York geboren. Heute befindet sich in seinem Geburtshaus ein Inn.

Endlich hatte Guy Fawkes seine Mission gefunden!

Er kam mit Thomas Wintour zurück nach England und schloss sich den Verschwörern an. Am 20. Mai 1604 trafen sich die 13 Männer in einem Londoner Gasthaus und entwickelten ihren Plan. Am Tag der Parlamentseröffnung, wenn der König mit Sicherheit anwesend sein würde, wollten sie das gesamte Parlamentsgebäude in die Luft jagen. Als Soldat hatte Guy Fawkes viel Erfahrung im Umgang mit Schießpulver und hatte Quellen, über die er die nötige Menge Sprengstoff besorgen konnte. In den folgenden achtzehn Monaten suchten die Verschwörer einen Weg in die Kellergewölbe des Parlamentsgebäudes. Zuerst gruben sie einen Tunnel von einem Haus, das sie in der Nähe gemietet hatten. Durch Zufall erfuhren sie, dass ein Keller unterhalb des Parlamentsgebäudes freigeworden war und änderten ihren Plan. Sie mieteten den Keller und begannen dort, Fässer mit Schießpulver zu lagern.

Der Gunpowder Plot verlief nach Plan, aber dann…

… bekam einer der Verschwörer Gewissensbisse. Bei der Explosion würde schließlich nicht nur James I ums Leben kommen. Auch einige Parlamentarier, die sich für die Rechte der Katholiken einsetzten, würden sterben. Also schrieb er einen anonymen Brief an einen jener Katholikenfreunde und riet ihm, dem Parlament am Tag der Eröffnung fernzubleiben. Ein fataler Fehler…

In der Nacht vom 4. zum 5. November 1605 traf Guy Fawkes die letzten Vorbereitungen.

Er legte eine lange Lunte und überprüfte seinen Fluchtweg über die Themse. Dabei erwischten ihn die Höflinge des Königs, die von dem anonymen Brief gehört hatten und im Auftrag von James I das Gebäude auf Verschwörer absuchten. Sie verhafteten Guy Fawkes auf der Stelle. Nach mehreren Tagen Folter gab er die Namen seiner Mitverschwörer preis. Alle wurden zum Tode verurteilt und am 31. Januar 1606 hingerichtet. Das Parlament erklärte den 5. November zum Tag der Erlösung und das Volk wurde dazu angehalten, die Vereitelung des Gunpowder Plots mit Freudenfeuern zu feiern. Die Verbrennung von Puppen, die wahlweise den Papst, Guy Fawkes oder andere unbeliebte Persönlichkeiten (wie zum Beispiel Margaret Thatcher) darstellten, begann erst 1673, nachdem James, Duke of York, Thronfolger Charles II, zum Katholizismus konvertierte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Vereitelung des Gunpowder Plots wird seit 400 Jahren mit Freudenfeuern gefeiert.
Die Vereitelung des Gunpowder Plots wird seit über 400 Jahren mit Freudenfeuern gefeiert. Heute werden in der Bonfire Night allerdings mehr Feuerwerkskörper als Lagerfeuer angezündet.

Wurde der Gunpowder Plot inszeniert?

Niemand weiß, was tatsächlich in den frühen Morgenstunden des 5. November 1605 passiert war. Zweifler halten den anonymen Brief, den einer der Verschwörer geschrieben haben soll, für eine Fälschung, die das Gefolge um König und Parlament fabriziert haben, um die Männer um Guy Fawkes aus dem Weg zu schaffen. Keiner der Angeklagten gab zu, einen solchen Brief geschrieben zu haben, obwohl dies womöglich zu einer Strafmilderung geführt hätte. Und was von Schuldzugeständnissen unter Folter zu halten ist – nun darüber gehen bis heute die Meinungen auseinander.

Wie wird der Gunpowder Plot heute bewertet?

In mancher Hinsicht hat sich die Welt in den letzten 400 Jahren nicht geändert. Auch heute gibt es noch Minderheiten, die verfolgt oder unterdrückt werden. Und genauso gibt es auch immer noch Menschen, die glauben, dass sie diese Ungerechtigkeit nur durch Gewalt ändern können – je spektakulärer die Inszenierung und je mehr Unschuldige dabei ums Leben kommen, desto größer die Aufmerksamkeit. Manche nennen sie Freiheitskämpfer – andere Terroristen.

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9 thoughts on “Guy Fawkes und der Gunpowder Plot

  1. Danke! Eine interessante Geschichte! Man hört zwar immer davon, aber was dahinter steckt wusste ich bisher noch nicht 🙂 Schönes Wochenende!

  2. Hallo Peggy, die Geschichte kannte ich zwar schon, jedoch Deine Schlußfolgerungen sind sehr interessant und wie Du richtig bemerkst, es ist auch immer der Standpunkt von wo aus man sich sieht ausschlaggebend. Doch mit Gewalt etwas zu lösen, löst wieder nur Gewalt aus, aber leider kennen manche Menschen nur eine Antwort und hättest Du tausend vernünftige Argumente, es würde nichts nützen. Wir leben zwar in einer sehr schönen Welt (Ihr in England, wir in Österreich), jedoch aber leider auch in einer sehr gewalttätigen (besonders zur Zeit). Hoffentlich besinnen sich die Menschen wieder, besonders für die Zukunft unserer Kinder.

  3. Liebe Peggy, ich bin zwar etwas spät dran deinen interessanten Bericht über Guy Fawkes und seinem geplanten Attentat zu lesen, glaube jedoch, dass dieser absolut zur momentanen Situation in dieser Welt passt. Je schrecklicher, desto mehr Aufmerksamkeit. Liebe Grüsse Martina

    1. Danke für Deine Gedanken, liebe Martina, und entschuldige die späte Antwort. Die letzten Wochen waren wieder einmal sehr hektisch. Ich wünsche Dir und Deinen Lieben eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ganz liebe Grüße, Peggy

      1. Liebe Peggy, deine Antwort freut mich auch jetzt noch! Auch dir eine schöne und vielleicht ein wenig hektischere Weihnachtszeit und viel Erfolg auch im 2016. Cari saluti Martina

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