Das Geheimnis der Folkton Drums

Folkton Drums im British Museum

Vor vielen tausend Jahren wohnte ein Farmer im rauen Norden Britanniens. Damals lebten die Menschen noch ganz anders als wir heutzutage. Es gab keine Läden, in denen sie einkaufen konnten – und Geld gab es auch noch nicht. Jeder musste sich selbst versorgen. Um seine Familie zu ernähren, baute der Farmer Weizen an, aus dem seine Frau Brot backte. Aber in einem Sommer blieb plötzlich der Regen aus. Ohne Regen konnte der Weizen nicht wachsen.

Der Farmer und seine Frau saßen abends beisammen und überlegten, wie sie ihre Familie vor dem Verhungern bewahren könnten. Die älteste Tochter belauschte das Gespräch. Als sie sich später zurück ins Bett schlich und einschlief, erschien ihr im Traum ein Priester. Dieser sagte: “Ihr müsst zum Gott des Regens beten. Geh und suche Steine, die so weiß sind wie Wolken.” Am nächsten Morgen zog das Mädchen los und kehrte am Abend mit drei großen Steinen zurück. Daraus fertigte sie Regentrommeln, die sie mit den heiligen Zeichen verzierte, die ihr im Traum erschienen waren.

Am folgenden Tag rief sie ihre Familie zusammen. Sie berichtete ihnen von dem Traum. Gemeinsam setzten sie sich vor dem Haus in einen Kreis. Die drei Kinder hielten jeder eine Trommel vor sich und begannen, mit den Fingern das Klopfen von Regentropfen nachzuahmen. Die älteste Tochter sang dabei das Gebet, das sie in ihrem Traum vom Priester gelernt hatte. Nach einiger Zeit stimmte ihre Familie in das Gebetslied ein. Dabei trommelten sie weiter im Rhythmus des Regens. So saßen und trommelten sie den ganzen Tag.

Die Sonne ging langsam unter, und es wurde Nacht. Fast gaben sie die Hoffnung auf, als plötzlich die ersten Regentropfen fielen – zuerst leise und dann immer lauter, bis der Regen im Takt mit den Trommeln fiel. Lange noch saß die Familie in dieser Nacht im Kreis und trommelte. Alle waren völlig durchnässt, aber glücklich.

Folkton Drums im British Museum
Relikt aus der britischen Steinzeit: die Folkton Drums im British Museum

 

Die Folkton Drums wurden in einem Hügelgrab in Yorkshire in einem Kindergrab gefunden. Die massiven Kreidezylinder, die mit kunstvollen Schnitzereien verziert sind, stammen aus der Zeit zwischen 2.500 und 2.000 v. Chr. Ihre wahre Bedeutung ist unbekannt. Die Geschichte ist bei einem Besuch des British Museums entstanden, als ich mit dem Kleinen Entdecker die Räume des prähistorischen Britanniens besichtigt habe, wo die Folkton Drums ausgestellt sind.

Was denkt Ihr, wozu die Folkton Drums dienten? Der kleine Entdecker freut sich immer über spannende Geschichten.

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20 thoughts on “Das Geheimnis der Folkton Drums

  1. Pit says:

    Auch wenn es, wie Du sagst, wohl kaum den Gebrauch der “drums” erklaert, so gefaellt mir die Geschichte doch sehr.
    Einen schoenen Ostermontag Euch Allen,
    Pit

    1. entdeckeengland says:

      Danke, Pit. Als ich dem kleinen Entdecker die Geschichte im Museum erzählt habe, hat sich hinter uns auch eine kleine Gruppe deutscher Frauen gebildet, die ganz interessiert gelauscht hat. 😀

  2. Petra Gust-Kazakos says:

    Die Geschichte ist total schön, liebe Peggy!
    Tja, wozu könnten diese Steine gedient haben, noch dazu in einem Kindergrab gefunden … Die Erklärung mit der Sitzgelegenheit ist gar nicht schlecht, tatsächlich erinnert mich die Form der Drums an die Poufs, diese lederbezogenen Sitzkissen, die in den 1970ern in kaum einem Wohnzimmer fehlen durften. Aber dazu passt “Drums” natürlich nicht. Wobei es ja auch fraglich ist, wer wann die drei Steine als “Drums” bezeichnet hat, wohl doch eher im Nachhinein, sprich: Es müssen in der Tat nicht unbedingt Trommeln sein. Hmmmm … Vielleicht so was wie kleine Totempfähle?
    Liebe Grüße
    Petra

    1. entdeckeengland says:

      Oh danke, liebe Petra ☺️
      Warum man die Steine “Drums” genannt hat, weiß ich leider nicht. Ich nehme an, weil sie in ihrer Form Trommeln ähneln. Die Poufs, denen sie auch ähneln, gab’s noch nicht, als sie gefunden wurden 😀 sie sind auch sehr viel kleiner, nur knapp 20 Zentimeter im Durchmesser, würde ich schätzen.
      Nachdem ich dem kleinen Entdecker die Geschichte erzählt hatte, war ich versucht, noch eine zweite zu erfinden, bei der die Steine zu einem steinzeitlichen Boule-Spiel gehörten. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt schon genug Aufmerksamkeit erregt. Außerdem wollten wir uns noch ein paar andere Ausstellungsstücke anschauen. Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche, Peggy

  3. Achim Spengler says:

    Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, welche Funktion nun die Drums (wer hat sie und warum so genannt?) gehabt hatten. Eine sehr schöne Funktion hast du in deiner Geschichte ja genannt. Diese Geschichte sollte auf Pergament geschrieben und den Drums im Museum beigelegt werden 🙂 Immerhin wären so weitere Spekulationen unnötig.

      1. mickzwo says:

        Dafür ist es aber eine schöne Geschichte. Und der kleine Entdecker wird schon irgendwann Fragen stellen. Wenn dann dabei herauskommt, das er Glück hatte, damals im Museum, dann ist das schon schön 🙂
        Viele Grüße, mick.

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