Früher…

Margate

Margate

An der Uferpromenade, zwischen heruntergekommenen Spielhöllen, staubigen Pound-shops und lange verlassenen Läden, deren zerlumpte Markisenreste in der Meeresbrise flattern, erblicken wir plötzlich diese Kunstwerke. Sie erzählen Geschichten über die letzten fröhlichen Jahre in Margate, bevor der zunehmende Auslandstourismus dem historischen Badeort den Todesstoß versetzte.

Margate

Geschaffen wurde die Geschichten-Wand von der Künstlerin Sophie Herxheimer auf Basis von Gesprächen mit Einheimischen im Jahr 2011.

Margate

Margate war im 18. Jahrhundert einer der ersten Badeorte an der Küste Englands. Unter dem Staub der Erinnerungen kann man noch die teilweise pompöse Architektur erkennen, die bezeugt, dass die Stadt einst Besserbetuchte angezogen hat.

Margate

Mein erster Besuch in Margate liegt mittlerweile über zehn Jahre zurück. Damals war ich vom Zustand der Stadt schockiert. Anlass für unseren Ausflug war seinerzeit der Film „Last Orders“. Eine Rezension des gleichnamigen Buches findet Ihr bei Buchpost.

Margate

Margate

Mittlerweile sieht Margates Zukunft nicht mehr ganz so hoffnungslos aus. Als ich 2014 auf unserer ersten Eisenbahntour mit dem Kleinen Entdecker hierher kam, fand ich nicht nur diese Illustrationen und die geheimnisvolle Shell-Grotto. Die Eröffnung der Turner Contemporary hat den Ort mittlerweile zu einem beliebten Ausflugsziel für Kunstliebhaber gemacht. In den Gassen hinter der schmutzigen Uferpromenade ist eine kleine Oase aus kreativen Shops und alternativen Cafés aufgeblüht.

Margate

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15 thoughts on “Früher…

  1. SätzeundSchätze says:

    Ich sah dieser Tage in der Ausstellung “100 Jahre Leica” in München Bilder von britischen Fotografen, die einige dieser völlig darniederliegenden Orte (allerdings keine Badeorte) festgehalten haben – da wird einem einmal mehr bewußt, was Armut in Europa heißt – das waren Aufnahmen aus den 80er/90ern, ich dachte, so sah es vielleicht irgendwann “früher” aus zu Zeiten “Asche meiner Mutter” in Irland …
    Aber: Toll Deine Entdeckungen, diese Wandgeschichten – das ist klasse.

    1. entdeckeengland says:

      Ich habe sie letztens wiederentdeckt und mich erinnert, dass ich völlig sprachlos vor ihnen stand. In England ist das soziale Gefälle bis heute viel höher als in Deutschland. Und vor dem großen Finanzmarktboom der späten 90er sah es in vielen Orten sehr traurig aus. Auf unseren Eisenbahnreisen haben wir aber auch gesehen, dass sich in den Küstenstädten vieles zum Positiven entwickelt. Was mich aber besonders an den Geschichten gerührt hat, ist diese Freude an den kleinen Dingen, die dort durchklingt.

  2. buchpost says:

    Wie schön, dass es da doch ein Fünkchen Hoffnung für diesen Ort gibt. Es kann sonst wirklich im wahrsten Sinne des Wortes trostlos werden. Tolle Bilder! Und vielen Dank für die Verlinkung. LG, Anna

      1. suzy says:

        ist es denn geschützt? Mit einer Glaswand oder ähnlichem? Sogar Banksy ist schon übersprüht worden, deshalb schützen sie jetzt seine Kunst mit Plexiglaswänden davor 🙂

  3. bernd44 says:

    Hallo und Guten Morgen, danke für Deine interessanten Artikel und Geschichten. Ein kleinwenig Senf zu Margate von meiner Seite. Wir waren voriges Jahr (genau heute vor einem Jahr) in Margate, auch aufgrund Deiner Erzählung der Gallery. Es war ein verregneter kalter Maivormittag und so hat sich diese Stadt auch bei uns eingebrannt. Trostlos, verschmutzt und herunter gekommen. Und da ich kein Kleingeld fürs Parken hatte wollte ich etwas Geld wechseln, wurde aber auch da nicht gerade höflich behandelt. Die Gallery ist sehr schön und absolut einen Besuch wert, die Mitarbeiter dort sind sehr freundlich und auch das Cafe war toll, besonders der Ausblick auf die Bucht. Wir waren froh als wir wieder weg fuhren. Aber wer weiß, vielleicht schaue ich beim nächsten Urlaub nochmals nach Margate, schließlich sagt man, jeder hat eine zweite Chance verdient und alles sieht freundlicher aus wenn die Sonne scheint. Und ich hoffe das ich dann auch noch die Wandbilder sehen kann. Liebe Grüße und ich freu mich schon auf den nächsten Artikel von Dir.

    1. entdeckeengland says:

      Hallo Bernd, schön, wieder von Dir zu hören. Ich finde, Margate wirkt auch bei Sonnenschein trostlos. Ich würde der Stadt vermutlich noch mal fünf Jahre geben, bis ich wieder vorbeischaue, es sei denn es gibt vorher eine neue Ausstellung in der Turner Contemporary, die mich reizt. Zumindest bewegt sich dort Einiges in die richtige Richtung. Vielleicht kann Margate ja irgendwann mal den Rückstand zu den benachbarten Küstenorten aufholen. Liebe Grüße aus London, Peggy

  4. msherxheimer says:

    Reblogged this on poetryteapot and commented:
    delighted to find a blog post about Margate, featuring many of the stories I drew there, and that we made into a 48 metre hoarding on the front, with Marine Studios in 2011.

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