Victoria (1): The little Queen

„She is at an age at which a girl can hardly be trusted to choose a bonnet for herself, yet a task is laid upon her from which an archangel might shrink.“

Das schrieb der schottische Philosoph und Essayist Thomas Carlyle über Victoria, als die 18-jährige Königin wurde. Der langjährige Hofmaler Sir David Wilkie hielt die erste Zusammenkunft hochrangiger Berater und Minister mit der jungen Königin im Privy Council am 20. Juni 1837, Victorias Regierungsbeginn, in diesem Gemälde fest.

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David Wilkie: The First Council of Queen Victoria (1838), Royal Collection Trust

Wilkie nahm sich die künstlerische Freiheit, die Königin in weiß zu malen, obwohl sie an diesem Tag Trauer trug. Schließlich war gerade ihr Onkel William IV verstorben. Diese Abweichung von der Wirklichkeit kostete Wilkie seine Stellung. Er behielt zwar bis zu seinem Tod 1841 formell seinen Titel als Painter in Ordinary to the Queen, aber er erhielt fortan keine königlichen Kommissionen mehr.

Das Bild und die dazugehörigen Informationen habe ich aus der Queen’s Gallery, aus der Ausstellung “Scottish Artists”, die zurzeit parallel zu “Maria Merian’s Butterflies” läuft.

Hintergrundwissen: Warum Victoria Königin wurde

Victoria war die Tochter von Prince Edward, dem vierten Sohn Georges III. Aber eine Reihe familiärer Tragödien führte dazu, dass sie bereits seit Ihrer Geburt am 24. Mai 1819 als potenzielle Thronerbin galt. Genau genommen, wurde sie zu diesem Zweck gezeugt, um eine Krise der britischen Monarchie zu vermeiden.

Das britische Königshaus befand sich damals bereits seit Jahren in Schwierigkeiten. George III war psychisch krank. Sein ältester Sohn und Thronfolger, der spätere George IV agierte seit 1811 als Prinzregent und wurde nach dem Tod des Vaters 1820 König. Aus seiner Ehe mit Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel hatte dieser eine Tochter, Princess Charlotte. Die Ehe war jedoch nicht glücklich. Kurz nach der Geburt gingen beide getrennte Wege und es folgten keine weiteren legitimen Kinder.

Princess Charlotte starb im Kindbett. Aus diesem Grund ging die Krone 1830 von George IV an seinen jüngeren Bruder William IV über. (William war der dritte Sohn Georges III. Der zweite, Prince Frederick lebte in einer kinderlosen Ehe und starb 1827.) Als Princess Charlotte und damit die einzige Thronfolgerin des Hauses Hannover 1817 starb, hatte William IV zwar schon jede Menge Kinder, aber keines davon war legitim. Und auch seine jüngeren Geschwister hatten keine legitimen Nachkommen.

So wurden – man spürt eine gewisse Panik – die beiden notorischen Junggesellen William (53) und Edward (51) 1818 flugs in einer Doppelhochzeit mit deutschen Prinzessinnen verheiratet. Williams Frau gebar ihm zwei Töchter, die aber noch im Kleinkindalter starben. Und so wurde Edwards Tochter Victoria 1837 Königin.

Kate Hubbard: Serving Victoria, Life in the Royal HouseholdNachbemerkung

Vor kurzem habe ich begonnen, Kate Hubbards „Serving Victoria – Life in the Royal Household“ zu lesen. Es ist eine Biografie Victorias aus der Perspektive derer, die ihr dienten. Schon im zweiten Kapitel hat sich in meinem Notizheft so viel interessantes Material gesammelt, dass ich beschlossen habe, daraus eine kleine Serie zu machen.

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19 thoughts on “Victoria (1): The little Queen

  1. Vom ästhetischen Standpunkt traf der Künstler mit dem weißen Kleid sicher die richtige Entscheidung. Hätte die Königin ein Trauerkleid getragen, wäre der Effekt so düster geworden wie bei Rembrandts “Anatomie des Dr. Tulp”. Dann hätte man ebenfalls “Grund” gehabt, ihn zu feuern. Man kann es den königlichen Herrschaften einfach nicht recht machen. 😉

  2. Interessant, dass es schon damals quasi Retortenbabys gab 😉 Eine sehr spannende Geschichte, auf deren Fortsetzung ich mich schon freue! Liebe Grüße von der warmen Insel.

    1. Ich fand den Film auch gut, zumal ich von Victoria vorher immer nur das Bild von der alten, zurückgezogen lebenden Königin hatte. Das Buch, das ich gerade lese, besteht auch aus zwei Teilen – die junge, lebenslustige Frau und die trauernde Witwe. Ich glaube, Victoria ist deshalb so interessant, weil es über sie so viel Material gibt, dass man in ihr auch den Menschen erkennen kann. Ich freue mich jedenfalls auch auf das Projekt. Es wäre schade, die vielen Informationen in einen Blogartikel zu quetschen 😉

      1. Stimmt … man hat immer das Bild der älteren Königin vor Augen. Am Film kam auch gut rüber, wie sie sich trotz schwieriger Familienverhältnisse zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelte – das machte sie mir sympathisch…

  3. Ich freue mich auch auf diese Serie. Interessant finde ich auch die Geschichte des weißen Kleids,ich bin froh, dass der Hofmaler sich für weiß entschied, es macht das Bild lebendiger und kontrastreicher und unterstreicht das Alter der Queen.

    1. Ja, das finde ich auch, aber Victoria war eine sehr strenge Auftraggeberin. Als Hofmaler muss man sich unterordnen – da sind wir wieder bei dem Zusammenspiel oder Widerspruch von Kunst und Zweck. Für David Wilkie war das aber sicherlich kein Beinbruch. Er war zu dieser Zeit schon ein anerkannter und nachgefragter Künstler. Ich wünsche Dir einen schönen Abend, Peggy

  4. Ich schließe mich der Runde der Serien-Vorfreudigen an, liebe Peggy. Die Frage, welche Kleider die Queen während der langen Jahre ihrer Regentschaft trug, wird darin ja vielleicht auch eine Rolle spielen. Immerhin ist ein ganzes (steifes) Zeitalter nach ihr benannt. Zu dem Bild des First Council mit der jungen Queen: Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass sie auf eigenen Wunsch in einem weißen Kleid bestattet wurde, nachdem sie seit dem Tod ihres Mannes nur dunkle Farben getragen hatte.

    1. Ich weiß noch nicht ganz genau, in welcher Reihenfolge ich vorgehe, aber über die Steifheit des Hofes schreibe ich schon demnächst und auch, warum sich das so entwickelt hat. Momentan befinde ich mich immer noch am Anfang des Buches. Ich bin deshalb genauso gespannt wie Ihr alle. 😉 Liebe Grüße, Peggy

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