Britain votes for Brexit, Remain-Campaign wants second referendum

Brexit: Der Tag danach

Heute Vormittag waren wir im Greenwich Park. Die Sonne schien und der Kleine Entdecker drehte mit dem Fahrrad seine Runden, halsbrecherisch Joggern und rollerfahrenden Kleinkindern ausweichend – ein ganz normaler Samstag Vormittag eben. Auf dem Heimweg gingen wir noch beim Bäcker vorbei. Ein Blick zur Themse bestätigte: Das Wasser floss noch immer eilig dem Meer zu und scherte sich weder um die Trauer der Europagläubigen noch um den Siegestaumel der vermeintlichen Freiheitskämpfer. Der Graben zwischen England und dem europäischen Kontinent ist nur in unseren Köpfen größer geworden. Der Ärmelkanal ist hingegen noch genauso breit wie gestern – 33,1 Kilometer an der engsten Stelle.

Ich habe mich sehr über Eure rege Anteilnahme an meinem gestrigen Blogartikel gefreut. Noch hatte ich keine Gelegenheit, auf alle Kommentare zu antworten, aber das werde ich nachholen. Eure Kommentare, aber auch die aktuellen Nachrichten hier in Großbritannien haben mich dazu veranlasst, einen neuen Artikel zum Brexit zu schreiben. Und auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht – das ist keine Glosse!

Britain votes for Brexit, Remain-Campaign wants second referendum

Aus Brexit wird Bregret

Nach einem schwarzen Freitag an der Börse ist hier in Großbritannien mittlerweile Ernüchterung eingekehrt. Einem Artikel im Independent zufolge, bedauern die ersten „Leave“-Wähler bereits ihre Entscheidung. Ausgelöst wurde diese Enttäuschung unter anderem durch ein Interview mit Nigel Farage, dem umtriebigen Vorsitzenden der rechtspopulistischen UKIP, in der Morgensendung „Good Morning Britain“ auf dem Fernsehsender ITV. UKIP hat die „Leave“-Kampagne unter anderem mit Plakaten geführt, die implizierten, dass die 350 Millionen Pfund, die bislang jede Woche nach Brüssel geflossen sind, ins britische NHS investiert werden. Auf die Aufforderung im Interview, dieses Versprechen nach dem Wahlsieg zu bekräftigen, ruderte Farage zurück – was wohl als der schnellste Bruch eines Wahlversprechens in die Geschichte eingehen wird und Wählern populistischer Parteien weltweit eine Warnung sein sollte. Wie groß die Welle des Bedauerns ist, kann man daran erkennen, dass es dafür bereits ein neues Akronym gibt– Bregret.

Petition soll ein neues Referendum herbeiführen

Auch das Remain-Lager war nicht untätig. Auf der Website des Parlaments wurde eine Petition gestartet, die ein neues Referendum fordert, wenn bei einer Wahlbeteiligung unter 75 Prozent weniger als 60 Prozent für „Leave“ stimmen. Innerhalb eines Tages konnten bereits über 1,5 Millionen Stimmen dafür gesammelt werden. Da der Brexit formal erst vom Parlament beschlossen werden muss, ist die Petition auch nicht ganz aussichtslos.

Schottland und London wollen Unabhängigkeit erklären und der EU beitreten

Dass Nichola Sturgeon, Schottlands First Minister, gleich nach Bekanntgabe der Ergebnisse gestern bereits ein neues Referendum über Schottlands Unabhängigkeit in Aussicht gestellt hat, dürfte niemanden überrascht haben. Die pro-europäischen Schotten, die sich 2014 in einem Referendum ganz knapp gegen ein Ausscheiden aus dem Vereinigten Königreich entschieden haben, haben von Anfang an klar gemacht, dass ihnen ein Verbleib in der EU wichtiger ist als die britische Einheit.

Skurriler ist hingegen eine Petition an den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, London unabhängig zu erklären und der EU beizutreten. 60 Prozent der Londoner haben im Referendum für „Remain“ gestimmt. Die Stadt gilt als der erste Finanzplatz Europas. Ein Austritt aus der EU würde bedeuten, dass die Finanzdienstleister einen großen Teil ihres EU-Geschäfts auf den Kontinent verlegen müssten, um nicht gegen EU-Regulierungen zu verstoßen. Für Londons Wirtschaft wäre das ein herber Schlag. Dennoch ist diese lesenswerte Petition wohl nur ein Symbol für britischen Galgenhumor.

Ihr seht also, es bleibt spannend hier auf der Insel. Ich werde Euch gerne über weitere Entwicklungen informieren. Nächste Woche geht es aber erstmal wie geplant mit Victoria weiter, es sei denn die politische Lage erfordert es, dass ich meine Aufmerksamkeit wieder anderen Themen widmen muss. Vielleicht müssen wir ja die Drachen satteln, die seit jeher die Zufahrten zur City of London bewachen. Oder Cornwall lyncht Boris Johnson, der sich nach dem angekündigten Rücktritt David Camerons mit einer Bustour durch das Land bereits als dessen Nachfolger positionieren will.

City of London Dragon

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53 thoughts on “Brexit: Der Tag danach

  1. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt …

    Ich wüsste zu gern, was Jonathan Swift, George Orwell oder Aldous Huxley daraus machen würden. Aber so eine Realsatire sprengt natürlich jede Vorstellungskraft. Vielleicht fiele Ben Elton etwas dazu ein …

    Ich ziehe mir immer wieder die Videos rein, wie Boris vom wütenden Mob, äh, von einer entgeisterten Volksmenge, ausgebuht wird und Nigel Farage lachend verkündet, das dreiste Wahlversprechen sei ja nie aus seinem eigenen Mund gekommen.

    1. Ja, die besten Geschichten schreibt das Leben. Hast Du Dir die Petition an den London Mayor durchgelesen? Die ist doch auch köstlich – Sadiq for President! Ich frage mich, was die Queen denkt… 🙂

  2. Sehr gute Zusammenfassung, liebe Peggy. Das mit dem neuen Referendum wegen der nicht sooo hohen Wahlbeteiligung und dem nicht sooo klaren Ergebnis (es wirkte eher wie eine tagesaktuelle Schwankung) wäre vielleicht eine gute Aktion. Stimmt es, dass gerade von den 18-25-Jährigen nur 25 % mit abstimmten? Das las ich gestern irgendwo. Evt. ließen sich die jungen Menschen bei einer erneuten Abstimmung doch noch in größerer Zahl bewegen … Liebe Grüße Petra

    1. Liebe Petra, das habe ich nirgendwo so gelesen. Es stimmt, dass die Wahlbeteiligung mit dem Alter ansteigt, aber nicht so signifikant. Eigentlich war kurz vor dem Referendum die Stimmung im Remain-Lager positiv, weil sich verhältnismäßig viele junge Menschen für die Abstimmung angemeldet hatten und bekannt war, dass diese eher Remain wählen würden. Aber es gibt einfach mehr ältere Menschen als junge. Deshalb haben 16- und 17jährige auch gegen das Ergebnis protestiert. Das Parlament hatte eine Reduzierung des Alters auf 16, um wahlberechtigt zu sein, abgelehnt.
      Gerade haben wir auch einen Report auf BBC gesehen, dass die Leave-Campaigner mehr Leute mobilisieren konnten, auch solche, die sonst nie wählen. Deshalb heißen Populisten wohl Populisten. In den Regionen, wo Remain gewonnen hat, war die Wahlbeteiligung am niedrigsten. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es ausgeht. Liebe Grüße, Peggy

      1. Heute las ich wieder so was auf Twitter, da war dann die Rede von 35 %, vielleicht finde ich ja noch eine verlässliche Quelle … Ich bin jedenfalls auch gespannt, wie sich das alles noch entwickelt! Gute Nacht : )

      2. Ich schaue auch nochmal rum. Ich habe einige Statistiken gesehen, aber die gehen nicht so sehr ins Detail. Bei den Social Media und selbst in der Presse kann man sich ja leider nie so sicher sein, wer alles voneinander abschreibt, ohne die Fakten zu prüfen.

  3. Hallo Peggy,
    zu Farage’s “Wahlversprechen”: es war auch vom Betrag her eine Lüge, denn es sind nur ohnehin nur 190 Millionen Pfund. Immerhin noch “reichlich”, m.E., aber eben doch nur fast die Hälfte von dem, was Brexit-Befürworter behauptet haben.
    Zur Themse bei Greenwich fällt mir da noch ein: das Wasser strömt manchmal auch aufwärts, bei Flut nämlich. Ist das nun ein gutes Zeichen, so nach dem Motto “Alles kommt mal wieder”? Ich stimme Dir aber zu: es zeigt ganz besonders, dass das Leben weitergeht. Aber auch, dass Alles im Fluss ist.
    Hab’ ein feines Wochenende,
    Pit

  4. Es war ein emotional irrationaler Wahlkampf der zudem mit Lügen seitens der Populisten und einiger Boulevardblätter geführt wurde. Ökonomische Antworten auf hochgekochte Emotionen hatten die Spaltung verstärkt, die quer durch die Gesellschaft gegangen ist. Selbst der Mord an MP Joe Cox hat die Lager nicht zum Nachdenken bewegt. Schottland ist von der EU in gewisser Weise finanziell abhängig. So ist es nicht überraschend, dass sie alle Mittel austesten und die kluge First Minister Sturgeon ein zweites Referendum in Aussicht stellt. Erhellend wie verstörend, der Bericht vom Guardian: ‘If you’ve got money, you vote in … if you haven’t got money, you vote out’ (http://www.theguardian.com/politics/commentisfree/2016/jun/24/divided-britain-brexit-money-class-inequality-westminster).
    Die Petition auf der Website des Parlaments ist bereits im Mai gestartet worden. Frei nach “denn sie wissen nicht, was sie tun…” kommt nach dem Schock nun die Aufarbeitung. Das die Alten den Jungen aus verschiedensten Gründen diese weitreichende Entscheidung, ohne die Folgen zu kennen, diktiert haben, macht es nicht besser. Denn die Konsequenzen, wie z.B. die Kampagne und Stimmungsmache gegen EU-Ausländer u.a., wird man abwarten müssen. So bleibt man für den Moment sprachlos. Dem Prinzip Hoffnung kann niemand in diesen Tagen entfliehen.
    Liebe Grüße,
    Stefan

    1. Hallo Stefan, Du sprichst mir aus dem Herzen. Mittlerweile wurden im Zusammenhang mit der Petition übrigens Betrugsfälle aufgedeckt, bei denen einige mit falschen Identitäten unterschrieben haben. Cameron hat bereits ein zweites Referendum ausgeschlossen, das heißt, vermutlich ist das eine Sackgasse. In der Zwischenzeit zerlegen sich die beiden großen Mainstream-Parteien.

      Wir haben heute mit deutschen Freunden gegrillt und das Deutschlandspiel gesehen. Die haben leider bereits die ersten schlechten Erfahrungen gemacht. Ein Nachbar hat Ihnen ins Gesicht gesagt, dass er sich schon freut, dass sie bald verschwunden sind. Das gibt einem wirklich zu denken, wie leicht sich Menschen durch Hass mobilisieren lassen.

      Aber heute Abend freue ich mich einfach mal über Deutschlands Sieg und mache mir keine Gedanken mehr.

      Liebe Grüße, Peggy

  5. Danke für die interessante Info! Ich musste doch herzlich grinsen als ich las, dass London unabhängig werden will. Wie soll denn das klappen? 🙂

  6. Danke für die schnellen und brandaktuellen breaking News, Peggy.
    Ich denke, dass die Engländer nicht mit dem konsequenten Handeln der restlichen EU Ländern gerechnet haben.
    Ich hoffe, allen Ländern egal ob EU oder nicht EU wird es eine Warnung sein, wie schnell Populisten ihre Wahlversprechen brechen können.
    Liebe Grüße aus dem endlich abkühlenden Berlin von Susanne

    1. Hallo Susanne,
      noch haben die restlichen EU-Laender doch noch gar nicht gehandelt. Und ob sie konsequent handeln werden??? Diese drei Fragezeichen setze ich ganz bewusst. Warten wir mal ab. Etwas Anderes koennen wir ja eh nicht tun.
      Hab’ ein feines Wochenende,
      Pit

      1. Ich denke schon, dass sie konsequent handeln werden, Pit. Es steht zuviel auf dem Spiel und ich denke, Europa sollte Stärke und Einheit demonstrieren. Nur das kann für Europa ein Erfolg bedeuten.
        Ich hoffe es sehr und es tut mir unendlich leid, dass England mit dieser Protestwahl so viel aufs Spiel gesetzt hat.
        Liebe Grüße von Susanne

      2. Liebe Susanne, ja Europa hat auch viel zu verlieren. Der Brexit gibt anderen EU-Skeptikern Auftrieb und die EU ist auch nicht gerade in der besten Verfassung. Ich glaube nicht, dass man Großbritannien eine Sonderrolle einräumen wird. Wer in den Gemeinschaftsmarkt will, muss auch den freien Personenverkehr akzeptieren. Davon abzurücken, wäre meines Erachtens falsch. Das würde in Zeiten der zunehmenden Polarisierung genau die falschen Zeichen setzen. Da aber die Leave-Kampagne vor allem das Thema Immigration in den Mittelpunkt gestellt hat, würde es einen ziemlichen Gesichtsverlust bedeuten, doch im Gemeinschaftsmarkt zu bleiben und die Immigration zu akzeptieren. Aber warten wir ab. Der Brexit hat hier ein politisches Erdbeben ausgelöst. Man hat den Eindruck, alle rennen ziellos umher wie kopflose Hühner. Großbritannien hat derzeit niemanden, der einen Deal verhandeln könnte. Ich bleibe mal zumindest so optimistisch, dass nicht Nigel Farage von der UKIP diese Rolle übernehmen wird.
        Herzliche Grüße aus Greenwich, wo wir es gerne etwas wärmer hätten, Peggy

      3. Hallo Peggy,
        leider hat, so wie es aussieht, wohl die gesamte Welt durch den Brexit Schaden genommen. 😦 Oder könnte es zumindest.
        Du hättest es gerne wärmer? Komm’ rüber. Hier sind es 32 Grad.
        Liebe Grüße nach Merry old England,
        Pit

      4. 32 Grad – ich weiß gar nicht mehr, wie sich das anfühlt. Wir liegen nur knapp über der Hälfte.
        Momentan macht es nicht wirklich viel Spaß, sich Zukunftsszenarien auszumalen. Hast Du eigentlich die amerikanische Staatsbürgerschaft und kannst im November wählen? Wir hatten heute das Thema. Hätten die vielen schon lange hier lebenden EU-Bürger die Staatsbürgerschaft beantragt und hätten damit das Wahlrecht gehabt, wäre es vielleicht nicht zum Brexit gekommen.

      5. Hallo Peggy,
        nein, die amerikanische Staatsbürgerschaft habe ich nicht. Und werde sie wohl auch nicht beantragen. Ich kann nämlich meine deutsche Staatsbürgerschaft nicht aufgeben, denn sonst verliere ich als ehemaliger Beamter [des Landes Nordrhein-Westfalen] meine Pensionsansprüche. Ich könnte zwar auch die deutsche behalten, denn die doppelte Staatsbürgerschaft ist hüben wie drüben erlaubt, aber im Gegensatz zu einer Kommentatorin hier sehe ich das bei Weitem nicht so locker. Ich bin der Meinung, dass ich nicht zwei Herren gleichzeitig dienen kann. Ich könnte nicht, als deutscher Staatsbürger, den USA meine unbedingte Loyalität schwören. Ich bin da vielleicht altmodisch, aber so bin ich nun einmal gestrickt. Der einzige Vorteil, den die amerikanischen Staatsbürgerschaft mit sich brächte, wäre natürlich der, hier wählen zu dürfen. Darauf muss ich dann eben verzichten. Und ich muss hoffen, dass sich auch so im Herbst genügend Vernünftige an den Wahlen beteiligen.
        Eine schöne Woche wünsche ich, und viel Spaß bei den Urlaubsvorbereitungen,
        Pit

      6. Ja, Pit, da geht’s Dir wie mir. Auch für mich wäre das eine Entscheidung, die ich mir sehr gründlich überlegen würde. Aber der Brexit hat mir trotzdem zu denken gegeben, ob ich nicht doch vielleicht ein Teil der Verantwortung mittrage, weil ich mich aus der Verantwortung gezogen habe. Eigentlich wollte ich es ja noch nicht ausplaudern, aber da wir zur Zeit alle etwas Aufmunterung brauchen: die Planungen für die Fortsetzung der Eisenbahntour entlang Englands Küste läuft schon auf Hochtouren. Ich glaube, ich habe wieder ein paar sehr nette Ausflugsziele aufgetan. Liebe Grüße und gute Nacht für heute, Peggy

      7. P.S. zu Temperaturen: mittlerweile ist hier den ganz normale südtexanische Sommer eingekehrt, d.h. wir haben für die nächsten drei Monate fast immer Temperaturen von über 30, meistens über 35, und ab und zu auch über 40 Grad zu erwarten. Zum Glück ist hier in Texas Hill Country die Luftfeuchtigkeit aber nicht so hoch wie früher weiter im Süden in Karnes City.

      8. Da stimme ich zu, liebe Susanne. Protestwahlen sind nie gut. Wir haben hier in den USA ja das beste Beispiel mit den republikanischen Vorwahlen. Hoffentlich nicht auch noch bei den Praesidentschaftswahlen!

      9. Hallo Pit, natürlich hast du recht. Noch haben die Britten auch nicht offiziel den EU-Vertrag gekündigt. Vielleicht ist alles viel heize Luft um nichts? Wir werden es sehen. Aber eines ist es sicher: eine Lehre für uns alle.
        Liebe Grüße ins ferne Texas von Susanne

      10. Hallo Susanne,
        leider fangen jetz hier in Texas die Sezessionsten auch schon wieder an zu spinnen.
        Hab’ eine fein Woche,
        Pit

  7. Unglaublich, wie solche Nachrichten vom “Bregret” mich manchmal daran zweifeln lassen, ob Demokratie ein Konzept ist, das man bedenkenlos in den Händen von emotionalen, egoistischen und mitunter einfach dummen Menschen lassen sollte! Leute dachten, ach was, ich stimme mal für Leave, da fühle ich mich powerful und unabhängig, meine Stimme wird eh keinen Unterschied machen, wir bleiben ohnehin in der EU. Und jetzt überrascht sind, dass es negative Konsequenzen gibt! Wie meine Kinder, die genau wissen, dass sie höchstwahrscheinlich in Schwierigkeiten geraten, und trotzdem Unfug anstellen! Nur dass die noch nicht wählen dürfen.

    Da hinein passt die Info, dass plötzlich – NACH der Wahl! – haufenweise Briten bei Google nachfragten, was die EU eigentlich ist, und was die Folgen eines Leave-Votums wären. Ja geht’s noch??!! Also alles was jetzt kommt, haben die Leaver sich damit redlich verdient. Inklusive der Schimpfe von Seiten der Remainer.

    1. Die Google-Anfragen waren m.W. vor dem Referendum. Zwar relativ kurz, aber eben doch vorher. Dass sie erst nachher gewesen seien beruht auf einer Unkenntnis über die lokale Zeit der Google-Server. Das schließt aber dennoch nicht aus, dass auf einmal auch Brexit-Befürworter kalte Füße bekommen haben.

    2. Unglaublich, wie solche Nachrichten vom “Bregret” mich manchmal daran zweifeln lassen, ob Demokratie ein Konzept ist, das man bedenkenlos in den Händen von emotionalen, egoistischen und mitunter einfach dummen Menschen lassen sollte!

      – Lass mich raten: Das sind die, die nicht deiner Meinung sind? Die andere Interessen haben?

      Da spricht eine wahre Demokratin…nicht.

      1. Bei dem Gekreische wird man ja ganz taub, liebe Nomadenseele. Ich finde es ja mutig, dass Du Deine Meinung sagst, auch wenn sie anders ist, als die der meisten in dieser Blog Community, zumal ich es wichtig finde, dass wir einen stärkeren Dialog zwischen den unterschiedlichen Meinungslagern aufbauen. Einige Deiner Argumente, die Du in den zahlreichen Kommentaren anbringst, sind in der Tat nicht von der Hand zu weisen und ich werde zu gegebener Zeit darauf antworten. Ich bitte Dich jedoch, bei Deinen Kommentaren zivilisiert zu bleiben, Dich nicht immer gleich persönlich angegriffen zu fühlen und vor allem, bevor Du antwortest, erst einmal zu prüfen, worum es überhaupt ging.
        Worauf Sandra anspielt, ist, dass viele “Leave”-Wähler nach der Bekanntgabe des Ergebnisses in ihren Wahlbüros angerufen haben, um zu fragen, ob sie ihre Meinung noch ändern können. Diese Menschen wollten einfach nur Protest wählen und haben nicht damit gerechnet, dass ihre Stimmen tatsächlich zum Brexit führen. Andere sagen, dass ihnen die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Brexit nicht bewusst waren. Man kann der Remain- Kampagne sicherlich vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie nicht vor den wirtschaftlichen Folgen gewarnt haben. Schau Dir am besten die Interviews mal an, die Du unter dem ersten Link zum Bregret findest. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass jede Demokratie immer nur so gut ist wie ihre Wähler.
        So, jetzt muss ich aber eine Fußball-Grillparty vorbereiten, denn um fünf Heute spielt Deutschland. Ich wünsche Dir noch einen geruhsamen Sonntag.

      2. Dann halten wir beide gleich mal die Daumen! Gluecklicherweise kann ich das Spiel auch hier live sehen. Grillparty gibt’s zwar nicht, aber das macht ja nix.
        Noch einen schoenen Sonntagnachmittag,
        Pit

      3. Nein, das sind die, die auf populistische Propaganda hereinfallen (die Juden sind schuld, die Muslims sind alle Terroristen und die Immigranten nehmen dir den Job weg) und dann hinterher jammern.

        Ich hab ja nicht gesagt, dass ich eine bessere Lösung habe als Demokratie (nein, ich möchte nicht das Feudalsystem zurück, vielen Dank), aber manchmal zweifle ich halt an der Menschheit. Vielleicht sollte man in der Schule das Fach “Selber denken” einführen oder so. Nur eine Idee…

  8. Was hältst du von der Petition, das Referendum zu wiederholen? Ich muss sagen, dass ich mich gerade ein bisschen daran klammere…
    Ich habe auf Twitter auch gelesen, dass durch den Börsenabsturz am Freitag mehr Geld verloren gegangen ist, als die Briten jemals in die EU einzahlen müssten,…

    1. Mittlerweile wird die Petition auf Betrugsversuche untersucht. Nächste Woche soll entschieden werden, ob sie debattiert wird. Aber auch wenn es theoretisch möglich ist, halte ich es für unwahrscheinlich, dass es ein zweites Referendum gibt. Aber wer weiß, momentan scheint niemand in Westminster einen Plan zu haben, grundsätzlich ist also alles möglich. Allerdings darf man nicht übersehen, dass viele aus voller Überzeugung für Leave gestimmt haben. Diese Leute kann man meiner Meinung auch nicht einfach übergehen. Die größte Chance besteht nun wohl in der Verhandlung akzeptabler Konditionen für den Austritt. Aber warten wir ab, noch scheint hier vieles im Fluss.

      1. Das wäre natürlich fatal. Andererseits stellt sich ja jetzt heraus, dass es wahrscheinlich gar keine “echte” Mehrheit für den Brexit gibt, wenn man die ganzen bereuenden Protest- und Nichtwähler berücksichtigt. Mal sehen, was sich nach dem ganzen Chaos ergibt.

  9. Liebe Peggy, da denke ich heute darüber nach, wie es dir mir dem Brexit geht und besuche gerade endlich deinen Blog, da hast du schon längst darüber geschrieben 👍😀
    Bei all den echten und selbsternannten Experten, freue ich mich, deine Sicht der Dinge zu lesen und warte schon gespannt auf die Fortsetzung.

    Viele liebe Grüße aus Do, Annette 😀

    1. Danke, liebe Annette. Ich muss mal schauen, wie häufig ich über neue Entwicklungen schreiben kann. In zwei Wochen fahre ich in den Urlaub und da gibt es noch einiges vorzubereiten, dass meine Kunden in der Zeit meiner Abwesenheit nicht auf dem Trockenen sitzen. Liebe Grüße, Peggy

      1. Liebe Peggy, mach dir bitte keinen Stress und genieße deinen Urlaub 🙂 Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Das läuft uns nicht weg. Viele liebe Grüße und bis bald, Annette

    1. Nein, hatte ich noch nicht. Klasse! Wir sind heute Brexit-Verweigerer und schauen lieber, was in Wimbledon gelaufen ist. Ich glaube, wir entwickeln langsam eine stiff upper lip 🙂

  10. Liebe Peggy, da ich erst in den letzten Tagen kapiert habe, dass du deinen Blog doch weitergefuehrt hast, habe ich nun begonnen deinen hochspannenden Brexit Beitrag mit Kommentaren nachzulesen. Wie du vielleicht weisst, haben wir in der Schweiz eine Initiative gegen die Masseneinwanderung angenommen, die jetzt von unserem Parlament mehr kalt als lauwarm umgesetzt werden will. Ich denke die EU ist nicht verhandlungswillig in Sachen Personenfreizuegigkeit wegen des Brexit!! Vielen Dank für deine Informationen💐

    1. Liebe Martina, ja, ich führe den Blog selbstverständlich weiter, aber der Fokus wird sich ändern. Was das genau bedeutet, weiß ich selbst noch nicht. Hier bringt Zeit sicherlich Rat. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass der Brexit einen großen Einfluss auf die Verhandlungen mit der Schweiz hat. Betrachte die Situation mal aus der Perspektive der EU. Der freie Personenverkehr ist einer ihrer Grundwerte. Sobald sie mit dem ersten Land beginnt, darüber zu verhandeln, wollen alle einen eigenen Deal. Und jeder will dann natürlich das Beste für sich rausschlagen. Das wäre das Ende der Gemeinschaft. Liebe Grüße und frohe Weihnachten, Peggy

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