Children at the London Science Museum

Kleiner Entdecker im Science Museum

Ich muss gestehen, Physik und Chemie gehörten in der Schule nicht zu meinen Lieblingsfächern. Der Unterricht war einfach zu trocken und abstrakt. Deshalb wäre ich vermutlich ohne den Kleinen Entdecker nie ins Science Museum gegangen. Gut, dass ich ihn habe, denn sonst wäre mir wahrlich etwas entgangen.

Rob's Open Source Android (ROSA)
Hi ROSA! ROSA steht für Rob’s Open Source Android. Der Roboter interagiert mit den Besuchern des Science Museums.

Vor kurzem waren wir in der Sonderausstellung „Robots“, die dort bis zum 3. September 2017 läuft. Kleiner Entdecker interessiert sich sehr für Roboter, aber auch mich hat die Mischung aus Geschichte, Technik und Philosophie angesprochen.

Beautiful Tudor Clock
Das Zeitalter der Automatisierung begann mit der Entwicklung von Uhrenmechanismen.

Hättet Ihr gedacht, dass die Idee, automatische Menschen, oder nennen wir sie besser Figuren, zu entwickeln, schon rund 500 Jahre alt ist? Uhrenmechanismen wurden beispielsweise dazu verwendet, um biblische Figuren zum Leben zu erwecken. Hierbei handelte es sich natürlich noch um ganz einfache Mechanismen. Aber die industrielle Revolution führte zu immer ausgeklügelteren Geräten und Maschinen, die vor allem den Menschen in der Produktion ersetzten. Damals wie heute nahmen die Menschen diese neuen Entwicklungen nicht nur enthusiastisch auf, sondern fragten sich, wo das alles hinführen soll.

Machines in the industrial revolution were the next step to the development of #Robots
Vorläufer der Roboter: Ein maschineller Webstuhl aus der Zeit der industriellen Revolution.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Entwicklung moderner Roboter und künstlicher Intelligenz. Kleiner Entdecker vernarrte sich sofort in den kleinen Roboterhund, der als Haustier für demenzkranke Menschen entwickelt wurde und mit dem er eine Weile unter Anleitung spielen durfte. Letzte Woche habe ich auf Instagram, Twitter, Facebook und Google+ einige weitere Roboter vorgestellt. #Robots ist nicht nur eine Ausstellung für Technikfreaks. Neben den zweifelsohne faszinierenden technischen Möglichkeiten werden bei jedem Modell auch die zum Teil philosophischen Fragen aufgeworfen, mit denen wir uns angesichts künstlicher Intelligenz auseinandersetzen müssen, zum Beispiel: Würdet Ihr Eure Kinder von einem Roboter erziehen lassen? Noch imminenter ist die Frage hinsichtlich der Betreuung pflegebedürftiger Eltern. In Japan gibt es bereits zahlreiche Projekte, die Pflegeroboter testweise bei Patienten einsetzen.

A dogbot pet for people with dementia
Ein Roboterhund als Haustier für demenzkranke Menschen.

Über die Sonderausstellung hinaus hat das Science Museum natürlich noch sehr viel mehr zu bieten. Da die meisten Dauerausstellungen kostenlos sind, gehört es zu den Museen, die wir in regelmäßigen Abständen immer wieder mal aufsuchen seit der Kleine Entdecker laufen kann. Das Museum ist so riesig und die Themenvielfalt so groß, dass wir bislang noch gar nicht alles besichtigt haben. Meine Erfahrung ist, dass es mit kleinen Kindern sinnvoll ist, nur ein oder zwei Ausstellungen zu besuchen, und in diesen mehr Zeit zu verbringen, um alles auszuprobieren. Und natürlich gibt es mittlerweile einige Lieblingsstellen, die wir immer wieder aufsuchen müssen.

Energy Hall in the London Science Museum
Blickfang in der Energy Hall

Im Erdgeschoss geht es vor allem um die Geschichte des technischen Fortschritts von der Dampfmaschine über die erste Eisenbahn bis zu Flugzeugen.

Old plane in the London Science Museum
Da England Vorreiter der industriellen Revolution war, gibt es im Science Museum einige sehr beeindruckende und geschichtsträchtige Exponate.

Es gibt einen gesonderten Raum, der sich mit der Geschichte der Raumfahrt beschäftigt.

Face to face with an astronaut - meeting Neil Armstrong
Mondlandung hautnah

Spannend ist auch die Ausstellung „Challenge of Materials“. Einige Themen werde ich in Zukunft in meinen wöchentlichen Bildergeschichten auf den Social Media näher vorstellen. Auf Facebook habe ich ein eigenes Album für das Science Museum eingerichtet.

How the molecular structure influences the characteristics of a material
Chemie zum Anfassen: Wie wirkt sich die Molekularstruktur eines Stoffes auf seine Eigenschaften aus?

Ganz besonders gefallen dem Kleinen Entdecker und mir die Hands-On-Galerien. Die meisten Dauerausstellungen sind ohnehin sehr interaktiv. Aber bei den Hands-On-Galerien ziehen die Kuratoren wirklich alle Register. Im Kellergeschoss können Kinder bis fünf Jahre im „Garden“ mit einem riesigen Wasserspiel, Bausteinen und Klanginstallationen experimentieren. Leider habe ich keine Fotos mehr von unseren Besuchen dort gefunden. „The Pattern Pod“ richtet sich an Kinder von drei bis acht Jahren. Hier geht es um Muster in Natur und Technik. Wie laufen Tiere und welche Abdrücke hinterlassen sie? Wie sind Stoffe aufgebaut? Die Kinder können an einem Computer symmetrische Bilder malen, finden heraus, wie sich Wellen im Wasser verbreiten und können ihr eigenes Klangmuster tanzen. Genial! (Auf die Galerie klicken, um die einzelnen Fotos vergrößert anzuschauen.)

Die letzte Galerie, die ich heute vorstellen möchte, ist „Who Am I?“, in der große und kleine Besucher mehr über die verschiedenen Facetten, die uns Menschen ausmachen, lernen. Im Zentrum steht ein Tisch, an dem jeder, der möchte, ein eigenes Profil anhand von Fragen nach Alter, Geschlecht, Sprache und verschiedenen Charaktereigenschaften und Vorlieben erstellen kann, das anschließend anonymisiert im Blutkörperchen-Look auf einer großen Leinwand erscheint. Um den zentralen Tisch herum stehen Glaskästen, in denen man sich über verschiedene Aspekte informieren kann, wie zum Beispiel: Wo kommen wir her? Warum sehen wir so aus, wie wir aussehen? Warum werden wir älter? Außen um die Glaskästen stehen interaktive Pods, an denen Besucher sich spielerisch den unterschiedlichsten Themen nähern können. Die meisten Spiele sind so konzipiert, dass alle von 6 bis 106 Spaß haben und vielleicht sogar das eine oder andere Neue dazulernen.

Das Science Museum befindet sich in South Kensington und ist von der gleichnamigen Tube Station zu Fuß erreichbar. Es gibt mehrere Cafés und Restaurants, sodass man hier bequem den ganzen Tag verbringen kann. Neben den kostenlosen Dauerausstellungen gibt es ein IMAX-Kino. Hier haben wir zum Beispiel „A Beautiful Planet“ in 3D gesehen, ein toller Dokumentarfilm über die Erde, der in der International Space Station gedreht wurde und von Jennifer Lawrence erzählt wird. Es gibt aber auch viele andere interessante Filme. Am besten gleich bei der Ankunft über die verschiedenen Zeiten informieren. Noch relativ neu ist das Wonderlab, eine kostenpflichtige Galerie, die wir bislang noch nicht getestet haben. Und dann gibt es natürlich immer wieder interessante Sonderausstellungen. Auch hier empfiehlt es sich, gleich zu Beginn Karten zu kaufen oder online vorzubestellen.

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20 thoughts on “Kleiner Entdecker im Science Museum

  1. Was für ein interessanter und toller Beitrag! Vielen Dank dafür! Das weckt den Entdecker in mir. 😊 Beim nächsten England-Besuch wird das Museum angesteuert.
    Herzliche Grüße

  2. Ich habe es – sehr zu dem Leidwesen meines Mannes – auch überhaupt nicht mit den Naturwissenschaften, wahrscheinlich aus den ähnlichen Schulgründen wie Du. Aber so, wie Du hier diese Ausstellung beschreibst – und sie auch bebilderst – hätte ich ganz große Lust, sie mir auch anzuschauen. Und aus gegebenem Anlass interessiert mich natürlich der Hunderoboter ganz besonders. Ich habe da immer dieser roboterhaft anmutenden weißen Plastiktiere im Kopf. Dieser hier auf dem Bild sieht ja aber schon sehr hundemäßig aus – natürlich mit großen Baby-Welpenaugen, aber auch ein bisschen kuschelig. Das finde ich einerseits ganz spannend, andererseits aber auch ein Stück traurig, wenn denn ein Roboter der Begleiter im Alter werden soll.
    Aber insgesamt ein wirklich toller Beitrag über diese Ausstellung. Also auf ins Museum! Und wie gut, dass es den Kleinen Entdecker gibt, der Dich zur Erkundung mitgenommen hat.
    Viele Grüße, Claudia

    1. Liebe Claudia, mit dem Roboterhund geht es mir ähnlich wie Dir. Ich bin ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob die Menschen, nur weil sie Demenz haben, nicht merken, dass es sich hier nicht um ein Lebewesen handelt. Er sieht wirklich putzig aus und macht einige Bewegungen ähnlich wie sie ein richtiger Hund macht. Aber ich hätte sofort erkannt, dass es nur eine Art Spielzeug ist. Ich habe mich mit der Frau dort darüber unterhalten, weil wir viel Zeit hatten. Der Kleine Entdecker war kaum wegzukriegen. Sie meinte, in Studien mit Menschen, bei denen die Demenz sehr weit fortgeschritten war, wurde der Hund sehr positiv aufgenommen, einerseits weil diese Menschen nicht mehr für ein Tier sorgen können und andererseits weil er nicht wegläuft. Aber ein Ersatz für echte Menschen kann er und darf er meiner Meinung nicht sein. Das empfinde ich auch so bei den Pflegerobotern. Ich glaube, es gibt viele Aufgaben, die so ein Roboter übernehmen und damit die Arbeit des Pflegepersonals erleichtern kann. Aber er ersetzt keine sozialen Kontakte. Ich finde, sie sollten in dt Pflege nicht zum Geld sparen eingesetzt werden, sondern um den Familienangehörigen oder Pflegern mehr Zeit für Unterhaltung, gemeinsame Spiele oder ähnliches einzuräumen. Das hat mir übrigens gut an der Ausstellung gefallen, dass sie mich dazu veranlasst hat, über solche Dinge nachzudenken. Denn Roboter und künstliche Intelligenz werden definitiv eine zunehmende Rolle in unserem Leben spielen.
      Herzliche Grüße, Peggy

      1. Und eigentlich finde ich es auch immer geradzu bestürzend, wenn versucht wird, den älteren Menschen, den dementen Menschen, VORZUMACHEN, dass ein Hund sich für sie interessiert – obwohl das nur ein Roboter ist. Warum kein richtiger Hund? – Aber, nun mit einem Grinsen geschrieben, für Kinderzimmer könnte der Roboterhund sich ja auch eignen. Das wäre doch ein großer neuer Markt ;).
        Einen schönen Start in die neue Woche, Claudia

      2. Die Frage habe ich natürlich sofort bekommen. “Wenn ich schon keinen richtigen Hund haben darf, …” 😀 Ich wünsche Dir auch einen schönen Start in die neue Woche.

    1. Ja, das fällt hier unter den staatlichen Bildungsauftrag. Insbesondere bei Kindern soll das Interesse an Naturwissenschaften geweckt werden und jeder soll Zugang dazu haben unabhängig von Einkommens- und Vermögenssituation. Dieser Gedanke ist tief in der Gesellschaft verwurzelt. Deshalb gab es einen großen Aufschrei, als das Wonderlab letztes Jahr eröffnet wurde und Eintritt kosten sollte.

  3. Das klingt wirklich sehr spannend und inspirierend zugleich! Nein, ich hätte nicht gedacht, dass die Idee automatische Figuren (Roboter) herzustellen schon so lange existiert und Pläne verfolgt werden!
    Peggy, die einzelnen von dir erwähnten Abteilungen locken schon mächtig. Ich stelle immer fest, wenn etwas gut für Kinder gemacht (entwickelt, konstruiert, erklärt) ist, dann habe ich selbst auch enormen Spaß daran. Ich weiß nicht, ob das heißt, dass es für mich stets alles relativ einfach gestrickt sein muss, oder ob es generell darum geht, dass Dinge, die unkompliziert, dabei aber sehr anschaulich und plastisch vermittelt werden und bei denen man “mitfingern” darf, einfach anziehender sind und den Zugang erleichtern. Auch offen machen für neue oder früher weniger geliebte Themen.

    Freut mich, dass es auch deinem kleinen Entdecker immer wieder so gut gefällt in diesem Museum!

    Liebe Grüße aus Hamburg!
    Michèle

    1. Weißt Du, Michele, ich habe schon oft festgestellt, jemand, der sein Fach richtig gut verstanden hat, kann es auch leicht erklären. Den Naturwissenschaften, insbesondere Physik und Chemie, hängt immer noch etwas Angsteinflössendes an, weil viele damit schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht haben. Ich glaube aber, hier hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Zumindest hoffe ich das. Schließlich sind Naturwissenschaften wichtig, wir brauchen sie, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, und wenn sie gut vermittelt werden wie hier im Science Museum wecken sie die Neugier und machen Spaß. Ich habe dadurch erst mein Interesse daran entdeckt. Und wenn man sich im Museum umschaut, überwiegen die erwachsenen Besucher, denen es genauso geht wie uns beiden 😀 Liebe Grüße aus Greenwich, wo sich gerade ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke kämpfen.

  4. Tolles Museum. Bei uns gibt es das Odysseum in Köln, das ist ähnlich. Dort bin ich mit den kids immer gerne gewesen! Fand ich auch als Erwachsene superspannend!

  5. Mir geht es wie dir, Peggy: Chemie und Physik gehörten – leider – nicht zu meinen favorites in der Schule. Du hast den Kleinen Entdecker, der dich verführt, Lücken zu schließen. Wir haben dich – ein Glück! Danke für den wirklich sehr anregenden Bericht. Den Einsatz von Robotern in der Pflege, speziell im Umgang mit Demenzkranken, sehe ich mit mehr als nur gemischten Gefühlen. Gerade da kommt es m.E. auf Herzenswärme an. Liebe Grüße!

    1. Liebe Maren, es ist interessant zu beobachten, wie sich so ein Individuum entwickelt. Mein Mann und ich sind eigentlich beide nicht übermäßig technikbegeistert. Aber die Interessen des Kleinen Entdeckers gehen – zumindest zur Zeit – ganz stark in diese Richtung. Science gehört auch zu seinen Lieblingsfächern in der Schule. Bei den Pflegerobotern stimme ich Dir zu. Wie ich auch schon Claudia schrieb, gibt es sicherlich viele Tätigkeiten, mit denen sie die Pflegenden unterstützen können. Sie sollten aber nicht den Menschen als Betreuer und Pfleger ersetzen, sondern diesen mehr Zeit geben, um mit den Pflegebedürftigen schöne Dinge zu machen. Wenn ich mir allerdings anschaue, wohin die Entwicklung derzeit geht, habe ich meine Zweifel, ob nicht am Ende doch der Roboter aus Geldgründen den Menschen ersetzt. Ich fände das zutiefst verstörend. Herzliche Grüße, Peggy

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