A Tale of Two Cities oder Auswandern für Fortgeschrittene

Big Ben und Burj Al Arab

It is the best of times, it is the worst of times … *

Der Aufbruch in ein neues Land ist spannend, und die Abenteuerlustige in mir freut sich schon auf die vielen neuen Eindrücke, die man nur jenseits eines ein- oder zweiwöchigen Urlaubs gewinnt. Auswandern – zumindest in ein Nicht-EU-Land – ist aber auch ein Kraftakt, der mit bürokratischen Hürden gespickt ist und viel Geduld und Arbeit bedeutet.

Den Umzug von Berlin nach London habe ich damals mit meinen Eltern selbst organisiert. Wir haben für die Wochenendaktion, die der Umzug war, einen Transporter gemietet und einen Platz auf der Fähre gebucht. Dieses Mal ziehe ich jedoch nicht mit einem spartanischen Single-Haushalt über einen popeligen Kanal, sondern mit einer dreiköpfigen Familie auf einen anderen Kontinent. Das erfordert etwas mehr Vorbereitung, und deshalb ist es hier mal wieder etwas ruhiger.

Zurzeit verbringe ich meine Abende damit, allen Hausrat aufzulisten, der im Sommer nach Dubai verschifft werden soll. Die Umzugsfirma will schon jetzt, bevor ich mit dem Packen begonnen habe, ganz genau wissen, was wir alles mitnehmen. Womöglich befürchten sie, dass das Schiff bei der Überfahrt in Schieflage geraten könnte, wenn unser Container am Ende schwerer ist als geplant. Erschrocken habe ich dabei festgestellt, wie viele Dinge sich doch im Laufe der Jahre so ansammeln. Allein im Zimmer des Kleinen Entdeckers liegen so viele Lego Bausteine, dass ich kurz erwogen habe, daraus unser eigenes Containerschiff zu bauen, um unsere Habseligkeiten nach Dubai zu transportieren. Aufgrund von Zweifeln an der Seetüchtigkeit habe ich den Gedanken jedoch wieder verworfen.

Natürlich muss ich nicht nur wegen des Kleinen Entdeckers neue Umzugskisten bestellen. Auch die lieben Buch-Blogger, denen ich seit geraumer Zeit folge, haben mit ihren vielen neugierig machenden Rezensionen einen Anteil zu meiner Misere beigetragen. Und dann gibt es noch so elementare Fragen wie: Muss die Salatschleuder wirklich mit? und Wie viele Kuchenbackformen passen in eine Umzugskiste?

Bücher für den Umzug verpacken

Meine Schwiegereltern sind so lieb und stellen uns einen Kellerraum zur Verfügung, wo wir Dinge wie Ölradiator, Fußwärmer und Wärmflasche unterstellen können. Diese für ein viktorianisches Haus in London überlebenswichtigen Ausstattungsgegenstände benötigen wir im sonnigen Dubai ganz gewiss nicht. Dort finden auch die ausgelesenen Bücher Platz. Da wir noch nicht wissen, wie unsere zukünftige Wohnung aussieht (mein Mann wohnt zur Zeit in einem kleinen möblierten Appartement, und wir suchen uns erst etwas Neues, wenn der Mietvertrag im 4. Quartal ausläuft), haben wir beschlossen, nur ungelesene Bücher mitzunehmen – und einige ausgelesene, die mir so ans Herz gewachsen sind, dass ich ohne sie nicht leben will, und natürlich die Sachbücher, die ich ja benötige, um auch zukünftig interessante Blogposts zu schreiben, und … und … und. Ihr seht, meine Lage ist nicht ganz einfach. Bücherliebhaber, die schon einmal umgezogen sind, wissen, wie schwerwiegend diese Lebenseinstellung bisweilen sein kann.

*frei nach Charles Dickens’ “A Tale of Two Cities”

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35 thoughts on “A Tale of Two Cities oder Auswandern für Fortgeschrittene

  1. Stift und Schrift says:

    Ich glaube, es war angesichts der vielen Sachen, die mit sollen/müssen, die richtige Entscheidung, auf den Bau eines Containerschiffs aus Lego-Bausteinen zu verzichten 🙂 auch wenn Ihr diese Bausteine dann nicht extra verpacken müsstet. Ein Umzug, wie er Dir bevorsteht, ist ja wirklich eine aufwändige Sache. Da war ich vor einigen Monaten mit meinem Umzug vom Oberbergischen Kreis in den Rheinisch-Bergischen Kreis ja richtig gut dran, wie mir jetzt klar wird 🙂 Viel Glück!

    1. entdeckeengland says:

      Ach, Ingrid, ich glaube, Umziehen ist immer irgendwie eine traumatische Angelegenheit. Wie sagt man so schön: Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt. 😀 Bei unseren früheren Umzügen musste ich allerdings nicht so weit im Voraus planen, sondern habe einfach kurz vorher eingepackt. Und ich wusste bislang immer vorher, wie groß die neue Wohnung ist. Liebe Grüße aus Greenwich, Peggy

      1. SätzeundSchätze says:

        Traumatisch, aber es kann ja auch ganz befreiend sein, wenn man sich von überflüssigen Dingen (Ölradiatoren!!!) trennen muss? Ich ziehe allerdings selbst NIE mehr im Leben freiwillig um, wegen der vielen Bücher 🙂 Euch alles Gute! Birgit

  2. Emily J. says:

    Sehr sehr spannend, und alles Liebe für den Umzug!
    Nach einem Jahr Auslandsstudium ziehe ich jetzt mit ein paar Büchern und Winterjacken von Wales nach England…man sollte meinen, das wäre einfacher 😀

    Drücke die Daumen und lese gespannt mit!

  3. Maren Wulf says:

    Lachen musste ich, als ich mitten im Bild das Buch mit dem Titel “Messy” entdeckte. Ich glaube, das kannst du im Keller bei den Schwiegereltern lassen, liebe Peggy. Nach Chaos sehen deine Regale nun wirklich nicht aus. Viel Erfolg beim Sortieren!

    1. entdeckeengland says:

      Oh, das war mal wieder so ein Spontankauf. Das Buch ist von Tim Hartford. Er schreibt in der Financial Times eine Kolumne als Undercover Economist. In dem Buch geht es darum, wie man in einer so durchorganisierten Welt wie unserer kreativ bleibt. Es ist also wohl eher eine Anleitung, ein bisschen mehr messy zu sein. Liebe Grüße, Peggy

  4. Susanne Haun says:

    Liebe Peggy,
    ich mag deine Art zu schreiben sehr und freue mich über deine Artikel. Wie schon meinen “Vor-Kommentatorinnen” mag ich besonders die Vorstellung vom Lego-Containerschiff.
    Wisst ihr schon, wie lange ihr in Dubai bleiben werdet? Sicher ist es auch davon abhängig, was du alles mitnimmst.
    So eine Zwischenlagerung ist auch nicht ohne, was machst du, wenn du nach Jahren nicht mehr weisst, was in den Kisten ist? Entweder freust du dich, die Dinge wieder zu sehen oder sie gehen gleich den Weg alles irdischen?
    Weiter viel Erfolg bei der Planung eures Umzugs und einen schönen Sonntag sendet dir aus dem nebeligen Berlin,
    Susanen

    1. entdeckeengland says:

      Herzlichen Dank, liebe Susanne! Da mein Mann einen lokalen unbefristeten Vertrag hat, gibt es kein festgelegtes Zeitfenster. Aber innerlich gehen wir davon aus, dass es wahrscheinlich nur ein paar Jahre sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Dubai alt werden wollen. Aber letztlich muss man einfach schauen, wie sich alles entwickelt. Deshalb werden wir schon das meiste mitnehmen. Da wir allerdings die Einbauregale, die hier in den englischen Häusern üblich sind, nicht mitnehmen können, müssen wir uns büchertechnisch darauf beschränken, was in unsere Billy-Regale passt. An der einen oder anderen Stelle ist es, wie Birgit ja auch schon erwähnt hat, befreiend, mal durch sein Hab und Gut zu gehen und Dinge auszusortieren. Neben den Büchern ist noch unser Bastelschrank problematisch. Ich mache mit meinem Sohn gerne Creative Recycling. Da ist es schön, immer mal ein bisschen Krimskrams zu haben. Aber alte Toilettenpapierrollen und Joghurtbecher gibt’s ja auch in Dubai 😀

      1. Susanne Haun says:

        Liebe Peggy, ich kann mir gut vorstellen, dass ihr nicht in Dubai alt werden wollt. Es ist eine so ganz andere Lebensmentalität und wenn es nicht sein muss, dann würde ich mich da auch nicht anpassen möchten.
        Du hast recht, es ist befreiend, sich von Dingen zu trennen. Ich habe das durch einen Umzug in meine damalige viel kleinere Wohnung vor 10 Jahren schon hinter mir. Jetzt könnte ich auch mal wieder sortieren, Schrank für Schrank. Durch den Tod meiner Mutter sind meine Schränke jedoch eher voller statt leerer geworden.
        Ich habe mich über die alten Jogurthbecher amüsiert und mir vorgestellt, was die wohl am Zoll zu einem Koffer Krimkrams sagen würden 🙂
        Ich wünsche dir einen schönen Tag, liebe Grüße und weiter viel Erfolg beim Umzug planen, Susanne

    2. Janet says:

      Wie ich meine liebe Peggy kenne, werden alle Bücher katalogisiert, die ins Zwischenlager kommen, so dass nie vergessen wird, wo welches Buch gelandet ist. 🙂

      Peggy: Ich würde Dir ja helfen, aber meine Arme reichen nicht bis nach London 😦

      Dicke Umarmung aus Falkensee 😉
      Janet

      1. entdeckeengland says:

        Da plaudert eine aus dem Nähkästchen 😀 Ja, ich gebe zu, genauso habe ich es mir vorgenommen. Deshalb brauche ich ja auch das “Messy” Buch, damit ich mal ein bisschen Chaos lerne 😂
        Wir kommen dann im Sommer nochmal zum Couch-Surfing 😘

  5. Petra Wiemann says:

    So ein Umzug hat immer etwas Befreiendes – all die unnützen Dinge, die sich angehäuft haben, Fehlkäufe, Bücher, die ich nach 12 Jahren im Regal immer noch nicht lesen mochte … Ich habe es immer sehr genossen, den Ballast loszuwerden. Aber ein Umzug in eine andere Klimazone ist sicher eine besondere Herausforderung! Braucht Ihr warme Pullover für die nächtlichen Ausflüge in die Wüste? Einen Regenschirm – als Schutz gegen die Sonne? Ich bin schon gespannt, was du über das Leben in Dubai berichten wirst und wünsche dir und deiner Familie erstmal viel Erfolg bei der Wohnungssuche! Möge der Platz für die Billy-Regale reichen 😉

    1. entdeckeengland says:

      Danke, liebe Petra! Ja, ich habe auch schon einige Bücher aussortiert, die ich hier zum Charity- Shop gebe. Und beim Durchschauen kommen einem ja immer Dinge in die Hände, die man nie oder schon ewig nicht benutzt hat, die man aber nicht wegwirft, solange der Platz dafür da ist. Wir werden sicherlich einen kleinen Bestand Wintersachen mitnehmen. Wenn wir zum Beispiel über Weihnachten nach Deutschland kommen, wollen wir uns ja nicht gleich am Flughafen einen Schnupfen holen. Aber wir werden sicherlich auch einiges einfach bei unseren Eltern lassen, wo wir uns dann ja hauptsächlich aufhalten. Das mit dem Regenschirm ist übrigens ein guter Punkt – das habe ich bei unseren letzten Besuchen ganz oft gesehen 😀

  6. Wolfgang Schnier says:

    Umziehen mit Büchern ist undankbar. Aber ich warne davor, zuviel auszusortieren. Man braucht bekanntermaßen immer genau die Bücher, die man nicht mitgenommen hat (alte Nomadenweisheit).

  7. Martina Ramsauer says:

    Liebe Peggy, so ein bisschen kann auch ich mit dir fühlen, denn ich habe es diesen Frühling geschafft, die vielen, vielen Sachen meiner Tochter, darunter auch jede Menge Lego, einer gemeinnützigen Organisation zu verschenken, was auch schmerzhaft war! Es kommt einfach manchmal ein Zeitpunkt im Leben, wo man loslassen muss. Weiterhin alles Gute und lieben Gruss Martina

    1. entdeckeengland says:

      Ich danke Dir für die ermutigenden Worte, Martina. Entschuldige bitte, dass ich so spät antworte, aber ein gebrochener Finger hat meine Zeitplanung in den letzten Wochen durcheinandergebracht, sodass keine Zeit zum Bloggen blieb. Liebe Grüße, Peggy

  8. buchpost says:

    Hallo Peggy, jedenfalls bin ich schon mal sehr froh, dass ihr in eurem neuen Lebensabschnitt auch Internet habt. Mir würde was fehlen ohne deine Beiträge. Ja, und natürlich das selbstgebaute Containerschiff, wäre bestimmt auch schön bunt 🙂 Humor ist extrem wichtig. Mein hoffentlich letzter Umzug war so schlimm, dass ich mir wirklich vorgenommen hatte, nieniewirklichniewieder Bücher zu kaufen. Ohne Bücher wäre so ein Umzug der reinste Spaziergang gewesen. Also Hut ab und ein gutes Händchen beim Aussortieren, das bestimmt auch seine befreienden und entlastenden Momente hat. Euch alles, alles Gute für die weitere Vorbereitungszeit. LG, Anna

    1. entdeckeengland says:

      Danke, liebe Anna und entschuldige die späte Antwort. Wie Du meinem neuen Post entnehmen kannst, war ich in den letzten Wochen etwas eingeschränkt. Liebe Grüße noch aus Greenwich, Peggy

  9. juergen61 says:

    🙂 Lego ist seetüchtig, du musst nur hoch genug bauen…im Ernst, ich bin 13 Mal umgezogen und jeder Umzug ist so als verlasse man sein bisheriges Leben und fängt nochmal von vorne an…ich drücke euch die Daumen für einen schadensfreien Umzug und der schwache Trost ist der Spruch meiner Oma : dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt …soviel zu den weisen Sprüchen der älteren Generation !
    Lieber Gruss, Jürgen

  10. Jens says:

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ein Umzug in ein fremdes Land ist immer mit viel Bürokratie verbunden. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lasse.
    Beste Grüße,
    Jens

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