Cast for a broken hand

Sand zwischen den Zähnen oder Kulturunterschiede aus der horizontalen Perspektive

Wer mit mir auf anderen Social Media Kanälen vernetzt ist, weiß, dass der Kleine Entdecker und ich vor einigen Wochen einen kleinen Unfall hatten. Auf dem Weg zur Schule ist das Vorderrad seines Rollers in einer Unebenheit des Fußwegs hängen geblieben. Der Kleine Entdecker flog direkt vor meine Füße und ich – Arme voller Taschen und Beutel – über ihn drüber. Die Strumpfhose blieb heil, aber ich brach mir den Mittelfinger der linken Hand. Es war glücklicherweise kein komplizierter Bruch. Der Gips ist mittlerweile ab und ich kann seit einigen Tagen sogar wieder mit links schreiben, wenn auch nicht sehr lange. Es wird sicherlich noch einige Wochen dauern bis die Hand wieder voll einsatzfähig ist. Diese erzwungene Neuentdeckung der Langsamkeit hat mir einen fetten Strich durch die Zeitplanung gemacht, weshalb es hier auch mal wieder besonders ruhig zugeht.

Wer mich persönlich und schon etwas länger kennt, weiß, dass ich mir die Bodenbeschaffenheit des Öfteren aus der Nähe anschaue. Auch in meinem zukünftigen Zuhause habe ich selbstverständlich schon meine Erfahrungen gemacht. Es war im Dezember, während unseres ersten Dubai-Aufenthalts. Wir liefen durch Al Fahidi, einen älteren Stadtteil, wo in den 1970ern die ersten Hochhäuser entstanden. Um mich zu orientieren, blickte ich auf den Stadtplan, anstatt auf den Weg vor mir zu schauen. Und da passierte es: Ich stolperte über eine aufgebrochene Wegplatte und schlug der Länge nach in ein Sandfeld, wo offenbar demnächst etwas Neues gebaut werden sollte. Der trockene, feinkörnige Sand drang in jede Gesichtsöffnung, knirschte zwischen meinen Zähnen und lag schwer auf meinen Wimpern.

Der Schreck, der mir in alle Glieder gefahren war, wurde bald von Verwunderung abgelöst. Wann immer ich in England einen Stunt hingelegt habe, hat das in aller Regel einen Riesentumult ausgelöst. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, wo so plötzlich all die Menschen herkamen, die versuchten, mir an allen vier Gliedern beim Aufstehen zu helfen. Auch nach über dreizehn Jahren war mir das zumeist peinlich. Aus Deutschland kannte ich solch eine überschäumende Hilfsbereitschaft nicht. Nach meinem Sturz in Dubai zupfte jedoch nur ein erschreckter Kleiner Entdecker an meinem Ärmel, „Mama, alles ok?“, während die Leute auf dem Gehweg in der Mittagshitze unbeteiligt an uns vorbeischlurften.

On crutches
Eine weitere Episode aus der Reihe “Grenzenlos sturzgefährdet”, hier: “Auf Krücken durch Kentucky und Tennessee” aus dem Jahr 2005. Die Amerikaner haben die Engländer in Sachen Hilfsbereitschaft noch übertroffen. Ich konnte an kaum keiner Kreuzung warten, ohne dass mir nicht jemand anbot, mir über die Straße zu helfen. Um so verstörender erschien es mir, dass die dort im Straßenbild zahlreichen Bettler zumeist unbeachtet blieben.
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40 thoughts on “Sand zwischen den Zähnen oder Kulturunterschiede aus der horizontalen Perspektive

  1. Und woher rührt der Gips an deinem r e c h t e n Arm, liebe Peggy? Sehr interessant, was du über die Reaktionen der Menschen in unterschiedlichen Ländern schreibst. Aber vor allem anderen: Gute Besserung!

    1. Im Spiegelbild ist der Gips einfach an den rechten Arm gehüpft 🙂

      Die Reaktionen der Menschen sind natürlich nur eine Momentaufnahme. Um mir ein umfassenderes Urteil zu bilden, müsste ich natürlich noch öfter hinfallen, am besten in unterschiedlichen Stadtteilen – aber hoffentlich mit weniger ernsten Folgen. Einhändig Haarewaschen macht wirklich keinen Spaß 🙂

      Liebe Grüße, Peggy

      1. Und ich Selfie-Fossil habe mich gefragt, warum du dich eigentlich selbst fotografierst, während dich jemand anderes fotografiert… Das mit dem öfter Hinfallen kannst du von mir aus gerne nachlassen. So interessant ich kulturelle Vergleichsstudien finde, scheint mir dein Wohlbefinden doch ein höheres Gut zu sein. 🙂

  2. Dear Peggy. I’ve been thinking about you and how it goes. After reading your post, I hope that you soon will get the opportunity to move to a more “comfortable climate”.
    Wish you all the best!!
    Love,
    Hanna.

  3. Wie hat mein Papa immer gesagt: Ungeschicktes Fleisch muss ab! Vielleicht haben die Dubaier ja nur zeitiger erkannt, dass Du aus Darwinistischer Sicht eigentlich schon längst in die Horizontale gehörst! 😀

    Aber im Ernst, mir ist diese Höflichkeit und Rücksichtnahme in England auch immer sehr positiv aufgefallen. Autofahrer, die aus einer Einfahrt kommen, werden reingelassen, im Park erkundigen sich die Leute nach deinem Befinden, und wenn man sich in London einen Stadtplan anschaut, wird einem sofort Hilfe bei der Wegfindung angeboten. Kulturelle Unterschiede indeed.

    Ich hoffe, Du bist bald wieder 100%, und vor allem hoffe ich, dass wir es schaffen, uns im August in Petershagen zu sehen! Ganz liebe Grüße aus der afrikanischen Hitze,

    Sandra

    1. 😂 Ja, Onkel Darwin habe ich schon öfter ein Schnippchen geschlagen! Das wäre natürlich schön, wenn es mit einem Treffen klappt. So langsam nehmen die Planungen Form an. Drei Kreuze, wenn alles gepackt und unterwegs ist…

  4. Liebe Peggy,
    diese Tendenz zum Hinfallen, Stolpern und Tolpatschigkeit habe ich auch, was mir schon einige Narben beschert hat, aber auch das Mitgefühl für leidgeprüfte Mitmenschen bereichert – ich weiß, wovon Du sprichst, auch wenn ich jetzt weniger internationale Erfahrungen damit habe.
    Vielleicht hing die Reaktion in Dubai auch mit gewissen Berührungsängsten zu Europäern zusammen? Oder weil Du eine Frau bist?
    Gleichwohl: Der kleine Beschützer war ja dabei!
    Ich sag einfach für die Zukunft: Toi, toi, toi!
    Liebe Grüße Birgit

    1. Ach, eine Leidensgenossin … Ja, Birgit, in Dubai ist es tabu, dass sich Männer und Frauen, die nicht verwandt sind, berühren, wobei das nach Aussagen einer Freundin, die viele lokale Leute kennt, unterschiedlich streng gelebt wird. Aber es kann definitiv ein Grund sein. Und es war ja auch ersichtlich, dass nichts Schlimmes passiert ist. Für mich war es nur ein sehr krasser Unterschied zu England, wo die Menschen eben extrem hilfsbereit sind, nach meiner Erfahrung auch sehr viel hilfsbereiter als in Deutschland. Liebe Grüße, Peggy

  5. Hallo Peggy, du machst ja Sachen. Hauptsache, es heilt alles gut ab und hinterlässt keine bleibenden Folgen 🙂 Liebe Grüße und weiterhin gute Genesung, Annette

  6. Gut, dass nicht mehr passiert ist! Und pass’ bitte besser auf Dich bzw. auf den Weg vor Dir auf. Wie soll ich jetzt sagen? “Peggy-guck-in-die-Luft”? Di weist ja, “wer den Schaden hat …”. 😉
    Mach’s gut, und liebe Gruesse,
    Pit

    1. Ja, Pit, das ist wohl ein passender Spitzname 😀 Solche Unfälle passieren immer dann, wenn ich nicht aufmerksam bin – soviel zu meinen Multi-Tasking-Fähigkeiten 😀 Liebe Grüße, Peggy

    1. Definitely! In Deutschland bekommt man möglicherweise auch noch genervte Blicke … Aber auch, wenn man natürlich vorsichtig sein sollte mit Generalisierung, in England sind die Menschen schon spürbar höflicher und hilfsbereiter.

  7. Peggy, gute Besserung weiterhin. Einhändig so das ein oder andere zu erledigen ist wahrlich nervtötend. Aber auch ich muss dich dringend bitten, demnächst ein wenig besser auf dich zu achten. Schon aus ganz egoistischen Gründen, deine Texte – auch dieser hier übers Hinfallen etc. – lesen sich einfach zu schön.
    Alles Gute, Anna

  8. Du machst Sachen, tzt. Gute Besserung dir. Eigentlich hätte ich dich ja gerne wieder in England, aber was habe ich schon zu wünschen.

    Euch alles Gute in Dubai und liebe Grüße

    Achim

    1. Ja, Achim, manchmal muss man das Leben nehmen wie es kommt. Ein Stück meines Herzens wird wohl immer in England bleiben. Liebe Grüße aus dem sommerlichen Greenwich, wo die Umzugsvorbereitungen mittlerweile auf Hochtouren laufen, Peggy

  9. Das war aber kein so schönes Erlebnis. So schnell kann’s passieren …
    Ich bin froh zu lesen, dass der Gips schon ab ist und der Bruch im Finger offensichtlich bereits gut heilt. Ich wünsche weiterhin gute Besserung, Peggy, und möglichst keine weiteren Vorkommnisse ähnlicher Art in näherer oder ferner Zukunft.

    LG Michèle

    1. Herzlichen Dank, Michele. Zum Glück sind die Gehwege in Dubai im Allgemeinen sehr viel besser als in England (Ausnahmen bestätigen die Regel), sodass ich zukünftig vielleicht weniger unfallanfällig werde. Liebe Grüße aus Greenwich, wo sich mittlerweile die Kartons stapeln, Peggy

  10. Liebe Peggy,
    auch von mir gute Besserung. Ich war in der letzten Woche in den internetschwachen Alpen und habe nur eine geringe Anzahl an Mails (wie auch deine) beantwortet!
    Liebe Grüße von Susanne

  11. Oh, dieses Hingefalle kenne ich leider auch von mir. Zum Glück nie was gebrochen, nur blutige Kniee wie als kleines Mädchen. Woher das nur kommen mag? Pass auf jeden Fall gut auf dich und deinen Weg auf! Liebe Grüße
    Petra

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