Oktober 2017: Lichtblicke

Halloweenfest in Dubai Riverland

Ganesha, der Zerstörer von Hindernissen, war uns nicht hold. Vielleicht liegt es daran, dass wir keine Hindus sind. Jedenfalls gingen die Reparaturen an der Wohnung, die wir uns ausgesucht hatten, nicht voran. Während unserer ersten Besichtigung wurde unter anderem gerade eine neue Küche eingebaut, was uns pingeligen Deutschen nach den bisherigen Erfahrungen sehr entgegenkam. Bei der nächsten Besichtigung, zu der wir eigentlich den Vertrag unterschreiben und den Scheck mit der Jahresmiete überreichen sollten, stellen wir fest, dass die neue Küche zwar eine Spüle mit Großküchenausmaßen hatte, aber keinen Wasserhahn.

Das Mieten einer Wohnung hier in Dubai ist zwar einerseits sehr standardisiert, aber es ist dennoch extrem bürokratisch, weil so viele Parteien involviert sind, die vor allem an der Transaktion verdienen, aber keine Verantwortung übernehmen wollen. Alle schicken sich unter einander E-Mails zu, aber davon wächst noch kein Wasserhahn aus der Wand. Irgendwann gaben wir entnervt auf und schauten uns nach etwas Anderem um. Aber, als läge ein Fluch über uns – oder ist das hier vielleicht die Normalität? – stand in der nächsten Wohnung zwar eine nagelneue Waschmaschine, jemand hatte jedoch vergessen, den Anschluss einzubauen. Die weiteren Details erspare ich Euch. Die guten Nachrichten sind: Wir haben mittlerweile eine Wohnung mit Wasserhähnen und Waschmaschinenanschluss gefunden. Leider liegt sie im 24. Stock, aber unsere Erfahrungen haben uns kompromissbereit gemacht. Morgen werden unsere Möbel ausgeliefert.

Arabic Coffee Jugs
Willkommenskultur: Im Amt, wo wir unsere neue Wohnung anmelden mussten, gab es zur Erfrischung starken Kaffee mit Kardamom.

Es gab auch einige weitere Lichtblicke in diesem Monat. Mit Bekannten, die Urlaub in Dubai gemacht haben, haben wir einen spontanen Abendausflug zur Sheikh Zayed Grand Mosque, über die ich hier schon einmal geschrieben habe, unternommen.

Wasser und Licht in der Sheikh Zayed Mosque
Sheikh Zayed Mosque bei Nacht

In einer multikulturellen Stadt wie Dubai gibt es immer irgendeinen Anlass zum Feiern. Am 19. Oktober war Diwali, das indische Fest des Lichts. Dafür sind wir zur Festival City Mall gefahren, um uns ein spektakuläres, musikuntermaltes Lichtspiel anzuschauen.

Diwali - das indische Fest des Lichts
Lichtshow zu Diwali

Selbstverständlich ist auch Halloween ein Großereignis, das hier über zwei Wochenenden gefeiert wird. Wir sind mit dem Kleinen Entdecker nach Riverland gefahren, eine Art Outdoor-Mall mit dem Charme einer Filmkulisse. Obwohl alles sehr aufwändig gestaltet war, war der Kleine Entdecker dennoch ein bisschen enttäuscht. Er kannte Halloween als Dorffest bei meinen Eltern, wo alle Kinder nach einem Fackelumzug das Dorf unsicher machen, an Häusern klingeln und Süßigkeiten sammeln. Aber das Freiluftkino, wo „Hotel Transylvania“ gezeigt wurde, hat ihn ein bisschen entschädigt.

Halloweenfest in Dubai Riverland
Riesenspinnen erorbern Dubai Riverland zu Halloween

Was sonst noch in Dubai passierte:

Am 1. Oktober begann in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein neues Zeitalter. Die Golfstaaten haben beschlossen, das Steuerparadies ein bisschen weniger paradiesisch zu gestalten. Am 1. Oktober 2017 wurde die sogenannte Sin Tax eingeführt: 50 Prozent Steuern auf Soft Drinks, 100 Prozent auf Energy Drinks und Zigaretten. Am 1. Januar 2018 folgt eine 5-prozentige Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen. Mit diesen Schritten wollen sich die Regierungen der Region vom Öleinkommen etwas unabhängiger machen. Bei der Sin Tax liegen die GCC-Staaten zumindest stark im Trend, wie die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Verhaltensökonom Richard Thaler zeigt. Aber noch bemerkenswerter finde ich, dass sich sechs souveräne Staaten (zum GCC gehören neben den VAE auch Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar) auf eine einheitliche Steuerpolitik einigen können, wenn ich die Diskussionen innerhalb der EU verfolge.

Gewürzstand in Dubai
Ein bisschen Orient-Gefühl in der modernen Stadt: Gewürzbasar in unserem Supermarkt

Ein Lichtblick der anderen Art versetzte die Bevölkerung in Dubai und Abu Dhabi am Abend des 16. Oktober in Aufregung. Manche fürchteten schon eine Attacke aus dem All. Aber es stellte sich heraus, dass es die Überbleibsel des russischen Raumfahrzeugs waren, das neue Vorräte zur Internationalen Raumstation gebracht hat und das anschließend planmäßig beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte.

Mein Satz des Monats:

„The only consistency is that there is no consistency“,

antwortete mir der Facility Manager, der für unsere neue Wohnung zuständig ist, als ich mich wunderte, ob es für jeden neuen Mieter so schwierig ist, endlich an Schlüssel und Zugangskarten zu kommen, weil die Unterlagen seitens des Vermieters nicht vollständig sind. Dieser Satz passt auch auf viele andere Lebensbereiche hier in Dubai. Geduld ist die Tugend der Glücklichen.

Mein Held des Monats ist ein Vater, der als einziger männlicher Freiwilliger beim Kuchenbasar mitgeholfen hat. Die Organisation von Schulveranstaltungen ist immer noch die Domäne der Mütter. Väter, die weiterhin in den meisten Familien die Hauptverdiener sind, haben für so etwas keine Zeit. Aber hej, ich arbeite auch und jongliere Beruf und Familie manchmal mehr schlecht als recht. Also, Ihr Väter der Welt, springt öfter mal über Euren Schatten, nutzt Eure flexible Arbeitszeit, die es ja heutzutage fast überall gibt, und seid Euren Töchtern und Söhnen ein gutes Vorbild in Sachen Gleichstellung. Wenn unsere Kinder sehen, dass eine aktive Teilnahme an solchen Ereignissen nicht minderwertig, weil unbezahlt, ist, wird die nächste Generation vielleicht die geschlechtsspezifische Rollenverteilung überwinden.

A huge variety of Cup Cakes
Eine bunte Mischung: Jedes Kind hat vier Cup Cakes mitgebracht, die auf dem Kuchenbasar verkauft wurden.
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24 thoughts on “Oktober 2017: Lichtblicke

  1. Bri says:

    Allerherzlichsten Glückwunsch zur Wohnung mit Waschmaschinenanschluss UND Wasserhahn – 24. Stock – sicher einer super Aussicht. Gut, dass ihr die Möbel nicht selbst transportieren musstet!! Und ja, nix is fix – ist ja schon lange mein Motto. LG und bis bald, Bri

    1. entdeckeengland says:

      Allerherzlichsten Dank! Ein schönes Motto: nix is fix. Muss ich mir merken 😀 Die Aussicht ist in der Tat ganz gut für Dubai-Verhältnisse. Während wir momentan -im 35. Stock – direkt auf ein Hochaus im Rohbau schauen, haben wir im neuen Haus freie Sicht und können sogar das Meer sehen. Der Lärmpegel auf dem Balkon liegt allerdings auch im für Dubai typischen Rahmen 😀

  2. ladyfromhamburg says:

    Freut mich, dass es nun doch nach langem Suchen mit einer Wohnung für euch geklappt hat, Peggy. Das war ja keine leichte Sache, etwas Geeignetes und dabei auch Funktionstüchtiges zu finden. Ich glaube, neben Geduld ist in “Neuland” auch eine nicht unerhebliches Quantum an Kompromissbereitschaft sehr nützlich und notwendig.
    Alles Gute im neuen Heim und schön, dass ihr nun eure Möbel wieder nutzen und somit auch mehr den eigenen Stil verbreiten und genießen könnt (plus mehr Platz vorhanden ist!).

    Interessant mit der Steuer, dieser Sin Tax. Und ich gebe dir recht, erstaunlich diese Einigkeit, wenn man gleichzeitig die Querelen innerhalb der EU um die Vereinheitlichung gerade Dinge dieser Art vor Augen hat.
    Nun bin ich gespannt, wie es in Dubai in den nächsten Wochen für euch weitergeht. Ich schaue natürlich wieder herein! ^^
    LG Michèle

    1. entdeckeengland says:

      Liebe Michele, entschuldige die späte Antwort. Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis die Techniker das Internet angeschlossen haben. Und kaum waren sie weg, ist es gleich wieder zusammengebrochen. Jetzt scheint es aber stabil zu laufen. Noch ist zwar nicht alles komplett aufgebaut, aber es ist wirklich ein ganz anderes Gefühl, auf dem eigenen Sofa zu sitzen und den Tee aus der eigenen Tasse zu trinken. Auch so elementare Küchengeräte, wie die Parmesan-Reibe und die Salatschleuder, vereinfachen das Leben ungemein 😀. Rosa-goldene MorgenGrüße aus dem 24. Stock, Peggy

  3. Maren Wulf says:

    Liebe Peggy, du gestattest, dass ich noch einen Satz des Monats beisteuere? 😉
    “God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
    Courage to change the things I can,
    And wisdom to know the difference.”
    Einen guten Start im neuen Heim wünsche ich!

    1. entdeckeengland says:

      Danke, liebe Maren, ja, diese Weisheit wünsche ich mir. Ich glaube, manchmal sind wir Deutschen einfach zu ungeduldig. Am Ende klappt schon alles irgendwie. Herzliche Grüße aus dem in der goldenen Morgensonne gebadeten Dubai, Peggy

  4. Pit says:

    Freut mich, liebe Peggy, dass Ihr nun eine “Komplett”wohnung habt. Deinen Bericht hier zu lesen war fuer mich sehr aufschlussreich.
    Lasst es Euch gut gehen,
    Pit

    1. entdeckeengland says:

      Danke, Pit. Endlich sind wir auch wieder an die virtuelle Welt angeschlossen. Hier in Dubai gibt es zwei Anbieter für Internet/Telefon/Fernsehen und die haben den Markt unter sich aufgeteilt. Entsprechend langsam bewegen sie sich. Liebe Grüße aus dem morgendlichen Dubai, Peggy

      1. Pit says:

        Hallo Peggy,
        dann, trotz der Anbieter-Nachteile, herzlich willkommen zurueck in der digitalen Welt. Hier ist das Problem mit der Konzentration der Anbieter weniger, dasss sie sich langsam bewegen, als dass es keinen preislichen Konkurrenzkampf gibt. Ich falle immer wieder um, wenn ich die Preise fuer Telefon, Internet und Fernsehen hier mit Deutschland vergleiche. Aber was will man machen? Auf Brieftauben zurueckgreifen? 😀
        Liebe Gruesse und ein schoenes Wochenende,
        Pit

      2. entdeckeengland says:

        Die Preise sind hier auch erschreckend. Da waren wir in UK echt verwöhnt. Deshalb habe ich bei meinem Mobilvertrag nur das kleinste mobile Datenpaket genommen. Was ich aber auch erstaunlich finde, ist, dass Telefonieren zwar generell teuer ist, aber es keinen Unterschied macht, ob man local oder international anruft. Liebe Grüße, Peggy

      3. Pit says:

        Um ein altes Sprichwort einmal abzuwandeln, “Andere Laender, andere Preise.” Aber das ist dann auch nur ein schwacher Trost.

  5. dj7o9 says:

    Herzlichen Glückwunsch zur Wohnung und ich drücke die Däumchen, dass der Rest jetzt wie am Schnürchen läuft.
    Lese sehr gerne über deine Abenteuer in Dubai, das war bislang immer ein Ort auf den ich nie so Recht Lust hatte, aber mittlerweile bekomme ich ganz zaghaft Lust darauf.
    Schicke Dir ganz liebe Grüße 🙂

  6. Sandra Parsons says:

    Ach ja, das klingt alles doch sehr vertraut. Warum sind die (für uns) einfachsten Dinge anderswo immer so wahnsinnig kompliziert? Das Motto hier bei uns ist ja “No stress”, und das mag ja auch ganz nett sein, wenn man hier im Urlaub ist. Aber wenn sich bestimmte Dinge über Monate hinziehen, weil niemand so richtig den Elan aufbringt, etwas zu Ende zu bringen, dann kann das echt frustrierend sein!

    In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch zur neuen Wohnung. Mal sehen, vielleicht kommen wir nächstes Jahr ja mal vorbeigeflogen. 24. Stock stelle ich mir gar nicht so schlimm vor. Außer vielleicht, wenn der Fahrstuhl mal kaputtgeht 😀

    Und was die Gleichstellung von Mann und Frau angeht… da gibt es leider noch jede Menge zu tun – packen wir es an!

    Liebe Grüße von der Insel, Deine Sandra

    1. entdeckeengland says:

      Mit Deinen Horrorgeschichten können wir zum Glück noch nicht mithalten. 😀 Ich finde es allerdings schon überraschend. Dubai ist ja im Grunde eine sehr moderne Stadt. Aber manchmal fühlt man sich hier doch wie in einem Entwicklungsland. Zugegeben, in mancher Hinsicht ging uns das in UK auch so. 😉
      Wir würden uns freuen, wenn Ihr mal vorbei schaut. Liebe Grüße aus dem Hochhaus, wo jetzt auch endlich das Internet angekommen ist.

  7. Susanne Haun says:

    Liebe Peggy,
    viel Glück in eurer neuen Wohnung, ich drücke die Daumen, dass jetzt wieder etwas Ruhe bei euch eintritt und sich neue Gewohnheiten in Dubai ausbilden.
    Die Fotos und Berichte erscheinen mir fremd, ein wenig künstlich scheint es in Dubai einherzugehen.
    Eines wünschte ich aber auch für unsere Supermärkte: die Gewürztheke!
    Liebe Grüße von Susanne

    1. entdeckeengland says:

      Danke, liebe Susanne. Jetzt, wo auch endlich das Internet geht, kann es nur noch besser werden. 😀 Dein Blick trügt Dich übrigens nicht, Vieles wirkt hier ausgesprochen künstlich. Das liegt sicherlich zum Teil daran, dass wir aus Europa einfach andere Sehgewohnheiten mitbringen. Hinzu kommt, dass alles noch recht neu ist und dass fast alles von kommerziellen Ideen getragen wird. Mein Fall ist das nicht so richtig, aber ich versuche, mich darauf einzulassen und mit so wenig Vorurteilen wie möglich an alles heranzugehen. Im Herzen bin ich aber eben doch in der europäischen Kultur verwurzelt. Das wird mir hier immer wieder bewusst. Liebe Grüße, Peggy

      1. Susanne Haun says:

        Liebe Peggy,
        ich denke, dass es sehr schwer ist, seine kulturellen Wurzeln hinter sich zu lassen.
        An der FU kann man deshalb auch Kunstgeschichte im globalen Kontext in drei verschiedenen Fachrichtungen studieren. Ich studiere in der Fachrichtung Europa und Amerika, es gibt noch Afrika sowie Ostasien. Ostasien hätte ich gerne als Nebenfach belegt, dazu hätte ich aber chinesisch lernen müssen und das war mir zu anstrengend. Da fühlte ich mich in der Philosophie besser aufgehoben.
        Dubai würde ja ins afrikanische Fach fallen, für das man arabisch lernen sollte.
        Ich bewundere, dass ihr diesen Sprung in eine so fremde Kultur gewagt habt. Wie fremd unser Europa für die Flüchtlinge ist, könnt ihr nun gut ermessen.
        Viele Grüße aus dem kalten Berlin sendet dir Susanne

      2. entdeckeengland says:

        Ich finde es interessant, dass der arabisch-sprachige Raum unter Afrika fällt. Liegt der Fokus dort auf Nordafrika? Das Sub-Sahara-Afrika hat ja kulturell nur sehr wenig mit dem Mittleren Osten zu tun.
        Auch wenn sich der Kulturreichtum hier in Dubai, wie ich ihn für mich definiere, hier in Grenzen hält, hoffe ich, dass die Erfahrung am Ende trotzdem eine Bereicherung für mich darstellt. Zumindest ist die Herausforderung da, mal aus den eigenen festgefahrenen Ansichten und Denkmustern auszubrechen.

      3. Susanne Haun says:

        Eigentlich liegt der Fokus nicht auf Nordafrika. Ich schaue einfach nochmal nach, Peggy, es gibt bestimmt eine nähere Beschreibung zum Studiengang, wenn du Lust hast, kann ich sie dir senden.
        Ich hatte mir überlegt, dass das Bildhafte ja auch noch neu für Afrika ist. Die Kunst der Moslime liegt doch eigentlich in der Kalligraphie. Aber auch da gebe ich nur Halbwissen weiter. Ich erkundige mich, liebe Grüße von Susanne

  8. juergen61 says:

    Ich wollte dir schon längst darauf antworten…kam aber bisher vor lauter Wohnung putzen und Essen kochen nicht dazu…hartes leben so als Hausmann mit Nebenberuf Fotograf 🙂
    Lieber Gruss, Jürgen

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