Kunst mit Kindern: Louvre vs. Centre Pompidou

Centre Pompidou vs. Louvre

Jede Stadt hat einige Sehenswürdigkeiten, die man – so suggerieren uns zumindest die Reiseführer – unbedingt gesehen haben sollte. In Paris gehört dazu neben dem Eiffelturm auch der Louvre. Zwar reise ich nicht mit einer „1000 Dinge, die man gesehen haben muss“-Liste durch die Welt, aber viele Top-Attraktionen haben diesen Status natürlich nicht ohne Grund. Deshalb haben wir uns ja auch in London viele typische Touristenziele angeschaut, und sind meistens geistig und emotional bereichert heimgekehrt.

Louvre

Obwohl ich vor vierundzwanzig Jahren schon einmal dort war, stand der Louvre bei mir persönlich ziemlich weit oben auf der Wunschliste. Aber ist dieses in eine Kunstsammlung umgewandelte Schloss auch etwas für einen sechsjährigen Kleinen Entdecker? Ich war gespannt.

Mona Lisa

Der erste Weg führte uns in den zweiten Stock zum wahrscheinlich berühmtesten Gemälde der Welt – der Mona Lisa. Nach einem langen Marsch durch imposante Hallen mit riesigen goldumrahmten Gemälden, vor denen nur hier und da ein Mensch stand, hing sie plötzlich vor uns, geheimnisvoll lächelnd über einem Stimmengewirr aus hundert Sprachen.

„Das ist die Mona Lisa.“

„Aha.“

„Das berühmte Gemälde von Leonardo Da Vinci.“

„Ich weiß. Können wir jetzt weitergehen?“

Die Reaktion des Kleinen Entdeckers war mir nicht ganz fremd. Kunstgeschichtlich mag die Mona Lisa bedeutsam sein, aber wenn man nach dem ganzen Hype vor ihr steht, wirkt sie vor allem eines: klein.

Kleiner Entdecker im Louvre

Nach dem obligatorischen Teil, der offenbar nicht so richtig beeindrucken konnte, setzten wir uns erstmal zwischen Marmorsäulen und Kunstobjekten auf eine Bank. Wir lasen, was im Kinderreiseführer über den Louvre stand und machten uns einen Plan. Selbst für einen Erwachsenen ist es unmöglich, sich innerhalb eines Tages den ganzen Louvre anzuschauen. Bei Kindern setzt die Reizüberflutung noch viel schneller ein. Deshalb stellten wir uns einen Rundgang zusammen, der uns durch die Renaissance, Ägypten und die Antike führte, und am Ende noch Zeit und Energie für den Spielplatz in den naheliegenden Tuilerien ließ.

Ägyptische Abteilung im Louvre

Die Beschreibungen an den Objekten sind sehr spärlich und auch sonst gibt es nur wenige Informationen zu den verschiedenen Kunstepochen. Es gibt zwar einen Audio Guide, aber ich habe in der Vergangenheit festgestellt, dass dieses Medium (noch) nicht zum Kleinen Entdecker passt. Bei der Online-Buchung habe ich gesehen, dass es einen Kinderpfad gibt, aber leider haben wir niemanden an der Information angetroffen, der uns weiterhelfen konnte.

Antike Statuen im Louvre

Das war schade, aber nicht schlimm. Kunst im Allgemeinen und der Louvre im Besonderen sprechen ja vor allem die Sinne an. Überall gibt es etwas zu entdecken und zu bestaunen, das man bei einem Fokus auf Informationen vielleicht sogar übersehen hätte. Während ich im Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Licht schwelgte, unternahm der Kleine Entdecker fotografische Studien über die Pobacken der verschiedenen antiken Götter. Bald begann er jedoch zu drängeln, dass er endlich zum Spielplatz wolle.

Kleiner Entdecker macht Fotos im Louvre

Einige Tage später fuhren wir mit der Metro zum Centre Pompidou, das das Museum für Moderne Kunst beherbergt. Der Bau aus den 1970ern beeindruckt ebenfalls mit seiner Architektur, wenn auch auf ganz andere Art und Weise als der Louvre. Alle Versorgungsleitungen und Rolltreppen wurden außen verlegt. Das schafft nicht nur in der Eingangshalle mit ihrem industriellen Charme viel Raum und Licht. Wo der Louvre ehrwürdig und geschichtsträchtig ist, macht das Centre Pompidou schon beim Betreten Lust, sich auf etwas Neues einzulassen.

Centre Pompidou

Wir entschieden uns für die Dauerausstellung über die Kunst zwischen 1905 und 1965, die die gesamte obere Etage einnimmt. Den Auftakt bildet Matisse, dessen farbenfrohe Scherenschnitte den Kleinen Entdecker sogleich in den Bann zogen.

Matisse im Centre Pompidou

Wir durchwanderten die unterschiedlichen Kunstströmungen von den „Wilden Bestien“ des Herbstsalons 1905, zu denen Matisse zählte, über Kubismus, Dada und Surrealismus bis hin zum Nouveau Réalisme. Zu jeder Kunstrichtung und zu den meisten Objekten gibt es kurze Informationen auf Französisch und Englisch, die aufzeigen, welche gesellschaftlichen oder persönlichen Entwicklungen hinter der Kunst stecken.

Picasso im Centre Pompidou

Aber nicht nur kunstgeschichtlich fand ich den Besuch im Centre Pompidou höchst anregend. Die Vielfalt und die Dehnung des Kunstbegriffs bis zum Absurden waren eine wunderbare Ausgangsbasis, mich mit dem Kleinen Entdecker über einzelne Objekte zu unterhalten. Während die alten Meister im Louvre uns Ehrfurcht einflößten, fühlten wir uns im Centre Pompidou freier, uns darüber Gedanken zu machen, was uns gefällt, was nicht und vor allem warum das so ist.

Ist das Kunst?

Inspiriert von der Ausstellung setzte sich der Kleine Entdecker bald in eine ruhige Ecke und ließ seiner Kreativität freien Lauf.

Mit Papier und Stiften in die Kunstausstellung

Auf der Dachterrasse, die sich an die Ausstellungsräume anschließt, gibt es neben einigen Skulpturen einen herrlichen Blick über die Stadt.

Blick auf Paris vom Dach des Centre Pompidou

Zurück in der Eingangshalle machten wir noch einen Abstecher zur Kindergalerie. Hier können die kleinen Besucher eigene Skulpturen kreieren oder sich nach dem „Lange-ruhig-sein“ im Discozelt austoben, über dessen Boden bunte Muster schweben.

Kindergalerie im Centre Pompidou

Fazit: Der Louvre ist und bleibt ein Highlight von Paris, aber das Centre Pompidou bietet das eindrucksvollere Kunsterlebnis – und zwar nicht nur für Kinder.

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10 thoughts on “Kunst mit Kindern: Louvre vs. Centre Pompidou

  1. ladyfromhamburg says:

    Freut mich sehr, dass beide Ziele sowohl für dich, als auch für deinen sechsjährigen Sohn interessant waren – und zwar offenbar jedes auf sein eigene Art. Richtig schön, dass er schon in dem Alter dafür offen ist und sich begeistern lässt!
    Bei meinem relativ kurzen Besuch mit Familie in Paris vor etlichen Jahren, bin ich zwar im Louvre gewesen, nicht aber im Centre Pompidou. Nachdem, was ich darüber nun gerade bei dir gelesen habe, Peggy, bekomme ich jedoch große Lust. Da Reiserei ja erst einmal nicht machbar ist, werde ich mir langsam eine Liste mit den Wunschzielen anlegen müssen, damit ich nichts vergesse. ^^

    LG Michèle

    1. entdeckeengland says:

      Liebe Michele, ich freue mich auch, dass ich mit meinem Sohn so viele Sachen machen kann. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich ihn schon früh an solche Dinge herangeführt habe. Mir war es immer wichtig – für meine eigene persönliche Entwicklung – kulturelle Ausflüge zu machen. Das wollte ich nie aufgeben, nur weil ich ein Kind habe. Allerdings sind wir in London bislang immer nur kurz in die National Gallery oder die Tate Modern gegangen, meist mit einem ganz bestimmten Ziel. Da die Dauerausstellungen dort keinen Eintritt kosten, war das leicht möglich. In Paris war das etwas anders. Dort haben zwar Kinder unter 18 vielerorts freien Eintritt, aber die Tickets für Erwachsene sind kein Schnäppchen. Daher war es mir schon wichtig, dass wir uns wenigstens ein paar Stunden dort aufhalten und ich war froh, dass das auch gut geklappt hat. Solltest Du wieder einmal nach Paris kommen, kann ich Dir das Centre Pompidou wärmstens empfehlen. Ich wünsche Dir alles Gute, liebe Grüße, Peggy

  2. martinasommerer says:

    Am nettesten finde ich, dass Dein Kleiner gleich selber mit Stift und Papier losgelegt hat. Das zeigt ja ganz deutlich, was für Kinder inspirierender ist… Trotzdem finde ich es sehr gut und auch wichtig, dass Du ihn auch ins “erhabenere” Museum geführt hast. Ich bin sicher, da ist was hängengeblieben, und sei es nur im Unterbewusstsein, und es wird irgendwann ein Wiedersehen mit echtem déjà-vue effect geben.

  3. juergen61 says:

    Hallo Peggy ,
    also meiner war eindeutig für das Centre….allein das Rolltreppenfahren und die Aussicht…er wollte unbedingt alle Menschen auf dem Platz davor zählen und wir haben allein eine Stund am Fenster gehangen.. 🙂
    Lieber Gruss aus Hamburg von Jürgen

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