Im Herzen der Stadt: Berlins Anfänge

Blick über Berlin vom Fernsehturm

Fragt man eine Berlinerin, wo das Herz der Stadt liegt, wird sie vermutlich sofort den eigenen Kiez nennen. Berlin ist, wie viele europäische Großstädte, aus mehreren kleinen Ortschaften zusammengewachsen, und die verschiedenen Stadtteile haben sich ein individuelles Flair erhalten. Für mich war das Zentrum Berlins seit frühester Kindheit der Fernsehturm. Jedes Jahr in den Sommerferien fuhren wir für einen Tag nach Berlin. Ich weiß nicht, wie viele Stunden meines Lebens ich in der Warteschlange am Fernsehturm verbracht habe, aber es war immer ein tolles Gefühl, in den Fahrstuhl zu steigen und hoch zur Aussichtsplattform zu fahren. Glücklicherweise lassen sich Warteschlangen heutzutage dank Onlinebuchung vermeiden.

Alt und neu: Allegorische Figur des Neptunbrunnens vor dem Berliner Fernsehturm

Mittlerweile haben der Kleine Entdecker und ich ein bisschen Erfahrung mit Aussichtstürmen. Schon auf unserer ersten Reise nach Dubai vor etwas über einem Jahr sind wir zum Aussichtsdeck des Burj Khalifa gefahren (über das derzeit höchste Gebäude der Welt ein andermal mehr). Mit gerade mal 368 Metern Höhe schafft es der Fernsehturm heutzutage nur noch knapp in die Top 50. Dabei war er bei seiner Fertigstellung 1969 noch das vierthöchste Gebäude der Welt. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles und da Berlin keine Stadt der Wolkenkratzer ist, ist der Fernsehturm, was die Sicht angeht, hier konkurrenzlos. Zugegeben, der Blick ist nicht ganz so romantisch wie der vom Eiffelturm, aber dafür muss man sich nicht durch Menschenmassen kämpfen, um etwas zu sehen. Ob die angenehmere Erfahrung mit einem besseren Besuchermanagement zu tun hat oder aus der geräumigeren Architektur der Kugel resultiert, kann ich schwer einschätzen.

Vom Fernsehturm blickt man in den ältesten Teil Berlins - das Nikolaiviertel.

Der Fernsehturm mag nicht den Eindruck erwecken, aber er steht tatsächlich im ältesten Teil Berlins. Von oben blickt man direkt ins Nikolaiviertel mit dem ältesten Bauwerk der Stadt – der Nikolaikirche, deren Bau um 1230 begonnen wurde. Hier war das Zentrum der mittelalterlichen Handelsstadt Berlin und direkt gegenüber auf dem anderen Spree-Ufer, wo sich heute die Museumsinsel befindet, lag Cölln. Seit 1307 trat die Doppelstadt Berlin-Cölln nach außen als Einheit auf, wenngleich die Verwaltung im Innern weiterhin getrennt blieb. Erst der Preußenkönig Friedrich I. vereinigte Berlin und Cölln sowie drei andere Stadtteile formell zur Haupt- und Residenzstadt Berlin. Das war im Jahr 1709.

 

Die Nikolaikirche ist das älteste Bauwerk Berlins.Von der alten Nikolaikirche steht heute nur noch die Feldsteinwand am Eingang. Der darüber thronende neugotische Doppelturm ist eine Konstruktion des 19. Jahrhunderts.

Vor der Marienkirche steht der Neptunbrunnen.Die Marienkirche am Fuße des Fernsehturms entstand nur wenige Jahrzehnte später. Sie wurde 1292 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Neptunbrunnen steht allerdings erst seit 1969 hier. Ursprünglich befand sich der im 19. Jahrhundert geschaffene Kaiserbrunnen vor dem Berliner Stadtschloss.

Das Rote Rathaus steht nicht weit entfernt vom Fernsehturm im Zentrum Berlins.

Überquert man die Grunerstraße auf der Rückseite des Roten Rathauses, läuft ein Stück die Jüdenstraße hinunter und biegt dann links in die Parochialstraße ein, gelangt man auf der Höhe der heutigen Littenstraße an den Rand der mittelalterlichen Stadt. Im Großstadtdschungel zwischen Wohnhäusern und Baustellen fällt das kurze Stück alte Stadtmauer kaum auf, aber vor knapp 800 Jahren war sie die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis.

In Berlin-Mitte befindet sich ein Stück der mittelalterlichen Stadtmauer.

Advertisements

11 thoughts on “Im Herzen der Stadt: Berlins Anfänge

  1. Pit says:

    Auch wenn Mary und ich schon mehrere Male in Berlin waren, auf dem Fernsehturm waren wir noch nicht. Aber jetzt, mit Deinem Artikel hier, liebe Peggy, machst Du mich sehr neugierig.
    Das Nikolaiviertel hat uns uebrigens immer sehr gefallen.
    Liebe Gruesse,
    Pit

      1. Pit says:

        Stimmt! Aber wann? Zunaechst geht es in einem Monat mal wieder auf einen “RailTrailsRoadTrip” [3 Wochen] hier in den USA. Danach haben wir noch nichts Weiteres konkret geplant. Wenn es denn – spaeter im Jahr – noch Deutschland werden sollte, dann aber wohl eher nach Sueddeustchland. Da ist noch enorm viel, das ich Mary noch gar nicht gezeigt habe.

  2. Sandra Parsons says:

    Ach ja… Diese Berlinerin hier hat sich riesig über den Bericht zu ihrem Kiez gefreut. Als in Berlins Mitte Aufgewachsene ist es immer komisch, die Stadt, die mir immer noch so vertraut ist, durch die Besucherbrille zu sehen. Und insbesondere jetzt, wo ich seit Jahren nicht mehr dort wohne und bei Besuchen immer die Änderungen mitverfolge, ist es toll zu sehen, dass einige Dinge noch immer an Ort und Stelle sind, und hoffentlich auch noch eine Weile dort bleiben werden. Ganz liebe Grüße von den Kapverden, Sandra

    1. entdeckeengland says:

      Für mich fühlt sich Berlin ja auch ein bisschen wie zu Hause an, obwohl ich erst als Erwachsene dort gelebt habe. Damals bin ich allerdings noch mit anderen Augen durch die Stadt gegangen. Sie jetzt zusammen mit dem Kleinen Entdecker als Touristin zu entdecken, ist jedenfalls auch spannend 🙂 Liebe Grüße aus der Wüste, Peggy

  3. Peter Klopp says:

    Vielen Dank für den hervorragenden Fotobericht über einer meiner Lieblingsstädten Berlin! Ein bisschen Geschichte und ein paar schöne Bilder haben mir heute morgen Freude gebracht. Libe Grüße aus dem fernen Kanada!

  4. ladyfromhamburg says:

    Es gefällt mir sehr, auf diese kurzweilig-informative Art und Weise herumgeführt und auf Bestandteile des (sehr) frühen Berlins aufmerksam gemacht zu werden, Peggy. Und dank der Fotos habe ich nicht nur davon zusätzlich einen optischen Eindruck sondern auch – z. B. durch die Aussicht vom Fernsehturm – ein besseres Gefühl für Größenverhältnisse bzw. Höhenunterschiede.
    Ich hoffe und vermute fast, dass du noch weitere Blogteile über Berlin einplanst, was mich natürlich mächtig freuen würde. So kann es gern weitergehen … ^^

    Liebe Grüße aus Hamburg zu dir in die warmen Gefilde – und ja, auch wenn der Burj Khalifa später einmal hier bei dir auf dem Programm steht, bin ich natürlich sofort bei der virtuellen Besichtigung dabei!
    Michèle

    1. entdeckeengland says:

      Herzlichen Dank, liebe Michele 🙂 Ja, ich plane noch 2-3 Berlin-Artikel. Danach geht es wieder mit Dubai weiter. Hier haben sich mittlerweile auch einige interessante Themen angesammelt. Ganz liebe Grüße in den Norden, Peggy

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s