Kleiner Entdecker im Deutschen Technikmuseum

Das Deutsche Technikmuseum in Berlin

Habe ich Euch schon einmal erzählt, dass der Kleine Entdecker ein recht genügsamer Reisegenosse ist? Wo immer ich ihn hinschleppe, er macht fast alles mit und wird nur selten pflastermüde. Und im Zweifel kann ich ihn immer mit der Aussicht auf eine Kugel Eis bestechen. Natürlich achte ich darauf, dass unsere Reisen und Ausflüge zumindest zu einem gewissen Grad kindgerecht sind, aber mein Fokus liegt interessenbedingt in der Regel auf Geschichte, Kunst und Literatur. Der Kleine Entdecker hingegen hat vor allem Technik und Erfindungen im Kopf. Um einen kleinen Interessenausgleich zu schaffen, durfte er sich, nachdem ich die wichtigsten Anlaufpunkte unserer Berlinreise festgelegt hatte, eine Aktivität aussuchen, die er unbedingt unternehmen wollte. Seine Wahl fiel natürlich auf das Technikmuseum. In London sind wir regelmäßig ins Science Museum gegangen. Der kleine Entdecker fand es immer spannend, die Welt der Physik und Chemie in den vielen interaktiven Installationen zu erforschen. Ob das Deutsche Technikmuseum da mithalten kann?

Besuch im Science Center Spectrum im Deutschen Technikmuseum, Berlin
Das Science Center Spectrum befindet sich in einem historischen Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des Deutschen Technikmuseums.

Der Rosinenbomber auf dem Dach des Neubaus ist auf jeden Fall ein Hingucker. Das Technikmuseum ist eigentlich eine Ansammlung mehrerer, technikorientierter Museen in verschiedenen Gebäuden, die den Museumspark zwischen Möckernstraße und Trebbiner Straße sprenkeln – für einen einzigen Tag viel zu groß, wenn man in die einzelnen Themen mit ein bisschen Ruhe eintauchen will. Wir beginnen im Science Center Spectrum, das im historischen Verwaltungsgebäude des früheren Berliner Anhalter Güterbahnhofs untergebracht ist. Hinter dem vermeintlich fesch klingenden englischen Namen verbirgt sich ein Experimentierlabor, das auch die größten Technikmuffel aus der Reserve lockt. Wir müssen natürlich alles ausprobieren und verbringen einen halben Tag in der vier Etagen umfassenden Ausstellung.

Wie wie schwarz und weiß wahrnehmen - Experiment im Science Center Spectrum
Experimente zur Schwarz-Weiß-Wahrnehmung
Wie Perspektive die Größenwahrnehmung ändert: Versuch im Deutschen Technikmuseum Berlin
Größe ist eine Frage der Perspektive

Nach unserem Besuch im Marie-Curie-Museum in Paris, weckte der anschauliche Versuch, Halbwertzeit und radioaktiven Zerfall zu erklären, unser besonderes Interesse.

Halbwertzeit anschaulich erklärt im Deutschen Technikmuseum Berlin
Radioaktiver Zerfall und Halbwertzeit anschaulich erklärt
Im Science Center Spectrum Berlin lernt Kleiner Entdecker mehr über Elektrizität
Die Spannung steigt
Hochspannung im Deutschen Technikmuseum Berlin
Es knistert
Geistesblitze: Elektrizität zum Anfassen und Ausprobieren im Science Center Spectrum Berlin
Wissenschaft zum Anfassen
Wie entstehen Wellen? Versuch im Science Center Spectrum
Welle machen

An das Science Center schließt sich direkt die Ladestraße, wo wir mehr über Autos und Straßenverkehr erfahren. Hier beginnt der eigentliche Museumsteil. Alte Autos stehen auf niedrigen Podesten, die gleichzeitig als Informationstafeln dienen, von denen der lesefaule Kleine Entdecker immer nur die Überschrift liest. Aber es gibt zwischendurch auch immer wieder anschauliche und teilweise interaktive Installationen.

Auto und Straßenverkehr im Deutschen Technikmuseum Berlin
Die Geschichte des Autos
Das Auto im Querschnitt
Innenleben eines Autos
Die Autolenkung - Installation im Technikmuseum Berlin
Kleiner Entdecker übernimmt das Steuer.
Die Entwicklung des Rads im Deutschen Technikmuseum
Räder im Test

Schön finde ich außerdem die fotogene Gestaltung.

In der Autoausstellung im Technikmuseum hängen alte Räder von der Decke.
Ohne Räder keine Autos
Es muss nicht immer schnell sein: Reisen um die Welt.
Auf Reisen
Bilder und Postkarten von unterwegs
Grüße aus der Ferne

Obwohl die Ausstellung zum Straßenverkehr nicht riesig ist, hat die Sonne den Zenit weit überschritten, als wir aus der Ladestraße ins Freie treten. Der Kleine Entdecker zeigt erste Ermüdungserscheinungen und ich brauche dringend einen Kaffee. Für diesen Tag haben wir genug gesehen und ausprobiert. Also beschließen wir, unseren Besuch ein andermal fortzusetzen. Denn soviel ist klar: Den Vergleich mit dem Londoner Science Museum braucht das Deutsche Technikmuseum nicht zu scheuen.

Gesetze der Mechanik im Science Center Spectrum
Teststrecke: die Gesetze der Mechanik

Nur eines finde ich schade. Der Eintrittspreis von 8 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder mag uns nicht ruinieren und ist für die Qualität des Museums durchaus angemessen. Aber wieviel mehr Besucher, auch aus einkommensschwächeren Familien, könnte das Museum anziehen, wenn es wie das Science Museum in London kostenlos wäre? Und auch wenn solche Zusammenhänge nicht nachgewiesen sind: Vielleicht würden mehr Mädchen und Jungen ihren Weg in naturwissenschaftliche und technische Berufe finden, wenn Einrichtungen wie das Science Center Spectrum allen offen stünden.

Mehr Informationen über das Deutsche Technikmuseum findet Ihr hier.

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16 thoughts on “Kleiner Entdecker im Deutschen Technikmuseum

  1. Pit says:

    Hallo Peggy,
    da haben der Kleine Entdecker und ich Alter Entdecker ja etwas gemeinsam: auch ich lese meistens die Beschreibungen nicht zur Gaenze. ;)
    Uebrigens: solltet Ihr es einmal irgendwann wirklich nach Fredericksburg schaffen – im Nachbarort Johnson City gibt es da fuer ihn auch etwas zu sehen, auch ein Wissenschafts-/Technikmuseum, in einer frueheren Baumwollmuehle, daher jetzt “Science Mill” genannt [https://www.sciencemill.org/]. Das ist uebrigens nicht nur fuer Kinder, sondern auch fuer (aeltere) Jugendliche und Erwachsene etwas.
    Liebe Gruesse,
    Pit
    P.S.: Mary und ich waren noch nicht drin. Muessen wir unbedingt mal bald.

    1. entdeckeengland says:

      Na dann habe ich ja noch Hoffnung für meinen lesefaulen Sohn 😀 Die Science Mill klingt sehr spannend. Ich sehe schon, Texas ist einen eigenen Urlaub wert. 😀 Liebe Grüße, Peggy

      1. Pit says:

        Ja, gib’ da mal die Hoffnung nicht auf, liebe Peggy. Von Kindheit an, und gerade besodners in meinen Kinder- und Jugendjahren, war ich uebrigens eine “Leseratte”! ;) Dass ich manche Erlaeuterungen nur teilweise lese, das hat sich erts im Alter entwickelt.
        Texas ist wirklich einen eigenen Urlaub wert. Ich glaube, ich hatte es schon mal gesagt: selbst nach mittlerweile 10 Jahre des Lebens hier gibt es noch sehr viele Ecken, die ich noch nicht gesehen habe und unbedingt sehen moechte.
        Liebe Gruesse,
        Pit

      2. entdeckeengland says:

        Ja, so ist das sicherlich in vielen Regionen. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken für die, die mit offenen Augen durch die Welt gehen. So ging mir das auch auf unseren Eisenbahnreisen entlang Englands Küste. Wir haben in vielen kleinen Orten angehalten, und ich war immer wieder überrascht über die Fülle, die es zu entdecken gab.
        Was das Lesen angeht, haben wir einen eher langsamen Start, aber der Kleine Entdecker ist ja auch erst sieben. Ich will auch keinesfalls einen zu großen Druck aufbauen, um ihn nicht vielleicht noch mehr abzuschrecken. Mir fällt es nur schwer, das zu verstehen, weil ich das ganze Gegenteil war. Wir sind eben alle Individuen 😀

      3. Pit says:

        Mit sieben muss es ja auch noch nicht sein, mit viel Lesen. Kam bei mir auch erst (etwas) spaeter.
        Wir sind jetzt in Vorfreude gespannt darauf, was wir ab Mitte diesen Monats auf unserem naechsten “RailTrailsRoadTrip” sehen werden.
        Apropos was wir in Texas unbedingt noch wollen: einmal fuer ein paar Tage in einer “Cabin” am Palo Duro Canyon zubringen. Aber die drei Cabins, die sei da im Nationalpark haben, sind so gesucht, dass man fast ein ganzes Jahr im Voraus buchen muss. Trotzdem: die sind so fantastisch gelegen, dass wir den gedanken daran nicht aufgeben moechten.

  2. Peter Klopp says:

    Was für ein wunderbares Museum für große und kleine Entdecker, wo man nicht nur Dinge anschaut, sondern auch in die Hand nehmen kann! Ich stimme deiner Meinung zu. Man sollte bei solchen Museen keinen Eintrittspreis verlangen.

  3. thursdaynext says:

    Ja, der Eintrittspreis ist wirkklich gemäßigt, aber wie du sagst, einkommenschache Familien dürften da ein Problem haben. Ich weiß noch wieviel Zeit ich in Düsseldorf als Kind im Museum am Zoopark verbracht habe, während meine Eltern tennisspielten. Dieses Museum war für mich ein immerwährendes Schatzkästlein und kostete damals 50 Pfennig Eintirtt für Kinder. In Frankreich sind meistens die Kids kostenlos in den Museen. Schöne Sache das!

    1. entdeckeengland says:

      Im Science Museum in London ist es auch definitiv voller und das Publikum gemischter. Es macht also sicherlich etwas aus, zumal das Museum ja auch so groß ist, dass es mit einem Besuch bei weitem nicht abgetan ist.

  4. ladyfromhamburg says:

    Wenn ich so sehe, was es alles in dem Technikmuseum zu entdecken gibt, bekomme ich aus Lust! Damit kann man mich immer locken (vor allem mehr als mit Shopping etc.^^).
    Wie schön, dass dein Sohn so ein Interesse in dieser Richtung zeigt und doch ein für sein Alter bewunderswerter “Durchhaltevermögen” an solchen Stätten (London, Paris, Berlin) zeigt!
    Peggy, bezüglich deiner Überlegung oder These am Ende deines heutigen Berichts: Ich habe auch schon manchmal in diese Richtung gedacht. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ein einfacherer Zugang zu solchen Dingen (unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten) auch mehr ermutigen würde, sich mit dieser Fachrichtung zu beschäftigen. Sich ihr vor allem erst einmal auf unkompliziertere und unverfängliche Art zu nähern!
    Wenn es wenigstens für Kinder und Jugendliche kostenlos wäre … Bis zu einem gewissen Alter können sie natürlich kaum ohne (weiterhin zahlende) Begleitung dorthin, aber spätestens im Teenageralter – und wenn die klare Neigung vorhanden ist – würden Jugendliche es doch nutzen!

    Liebe Grüße und einen schönen 1 Mai!
    Michèle

    1. entdeckeengland says:

      Hi hi, ja ich gehe auch lieber ins Museum als shoppen. Auf Technikmuseen bin ich aber tatsächlich erst durch den Kleinen Entdecker gekommen. Mittlerweile probiere ich aber genauso enthusiastisch mit. 😀
      Das kostenlose Museum wird natürlich immer umstritten sein, denn irgendjemand muss es ja finanzieren. Vielleicht hat England ja eine bessere Sponsoren- und Spendenkultur, die das möglich macht.
      Liebe Grüße, Peggy

  5. arnoldnuremberg says:

    Danke für die schöne Schilderung und Empfehlung des Museumsbesuchs. Eine Serie gelungener und reizend untertitelter Aufnahmen, “Die Spannung steigt, es knistert, Welle machen”.
    – Eine Kindheitserinnerung an Besuche im Deutschen Museum in München, das ebenfalls der Technik verschrieben ist. – Kürzlich begannen in Nürnberg die Bauarbeiten für einen Ableger des Münchner Deutschen Museums, das ein “Zukunftsmuseum” werden soll. “Schau’ mer mal …”
    Eintrittsgebühren sind immer wieder ein Politikum in Museen, wie auch die Leseausweise in Bibliotheken. Einige Museen in Nürnberg bieten freie Zeitfenster, sei es regelmäßig oder zu bestimmten Anlässen. Mit dem Nürnberg-Pass für Nichtverdiener gibt es ermäßigte Eintritte. Eine ehrenamtliche Initiative “Kulturfreunde” begleitet Kinder, die sonst keine Gelegenheit haben, ein Museum zu besuchen, in die “Musentempel”.
    Weiter frohe und gute Entdeckungen! Wir lernen zusammen, lebenslang.
    Herzliche Grüße
    Bernd

    1. entdeckeengland says:

      Wenn es uns mal nach Süddeutschland verschlägt, steht das Deutsche Museum in München auf jeden Fall auch hoch im Kurs. Und in Nürnberg gibt es glaube ich ein schönes Eisenbahnmuseum, wenn ich mich nicht irre. Ach ja, es gibt immer so viel zu entdecken. :-)

  6. Martina says:

    Es ist immer wieder schön zu lesen, was Du Deinem Kleinen alles bietest. Und dass er so klaglos und neugierig mitmacht – wahrscheinlich, weil er es von früh auf gewohnt ist? Da leistest Du einen unschätzbaren Beitrag zu seiner Bildung/ Erziehung/ Entfaltung als kompletter Mensch. Bin immer glücklich, wenn ich Deine schönen Berichte lese, nicht zuletzt deshalb!

  7. juergen61 says:

    Hallo Peggy,
    da wart ihr ja an einem meiner Lieblingsorte in Berlin….und ja, die Preisdiskussion: einerseits ist der Preis eher symbolisch und deckt nicht die Kosten des Museums….da könnte man gleich aufs Ganze gehen und zumindestens Kinder umsonst reinlassen….In München gibt es dann das Gegenstück , auch sehr interessant : zum Eisenbahmuseum: Nürnberg ist vor einiger Zeit abgebrannt, keine Ahnung wie sie da mit dem Aufräumen vorankommen….die Berichte klingen nicht gut….aber in Berlin wart ihr nahe dran, genau gegenüber eurem Gebäude liegen die beiden Lokschuppen mit einer grossen Sammlung von Eisenbahnfahrzeugen…und im Hauptgebäude dann die Flugzeuge und Schiffsmodelle .München hat eisenbahnmässig auch einiges zu entdecken, viel Spass dabei !
    beste Grüsse von Vater und Sohn aus dem Modellbahnzimmer :-) Jürgen

    1. entdeckeengland says:

      Hallo Jürgen, wir werden bestimmt nochmal hingehen und uns noch mehr anschauen. Berlin ist von allen deutschen Großstädten die, die für uns am leichtesten erreichbar ist. Das Münchener Technikmuseum steht auch auf unserem Plan. Das kennt mein Sohn von einer Was-ist-Was-CD, ich glaube die über Erfindungen. Aber München ist halt ziemlich weit weg. Das braucht mehr Planung, und die Ferien sind irgendwie immer zu kurz :-) Liebe Grüße, Peggy

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